André Pfister (Foto: SR/Chris Igantzi)

Bierschätze im Land der Weine

Tour de Kultur 2021: Das wandelnde Bierlexikon André Pfister und seine Sammlung

Chris Ignatzi   19.07.2021 | 06:00 Uhr

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Eigentlich, sagt André Pfister, trinke er ja viel lieber Wein als Bier. Denn so mache man das als Franzose. Und als Elsässer sowieso. Wundervolle Weißweine wachsen im nordöstlichsten Zipfel Frankreichs, die Weißburgunder – ein Gedicht. Und doch ist von alldem nichts zu ahnen, wenn man diesen verwinkelten Ausstellungsraum unter dem Dach seines Hauses in Hoenheim vor den Toren Straßburgs besucht. Denn dem pensionierten Ingenieur ist als echter Elsässer natürlich klar, dass seine Region jene ist, die schon immer ein Faible für das deutsche Nationalgetränk hatte. Im Jahr 1259 ist der erste Brauer in Straßburg verzeichnet, rund 750 Jahre später ist diese Bier-Tradition im Hause Pfister sicht- und spürbar.

Alles begann mit einem Bierdeckel

Der Zufall brachte den passionierten Weintrinker erst im Rentenalter zum Gerstensaft. „Ich war auf einer Brauereiführung, und da lagen am Ende bei der Verkostung unzählige Bierdeckel auf dem Tisch“, erinnert er sich an den wegweisenden Ausflug vor mehr als zwei Jahrzehnten. „Ich fand sie schön und habe gefragt, ob ich einen mitnehmen darf.“ Er durfte. Der Rest ist Geschichte. In Aktenordnern, fein säuberlich in Regalen aufbewahrt, finden sich heute 12 000 Bierdeckel aus aller Welt. Schon bald setzte André Pfister sich intensiv mit der elsässischen und speziell mit der Straßburger Biergeschichte auseinander. Auch, dass seine Frau sich bis heute ein bisschen lustig über ihn macht und Exponate, die doppelt in seinen Besitz gelangten, in den Keller verbannt, hielt ihn nicht davon ab, sich immer tiefer in die Materie zu graben.

Den Biedeckeln folgten die Gläser

Pêcheur-Biergläser der Sammlung André Pfister (Foto: SR/Chris Igantzi)

So kam es, dass aus der anfänglichen Leidenschaft für Bierdeckel nach und nach viel mehr wurde. Jeden Sonntag stellt sich André Pfister einen Wecker, um rechtzeitig auf dem örtlichen Flohmarkt zu sein. Wer weiß, was er da so alles findet. Einmal im Jahr tauscht er auf einer großen Sammlermesse Spiegel gegen Gläser, Gläser gegen Gläser und Bierdeckel gegen Spiegel.

Über die Jahre hat er so eine beachtliche Sammlung zusammengetragen. Gläser stehen auf Regalen in mehreren Reihen, hängen an Haken von selbigen oder glänzen in Vitrinen, Blechschilder hängen an den Wänden, vor allem von den Brasserien, die es in Schiltigheim gab, einem Vorort von Straßburg und Nachbarstadtteil von Hoenheim. Bis in die 1960er-Jahre arbeiteten hier noch tausende Menschen, ehe die Big-Player der Bierbranche das Potenzial der regionalen Biermarken erkannten, sie aufkauften und heute an anderen Orten produzieren lassen.

Zu allem weiß er eine Geschichte zu erzählen

Bierglas-Schätze des André Pfister (Foto: SR/Chris Igantzi)

Pecheur, Gruber, Kronenbourg steht auf den Pokalen, Tulpen, Humpen. Ingwiller, Biedermann, Adelshoffen auf Blechschildern, Bierdeckeln und Schlüsselanhängern. Und zu alldem kann der 82-Jährige Geschichten erzählen. Ebenjene sind es, die den Besuch in seiner Sammlung erst zu einem besonderen Erlebnis machen: André Pfister, das wandelnde Bierlexikon, weiß zum Beispiel, dass es einen Grund hat, weshalb auf den Pecheur-Biergläsern und Schildern auch oft „Fischer“ steht. „Je nachdem, wer gerade an der Macht war im Elsass, hatte auch die Sprachhoheit. Mal war der deutsche, mal der französische Name in Mode.“ 

Kleiner Ausflug in die Welt des Champangers

Auch bunte Champagnerkorken gehören zur Sammlung (Foto: SR/Chris Igantzi)

Inmitten der mit Brauereigeschichte vollgestopften Regale fällt der Blick indes auf ein samtenes Sammelkästchen, das Pfisters neueste Sammelidee enthält: Champagnerkorken. Die haben zwar mit Bier nicht viel zu tun, aber hier kommt die Liebe des Franzosen zur vergorenen Traube dann doch zum Vorschein. Noch ist dieser Teil der Sammlung im Aufbau. Anders ist es bei den Gläsern, bei denen die für Sammler wertvollsten Stücke gar eine eigene Vitrine in einem Nebenraum bekommen haben.

Ein wahrer Schatz: Das Schützenbräu-Glas

Apropos wertvollste Stücke: Der größte Schatz in André Pfisters Ausstellung ist natürlich auch ein Glas. Ein roter Schütze auf gelbem Grund ist dort zu sehen. Der rote Schriftzug „La Patrie“ schmückt den gläsernen Krug, auf dem auch der Name der Brauerei zu lesen ist: Schützenbräu. „Dieses Glas ist ein Prototyp, von dem es nur zwei gab. Der Direktor der Brauerei hat sie mir persönlich überreicht. Eines davon habe ich direkt gegen einen anderen Schatz eingetauscht. Aber dieses hier, behalte ich. Es ist von unschätzbarem Wert für Sammler.“ 

Trinkt der versierte Sammler auch aus solch einem wertvollem Stück? Nein. Aber das hat andere Gründe. „Wenn ich Bier trinke, dann am liebsten ein gutes Pils und da geht nichts über eine Biertulpe.“ Sagt der Mann, der wohl mehr Biergläser im Haus hat, als seine Hoenheimer Mitbewohner zusammen. Mit dem richtigen Glas für das richtige Bier kennt er sich bestens aus.


Auf einen Blick


Kontakt André Pfister
16, Rue du Maréchal Lyautey
F-67800 Hoenheim (bei Straßburg)
Tel.: (0033 3) 88 83 02 27
E-Mail: pfister.andre@wanadoo.fr

Öffnungszeiten / Eintritt
Nach vorheriger Absprache mit Herrn Pfister
Herr Pfister spricht deutsch

Anfahrt
Ab Saarbrücken fahren Sie auf der A6 in Richtung Mannheim. Nehmen Sie die Ausfahrt B51 in Richtung Kleinblittersdorf/Saar­gemünd. Folgen Sie der Bundesstraße nach Straßburg/Saargemünd. Am Kreisel die Ausfahrt für N61 nach Straßburg nehmen um anschließend auf die A4 nach Straßburg zu kommen. Fahren Sie Hoenheim ab und nehmen Sie die 2. Abfahrt auf die D184 (rue de la Fontaine), dann am nächsten Kreisel die 3. Abfahrt in die Straße Rue du Maréchal Lyautey.


Die Tour de Kultur 2021


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