Ein Alpaka (Foto: Eva Lippold)

Zen oder die Kunst, mit einem Alpaka zu wandern

Mit südamerikanischen Kamelen durchs Saarbrücker Almet

Eva Lippold  

Seit 2009 ist Rainer Frenkel vom "Alpaka-Virus" befallen. Zusammen mit seiner Frau Christiane Groß betreibt er im Saarbrücker Almet eine Alpaka-Farm und bietet dort Wanderungen, Picknicks, Kindergeburtstage und Erlebniswochenenden für die ganze Familie an - ein Hauch von den Anden, gleich hinter dem Saarbrücker Tabaksweiher.



Hinter dem Tabaksweiher, mitten im Saarbrücker Almet, liegen die Anden. Oder so ähnlich. Der ortsunkundige Wanderer jedenfalls reibt sich erst einmal die Augen, wenn er sich auf den saftigen saarländischen Wiesen plötzlich Aug in Aug mit Dutzenden Lamas und Alpakas sieht.

Gehören die wirklich hierher? Ja, tun sie. Und ganz so schlecht passen die aus Südamerika stammenden Kameltiere eigentlich gar nicht an die Saar, sagt Rainer Frenkel. Er betreibt gemeinsam mit Christiane Groß die Saarbrücker Alpaka- Farm. Das Klima und das Gras gefällt den flauschigen Tieren ganz gut, nur den mitteleuropäischen Regen mögen sie nicht so gerne. Aber wer mag den schon?

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Tour de Kultur 2017: Zen oder die Kunst, mit einem Alpaka zu wandern
Audio [SR 3, Eva Lippold, 03.07.2017, Länge: 04:00 Min.]
Tour de Kultur 2017: Zen oder die Kunst, mit einem Alpaka zu wandern
Seit 2009 ist Rainer Frenkel vom "Alpaka-Virus" befallen. Zusammen mit seiner Frau Christiane Groß betreibt er im Saarbrücker Almet eine Alpaka-Farm und bietet dort Wanderungen, Picknicks, Kindergeburtstage und Erlebniswochenenden für die ganze Familie an - ein Hauch von den Anden, gleich hinter dem Tabaksweiher.

So fing alles an

Rainer Frenkel und Ehefrau Christiane Groß auf ihrer Alpaka-Farm  (Foto: Eva Lippold)
Rainer Frenkel und Ehefrau Christiane Groß

Angefangen hat alles im Jahr 2009. Da sah Rainer Frenkel im Fernsehen eine Dokumentation über die Tiere, die den Indios jahrhundertelang vor allem warme, weiche Wolle lieferten. Er verliebte sich von Kopf bis Fuß, sagt er, in die riesigen feuchtglänzenden Augen mit den langen Wimpern, in den ruhigen Charakter der kindlich wirkenden Tiere. Dann folgte eine Reise zu einem Alpaka-Züchter nach England, dann der Entschluss: Mit und von diesen Tieren wollten der gebürtige Saarländer und seine aus Hamburg stammende Frau leben, sie züchten, ihre Wolle scheren. „Bist du einmal mit dem Alpaka-Virus infiziert, ist es aus“, sagt Frenkel.

Picknicks, Wanderungen & mehr

Aus den ersten acht Stuten, die Frenkel und Groß aus England mitgebracht haben, ist eine Herde von 46 Tieren geworden. Und mit den Alpakas leben auf dem kleinen Hof noch drei Dutzend Lamas, zwei Kaninchen, vier Esel und ein zotteliger Hund. Mittlerweile bietet das Paar auf seinem Hof auch Picknicks, Wanderungen und Kindergeburtstage mit Alpakas an. „Auf Kinder haben die sanften Tiere eine besonders beruhigende Ausstrahlung,“ erzählt Christiane Groß.

Alpaka-Farm  (Foto: Eva Lippold)
Die Alpaka-Farm im Saarbrücker Almet

Die Alpaka-Farm liegt direkt neben dem Erbeldinger Hof, knapp unterhalb der waldigen Hügel der Spicherer Höhen. Dort, wo am 6. August 1870 in einer Schlacht des deutsch-französischen Krieges 1.200 Menschen den Tod fanden, ist heute ein Ort der Besinnung und der Ruhe. Die finden Wanderer auf Streifzügen durch die hügelige Landschaft, die immer wieder von Kriegsdenkmälern und Grabfeldern durchbrochen wird, bei Flammkuchen und Specksalat auf der Terrasse des Restaurant Woll, ja, oder eben bei einer Wanderung mit den Saar-Alpakas. Die etwa einstündige Tour für Gruppen bis 14 Personen kann man bei Christiane Groß und Rainer Frenkel buchen.

Doch wer mit ihnen wandern will, muss die Tiere erst einmal einfangen. Leichter gesagt als getan – etwa zehn Menschen stehen auf der Weide bereit, um die Herde einzukreisen. Man fühlt sich wie ein Ranger auf weiter Prärie. Kinder und Erwachsene nehmen große Seile in die Hand, der Kreis um die Tiere wird immer enger geschlossen. Und dann ist man wirklich Aug in Aug mit den Tieren. Schöne Augen sind das. Und erst die Frisuren! Ambar zum Beispiel trägt einen todschicken Jackson-Five-Afro. Aber halt, was macht der da mit seinem Maul? Spucken die nicht? Ja, aber nie ohne Grund, nur wenn man sie ärgert, beruhigt Christiane Groß. Und gefährlich ist das nicht, nur ziemlich unangenehm. Und übelriechend. Also immer nur von vorne annähern, nur am Hals streicheln und sein Tempo den Tieren anpassen.

Gezähmt und gezüchtet wurden die flauschigen Tiere schon vor etwa 5.000 Jahren in den südamerikanischen Anden. Während die Lamas den Indios vor allem als Lasttiere dienten, wurden Alpakas vor allem wegen ihrer Wolle gezüchtet, in großen Herden. „Kann man auch auf denen reiten?“, will ein Kind wissen. „Nein,“ winkt Christiane Groß ab. Das wäre für die zierlichen, etwa 60 Kilogramm schweren Tiere nicht gesund. Dasselbe gilt übrigens auch für die größeren und schwereren Lamas. Sie sind zwar das Lastentragen gewohnt, doch wird die Last ihnen zu schwer, legen sie sich einfach hin, erzählt Groß. Und stehen erst wieder auf, wenn die Last von ihrem Rücken genommen wurde.

Alpakawanderung in Saarbrücken (Foto: Alpaka-Farm)
Alpakawanderung in Saarbrücken

Jedes Tier bekommt ein Halfter angelegt, jeder Wanderer eine Leine in die Hand. Ambar, Schoko, Neville, Sancho, Kingston – Frenkel und Groß kennen jedes Tier beim Namen. Und nicht nur das: Auch die Vorlieben und Charaktereigenschaften jedes einzelnen Tiers könnten sie im Schlaf herunterbeten. Das sei einfach, schließlich seien die Tiere so peu à peu auf ihrer Farm geboren. Eine Stute trägt fast ein ganzes Jahr, jedes Jahr kommen etwa sieben Alpaka-Fohlen dazu. Jedes einzelne Tier haben Groß und Frenkel wachsen sehen, und dabei wachsen sie einem eben ans Herz.

Der Weg schlängelt sich durch Wiesen und Weiden, noch fremdeln Mensch und Tier, noch herrscht ein wenig Unsicherheit auf beiden Seiten. Jetzt lernen auch die Wanderer die Charaktere der Tiere kennen. Alpaka-Hengst Ambar zum Beispiel will partout nicht überholen, schließt aber im Laufschritt auf, sobald sich sein Vordermann ein wenig entfernt. Immer schön bei der Herde bleiben. Struppi schmust gerne und mag auf keinen Fall als Letzter gehen. Und Lama-Hengst Kingston begrüßt lautstark einen befreundeten Hengst hinterm Zaun. Großes Geschrei. Anders die Alpakas, die machen kaum einen Laut, die summen nur. Lamas seien eigenwilliger und charakterstärker, Alpakas sanfter und mehr an die Herde gebunden, fasst Christiane Groß den Unterschied zusammen.

Auf einer großen Wiese wird gerastet. Die Tiere wissen schon Bescheid, freuen sich über die Abwechslung, das frische Futter. Jeder Wanderer lässt sich allein von seinem Alpaka durchs saftige Gras führen. Wer einmal mit so einem Alpaka wandert, der kommt dem Hier und Jetzt ein Stückweit näher, bemerkt eine Besucherin. Denn so ein Alpaka lässt sich einfach nicht führen, einem Alpaka ergibt man sich. Und das Alpaka ergibt sich den Grashalmen, der Herde, den Wasserpfützen, den Kleeblättern, Glockenblumen ... und jedem Laut. Selbst wilde Kinderhorden und hektische Erwachsene werden bei diesen Ausflügen ruhig, erzählt Frenkel. „Das ist einfach faszinierend, das erlebst du nur mit diesen Tieren.“

Anschließend geht es kreuz und quer im Alpakaschritt durch die Wälder. Und am Ende der Tour sind Mensch und Tier irgendwie Freunde geworden. „Die Leine ist ab, aber er will nicht von mir weg“, freut sich ein älterer Wanderer über Sanchos Treue.

Alles rund ums Alpaka

Nach der Wanderung können die Besucher im Hofladen stöbern. Dort gibt es alles rund ums Alpaka: Pullis, Hausschuhe, Socken, Kissen, Decken, Teppiche, gestrickte Fingerpuppen, sogar Alpaka-Seife. Aus echt saarländischer Alpaka-Faser. Gewaschen und gesponnen wird die Wolle in einer Spinnerei in Bayern. Eine Freundin von Groß strickt daraus Socken und warme Pullover. Und da sind auch wieder Schoko, Ambar und die anderen. Gesponnen, naturbelassen weiß, braun oder beige und zum Knäuel gerollt können wir ein Stück von ihnen mit nach Hause nehmen, „Schoko“ steht auf dem Etikett eines dunkelbraunen Knäuels und auf einem weißen „Ambar“. Und wer will, kann sich Schoko oder Ambars Wolle auch in eine Bettdecke füllen lassen und unter ihnen schlafen.

Alpaka-Wolle (Foto: Eva Lippold)
Alpaka-Wolle

Noch vor einem Jahr stand die Alpaka-Idylle auf der Kippe. Die Stadt plante, aus dem im Volksmund Käsbösch genannten Naherholungsgebiet ein Gewerbegebiet zu machen. Für die Farmer ein Schock: „Eine schwere Zeit war das für uns “, sagt Rainer Frenkel. Für ihren Hof hätte es das Aus bedeutet, mittlerweile sind die Pläne zum Glück erst einmal vom Tisch. „Das Schlimmste war vielleicht der Gedanke, abends nicht mehr dem Summen der Alpakas lauschen zu können“, sagt Christiane Groß.

Wer erfahren möchte, wie das klingt, kann bei Groß und Frenkel übrigens auch ein ganzes Alpaka-Erlebniswochenende, mit Übernachtung, buchen. Eine Ferienwohnung direkt auf dem Hof bietet Platz für zwei bis vier Personen. Die Gäste bekommen den Farm-Alltag hautnah mit. Und werden am Abend von den Alpakas in den Schlaf gesummt.

Eva Lippold


Kontakt

Christiane Groß und Rainer Frenkel
Saar Alpaka GbR
Im Almet 163
66119 Saarbrücken

Tel.: (0681) 68 09 817
Mobil: (0173) 19 03 930
E-Mail: info@saar-alpaka.de
www.saar-alpaka.de

Öffnungszeiten

Jeden Sonntag um 11.00 Uhr gibt es eine circa einstündige Wanderung, jeden ersten Samstag im Monat um 11.00 Uhr findet der Ausflug „Grand Tour” statt, mit einer reinen Wanderzeit von circa 2,5 Stunden. Ab fünf Personen vereinbaren Rainer Frenkel und Christiane Groß auch gerne individuelle Wander-Termine.

Eintritt

Pro Erwachsenen kostet die einstündige Wanderung 10,- €, die „Grand Tour“ 20,- €. Kinder unter 6 Jahren sind frei.
Alpaka-Erlebnistag inklusive Picknick und Wanderung: 100,- € für zwei Personen, jede weitere Person 15,- €.
Erlebniswochenende in der Ferienwohnung: 250,- € für zwei Personen, jede weitere Person 45,- €.

Anfahrt

Von der A 620 kommend in Saar­brücken St. Arnual abfahren und im Kreisel Richtung St. Arnual abbiegen. Dann immer geradeaus über die Julius-Kiefer-Straße und den Kreisel rechts vom Tabaksweiher auf die verlängerte Julius-Kiefer-Straße, an deren Ende über die Autobahnbrücke und da rechts auf „Im Almet“ abbiegen. Die Saar-Alpaka-Farm liegt direkt rechts neben der Gaststätte Erbeldinger Hof.



Über dieses Thema wurde in der Sendung "Region" vom 04.07.2017 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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