Steckdose mit einem Stecker davor. (Foto: IMAGO / Bihlmayerfotografie)

Warum neben Gas auch der Strom teurer wird

Kai Forst   08.10.2022 | 12:49 Uhr

Die Energiekrise ist längst in Deutschland angekommen. Und neben den hohen Gaspreisen müssen die Menschen auch beim Strom sehr viel tiefer in die Taschen greifen. Doch warum eigentlich? Wie der Gas- und Strompreis zusammenhängen.

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine sind die Gaspreise enorm gestiegen. Daneben ist auch der Strompreis zum Teil bereits deutlich in die Höhe geschossen – und wird voraussichtlich zum neuen Jahr weiter steigen. Doch viele Verbraucher fragen sich: warum eigentlich? Was haben ausbleibende russische Gaslieferungen mit dem Strompreis zu tun?

Das Merit-Order-Prinzip

Um diese Fragen zu beantworten, muss man auf die Zusammensetzung des europäischen Strommarktes blicken, die von dem so genannten Merit-Order-Prinzip bestimmt wird, also der Einsatzreihenfolge der Kraftwerke bei der Stromproduktion.

Heizen und sparen
Welche Möglichkeiten gibt es?
Die Strompreise gehen hoch, Holz ist teuer und Gas wird zudem knapp. Wie heizen wir im nächsten Winter? Und wie könnte man jetzt schon sparen?

Klaus Blug, Geschäftsführer des Verbands der Energie- und Wasserwirtschaft Saarland (VEW Saar), erklärt, dass dabei zuerst die günstigsten Kraftwerke zur Deckung der Nachfrage aufgeschaltet würden. Das seien derzeit meist die Solar- und Windstromanbieter. Wenn deren Output aber nicht ausreiche, würden andere Kraftwerke miteinbezogen.

Gaskraftwerke bestimmen den Preis

„Der Strompreis wird dann schließlich durch das am teuersten produzierende Kraftwerk, das gerade noch im Markt ist, bestimmt. Derzeit sind das aufgrund der hohen Gaspreise die Gaskraftwerke“, so Blug weiter. Der hohe Gaspreis treibt also den Strompreis mit nach oben, obwohl Gaskraftwerke derzeit nur etwa zehn Prozent der Stromerzeugung ausmachen. Ohne Kohle und Atomkraftwerke könne der Strombedarf derzeit aber nicht gedeckt werden.

Ein weiterer Faktor für den hohen Preis sind die deutschen Exporte ins EU-Ausland – zum Beispiel nach Frankreich, wo derzeit mehr als die Hälfte der maroden Atomkraftwerke nicht am Netz ist. Jüngst hatten Deutschland und Frankreich daher eine engere Kooperation vereinbart. Deutschland, so der Plan, soll Strom nach Frankreich liefern, in Gegenrichtung soll Gas fließen.

EU will Übergewinne abschöpfen

Profiteure des hohen Strompreises sind laut Blug die kostengünstigen Produzenten wie die erneuerbaren Energieerzeuger und die Kohlekraftwerke. Die können ihren Strom nun zu hohen Preisen verkaufen und stattliche Gewinne einfahren.

Die EU will das künftig verhindern und hat ein Notfallpaket beschlossen, um die Übergewinne der Stromkonzerne abzuschöpfen. Ihre Einnahmen sollen künftig bei 180 Euro pro Megawattstunde gedeckelt werden. Mit dem Überschuss sollen Entlastungen für Bürger finanziert werden. Wie das alles aber konkret in den einzelnen EU-Ländern umgesetzt werden soll, ist längst nicht geklärt.

Strom wird noch teurer

Klarer scheint hingegen: Neben dem Gas werden wohl auch die Strompreise im kommenden Jahr weiter steigen. Die jüngste Strompreisprognose des Beratungsunternehmens Prognos macht das deutlich. Die Fachleute gehen bei ihrer Modellrechnung von einem dauerhaften russischen Gaslieferstopp aus. Demnach könnten die Großhandelspreise im Laufe des nächsten Jahres bei über 500 Euro pro Megawattstunde liegen, um erst anschließend wieder zu sinken.

2030 könnte der Preis den Berechnungen zufolge dann wieder bei 80 Euro liegen. Zum Vergleich: 2019 lag der Preis noch bei Durchschnittlich 38 Euro pro Megawattstunde. Nach den jüngsten Lecks an den Pipelines Nordstream 1 und 2 ist dieses Szenario eine wahrscheinliche Variante.

Verbraucher müssen umdenken

Zum Vergleich wurde auch ein Szenario mit moderatem Rückgang von russischem Gas (mittlerer Preispfad) berechnet. In diesem Fall rechnen sie damit, dass die Strom-Großhandelspreise 2023 bei etwa 189 Euro liegen würden, nicht wesentlich höher als derzeit.

Mit einem deutlichen Anstieg der Strompreise in Deutschland Jahr rechnet auch Stefan Eichacker, Sprecher des Versorgers Energie Saarlorlux. „Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt keine konkreten Angaben für unser Unternehmen machen. Aber klar ist: Strom in Deutschland wird im kommenden Jahr teurer. Und die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen mit Blick auf den Umgang mit Energie umdenken und mehr sparen. Die Jahre, in denen man sich keine Gedanken, um den Energieverbrauch machen musste, sind vorbei.“

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