Die ehemalige Grube Reden mit ihren Wassergärten: Hier wird Wasser von unter Tage nach oben gepumpt. (Foto: Imago/Becker&Bredel)

RAG muss PCB-Belastung im Grubenwasser angehen

Uli Hauck / Onlinefassung: Caroline Uhl   16.03.2018 | 15:33 Uhr

Der Bergbaukonzern RAG muss bis Ende des Jahres einen Plan für die Reinigung von PCB-haltigem Grubenwasser vorlegen. Nur dann darf die RAG auch bis 2021 Grubenwasser in saarländische Flüsse und Bäche einleiten, wie das Umweltministerium am Freitag im Landtag mitteilte. Zuletzt war bekannt geworden, dass es erhöhte PCB-Werte im saarländischen Grubenwasser gegeben hatte.

Mindestens 1600 Tonnen PCB-haltige Öle belasten seit Jahren das saarländische Grubenwasser, ohne dass die Behörden der RAG bisher Auflagen zur Entgiftung gemacht haben. Dabei sind diese organischen Chlorverbindungen giftig und gelten als krebserregend. Ende Februar hatte der Illinger Bürgermeister Armin König (CDU) erstaunlich hohe PCB-Werte in saarländischem Grubenwasser präsentiert. Die gültigen Normwerte in Reden und Camphausen waren bis zu 20 mal höher als erlaubt.

Am Freitag waren Grubenwasser und PCB Thema im Umweltausschuss des Landtags. Dort bestätigte das zuständige Umweltministerium: Die Angaben zu den erhöhten PCB-Werten stimmen. Sie waren im Jahr 2016 erhoben worden – den Landtagsabgeordneten allerdings nicht mitgeteilt. Das sorgte für einige Verwunderung: "Das war für mich schon ein Stück weit überraschend, dass der Bürgermeister von Illingen über Zahlen Bescheid wusste, die uns im letzten Grubenwasser-Ausschuss nicht zur Verfügung standen", sagte die Linken-Abgeordnete Dagmar Ensch-Engel.

Aktuelle Zahlen zur PCB-Belastung durch Grubenwasser will das Ministerium im April vorlegen. Ob die Werte weiterhin hoch oder sogar gestiegen sind, ist den Angaben zufolge aktuell noch unklar. Viele Faktoren, wie die jährliche Regenmenge oder die Art des Abpumpens, spielten bei Höhe der Werte eine Rolle.

Lange Leitung, Filter oder Absetzen

Dennoch muss die RAG bis Ende des Jahres einen Plan für die Reinigung von PCB-haltigem Grubenwasser vorlegen, um eine Verlängerung der Einleitgenehmigung zu bekommen. Nach Ansicht von Hilmar Naumann, dem für Wasser zuständigen Referent im Umweltministerium, gibt es für die RAG mehrere Möglichkeiten: "Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, wenn sie das Wasser in ein leistungsfähigeres Gewässer umleitet, also eine richtig lange Leitung baut", beschreibt Naumann. Das PCB-haltige Grubenwasser würde dann direkt in die Saar fließen und durch die starke Verdünnung würden die Grenzwerte vermutlich wieder eingehalten.

Alternativ denkbar wären auch spezielle Filter oder eine Anlage, in der sich die PCB-haltigen Sedimente absetzen. Entsprechende Test-Anlagen gibt es bereits in Nordrhein-Westfalen. Die Linken-Abgeordnete Ensch-Engel fordert bereits, Filter zur Auflage zu machen. "Es gibt nicht Idealeres, als wenn man an der Stelle filtern kann, an der eingeleitet wird", sagte Ensch-Engel. Das sei technisch machbar und daher auch von der RAG zu verlangen.

Wasseranstieg mit positivem Effekt

Unterschiedlich bewerten die Abgeordneten die Auswirkungen des von Seiten der RAG geplanten Grubenwasseranstiegs auf die PCB-Belastung. Die Abgeordneten Magnus Jung (SPD) und Günter Heinrich (CDU) rechnen in diesem Punkt mit einem positiven Effekt, heißt: Die Belastung des krebserregenden PCBs könnte sinken. "Wir haben heute gehört, dass alle Gutachter davon ausgehen, dass der beantragte, aber noch nicht genehmigte Anstieg des Grubenwassers eine Möglichkeit wäre, den PCB-Gehalt in den Flüssen zu senken", beschrieb Jung.

Diese Argumentation beruht auf dem Umstand, dass PCB an Schwebstoffe gebunden ist. Würde das Grubenwasser ansteigen und nicht mehr abgepumpt werden, könnten die Schwebstoffe am Boden bleiben, so die Hoffnung.

PCB "eigentlich das kleinere Poblem"

Doch nicht nur das PCB, auch die Temperatur und das Salzgehalt des Grubenwassers sind problematisch für Flüsse und Bäche. Die Verringerung der Salzmenge im Grubenwasser sei anspruchsvoller als die PBC-Problematik, betonte Wasserexperte Naumann. "Wir reden im Moment eigentlich über das kleinere Problem für die RAG." Unabhängig vom Ausgang des Genehmigungsverfahrens zum Grubenwasseranstieg muss die RAG für all die Probleme eine Lösung vorlegen.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 16.03.2018 berichtet.

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