Michael Thieser (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Neuanfang und Kontinuität beim LSVS

"Das System überlebt"

Ein Kommentar von Michael Thieser   10.04.2019 | 16:42 Uhr

Der Saar-Sport kämpft um seine Reputation. Er will endlich raus aus den Negativ-Schlagzeilen. Ob dies jedoch mit dem jetzt von CDU und SPD angekündigten Neuanfang gelingt, ist keineswegs sicher.

Kommentar: Das System LSVS überlebt
Audio [SR 3, (c) Michael Thieser, 10.04.2019, Länge: 03:09 Min.]
Kommentar: Das System LSVS überlebt

Es soll zwar mehr interne Kontrolle und neue Zuständigkeiten innerhalb des LSVS geben, der Finanzausschuss des Landtags soll bei Bedarf eine Anhörung durchführen dürfen. Der große Wurf ist die geplante Neustrukturierung jedoch definitiv nicht, oder anders ausgedrückt: Die großen Parteien sind nicht bereit, den Saarsport grundsätzlich einer parlamentarischen Kontrolle zu unterstellen. Die Linke hat deshalb als Opposition mit ihrem Gesetzentwurf den Finger heute in die Wunde gelegt. CDU und SPD sprechen von mehr Transparenz, letztendlich soll es jedoch bei dem jetzigen System bleiben.

Der Landessportverband – bundesweit einmalig - ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und verwaltet sich selbst. In allen anderen Bundesländern hingegen haben die Parlamente ein Mitspracherecht beziehungsweise ist der Sport unter dem Dach eines Vereins oder einer Stiftung organisiert, bis hin zum Olympischen Sportbund (DOSB) auf Bundesebene.

"Man spricht von Politikferne"

Nicht so im Saarland! Trotz Millionendesaster, Misswirtschaft, Filz und Untreue - SPD und CDU halten die jetzige Konstruktion des LSVS weiterhin für die Beste aller Lösungen. Man spricht von Politikferne. In Wirklichkeit aber geht es darum, die Finanzierung des Saarsports, die Zusammensetzung seiner Aufsichtsgremien und die Bestellung des Spitzenpersonals einer öffentlichen Debatte zu entziehen. Es ist erstaunlich, nach allem was passiert ist, dass Kulturvereine und sonstige Bürgerinitiativen, die ebenfalls nicht gerade auf Rosen gebettet sind, dies einfach so hinnehmen und sich nicht deutlicher zu Wort melden.

Der Sport, die über 2000 Vereine und die vielen Ehrenamtlichen vor Ort leisten zweifellos eine wertvolle Arbeit. Aber was spricht in einer Demokratie dagegen, dass die Spitzenfunktionäre und ihr Verband sich regelmäßig einer Diskussion im Parlament stellen und sich das eigene Tun von den Abgeordneten bestätigen beziehungsweise legitimieren lassen.

Im Grunde eine Selbstverständlichkeit! Doch CDU, SPD sowie die Vertreter der großen Fachverbände wollen auch künftig unter sich sein. An einem breiten und, wenn es sein muss, kontroversen Austausch darüber, welchen Stellenwert der Sport insgesamt haben soll und wie angesichts einer schrumpfenden Bevölkerung, maroder Hallen und vielerorts zurückgehender Freizeitangebote eine gesunde Balance zwischen Spitzen- und Breitensport in Zukunft aussehen könnte, - daran besteht kein wirkliches Interesse.

"Die Autonomie des Saarsports gilt als unantastbar"

Die Autonomie des Saarsports, die - wie man sieht - beinahe in den Ruin geführt hätte, gilt als unantastbar. Dabei zeigen andere Bundesländer, dass es auch anders geht! Selbstverwaltung und öffentliche Kontrolle müssen kein Widerspruch sein. Hinzu kommt, dass die Finanzierung des Landessportverbandes durch das Sportachtel und aus den Einnahmen der Saarland-Sporttoto GmbH gegenwärtig von niemandem im Saarland ernsthaft infrage gestellt wird.

Bis zum Ende des Jahres wollen die Große Koalition und der Landessportverband nach eigenen Angaben die Aufarbeitung des größten Finanzskandals der letzten Jahrzehnte abschließen und den Blick wieder nach vorne richten.

Der LSVS selbst hat außerdem angekündigt, bis dorthin eine neue Satzung vorzulegen. Und spätestens dann wird sich unter anderem auch entscheiden, ob beispielsweise der Verband der saarländischen Sportjournalisten weiterhin als Mitglied und Mit-Entscheider am LSVS-Tisch sitzt, so wie dies seit vielen Jahren der Fall ist. Eigentlich ein Unding! Es entspricht jedenfalls nicht der Hygiene, die angesichts der Schlagzeilen in den vergangenen zwölf Monaten von einer kritischen Öffentlichkeit zu Recht erwartet wird!

Über dieses Thema wurde auch in der SR3-Sendung "Region am Nachmittag" vom 10.04.2019 berichtet.

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