Blick in einen Supermarkt (Foto: Arne Dedert/dpa)

Der Trend geht zum Großmarkt

Axel Wagner   01.09.2019 | 12:39 Uhr

Die Deutschen wollen nicht nur billig, sondern auch schnell einkaufen – zu diesem Ergebnis kommt das Marktforschungsunternehmen Nielsen in einer aktuellen Studie. Das ist vor allem für Supermärkte mit großem Sortiment ein Vorteil. Auch im Saarland macht sich diese Entwicklung bemerkbar.

Geht es ums Einkaufen, muss es nicht nur möglichst preisgünstig sein, sondern für immer mehr Menschen auch schnell gehen. „Die Deutschen werden beim Einkaufen in doppelter Hinsicht zu Sparfüchsen, beim Preis und bei der Einkaufszeit“, so Frank Küver, bei Nielsen verantwortlich für die Einzelhandelsforschung. Der Studie zufolge sind Sonderangebote für 65 Prozent der Bundesbürger wichtig, auf Beratung bei Wurst oder Käse setzt nur rund ein Viertel. Vor allem aber kaufen 59 Prozent am liebsten dort, wo sie ihren Einkaufszettel schnell abarbeiten können.

Ein Einkauf statt viel Fahrerei

Die Menschen, so Klüver, „möchten für ihren Einkauf nicht viele verschiedene Geschäfte ansteuern, sondern neben Butter, Nudeln und Wurst an einem Einkaufsort auch eine breite Auswahl an Waschmitteln, Arzneimitteln und Kosmetik haben“. „One-Stop-Shopping“ wird dieses Konzept genannt, also Einkaufen mit nur einem Halt.

Davon profitieren vor allem große Supermärkte mit einer Verkaufsfläche von mindestens 1000 Quadratmetern. Kleinere Läden haben hingegen oft das Nachsehen. Besonders deutlich zeigt sich das in Dudweiler: 28 Jahre lang gab es dort in der Saarbrücker Straße einen kleinen Edeka-Aktivmarkt, eine feste Institution in der Fußgängerzone. Vor vier Jahren musste der Markt schließen.

Auch Discounter betroffen

Auch der Lebensmitteldiscounter „Netto“ ist in Dudweiler mit zwei kleinen Filialen vertreten, in der „Dudo-Galerie“ am Marktplatz und in der Lisbeth-Dill-Straße. Derzeit entsteht an der Beethovenstraße ein – allerdings von der Stadtverwaltung auf 800 Quadratmeter begrenzter – großer Neubau auf dem früheren Gelände der Medizintechnikfirma Medica. Nach der Fertigstellung im dritten Quartal 2020 soll der Markt an der Lisbeth-Dill-Straße dichtgemacht werden.

Wie es langfristig mit der Filiale in der „Dudo-Galerie“ weitergeht, die sich dort den Keller nur noch mit einem Antiquariat und der Tiefgarage teilt, ist ebenfalls fraglich. Wer einen größeren Einkauf machen will, muss raus aus dem Zentrum, etwa zu den beiden Lebensmittelmärkten an der Sulzbachtalstraße oder zu „Real“ in den Dudweiler Norden. Dort, am Ortsausgang, bietet die Supermarktkette nach eigenen Angaben rund 6.200 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Neues Konzept

Die Saarbrücker Verwaltung will dem Trend zu größeren Läden außerhalb des Stadtkerns von Dudweiler und damit einhergehend der Verödung des Zentrums mit einem neuen Stadtentwicklungskonzept begegnen, das derzeit vorbereitet wird. Die Sicherung der Nahversorgung in Dudweiler sei dabei ein erklärtes Ziel, sagte Ingo Beckendorf von der Pressestelle der Stadt Saarbrücken dem SR.

Der „Netto“-Markt in der „Dudo-Galerie“ solle erhalten werden. Der Betreiber habe sogar eine Modernisierung angekündigt. Das Unternehmen selbst wollte sich auf SR-Anfrage nicht zu seinen Plänen äußern. Außerdem wolle die Stadt noch einen weiteren Lebensmittelmarkt im Zentrum ansiedeln, so Beckendorf. „Hierbei bietet sich unter anderem der Bereich des ehemaligen Kinos an.“ Früher gab es in der Saarbrücker Straße, rechts neben der Volksbank, noch das „Nassauer Hof-Theater“ und das „Scala“-Kino. Seit 2007 ein Versuch, das „Scala“ wiederzubeleben, endgültig scheiterte, herrscht dort ebenfalls Leerstand.

Tendenz auch in Saarlouis spürbar

Die Tendenz zu immer größeren Märkten beobachtet man auch in Saarlouis. „Drei der vier Supermärkte, die in den letzten Jahren in Saarlouis entstanden sind, haben Flächen größer als 1.000 Quadratmeter“, sagte Stadt-Pressesprecher Sascha Schmidt dem SR. 1.200, 1.500 und 1.600 Quadratmeter groß sind die Verkaufsflächen dieser Geschäfte. Nur ein Laden mit 800 Quadratmetern Größe ist neu dazugekommen.

Gegen den Trend zum Großmarkt auf der „grünen Wiese“ hat die Stadt ein Einzelhandelskonzept entwickelt, das derzeit als Entwurf vorliegt. Ein wichtiges Kriterium soll dabei der „integrierte Standort“ sein. Das heißt, dass der Supermarkt innerhalb eines gewissen Gebietes von einer bestimmten Anzahl an Bewohnern fußläufig zu erreichen sein soll.

Im Stadtteil Steinrausch, wo im Frühjahr ein 700 Quadratmeter großer Markt wegen zu geringen Umsatzes geschlossen worden war, hat die Stadt bereits reagiert. Der Stadtrat hat beschlossen, den Bebauungsplan zu ändern, damit dort auch größere Märkte möglich sind.

Artikel mit anderen teilen