Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer (Foto: dpa)

"SUV sind nicht nur reine Spinnerei"

Das Interview führte Kai Forst   06.12.2018 | 06:30 Uhr

Die Deutschen lieben ihre Autos. Und sie lieben vor allem ihre SUV. Die Zahl der geländegängigen Limousinen wächst und wächst - und das trotz des hohen Spritverbrauchs und des starken CO2-Ausstoßes. Dennoch ist Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sicher: Der Boom ist noch lange nicht am Ende.


Herr Dudenhöffer, die SUV-Liebe der Deutschen hat einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Im vergangenen Jahr wurden erstmals mehr SUV zugelassen als Wagen der Kompaktklasse.

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Ferdinand Dudenhöffer: Ja, und es ist eine Entwicklung, die in Deutschland noch lange nicht am Ende ist. Der SUV-Anteil ist heute knapp unter 30 Prozent und wird im nächsten Jahr die 30 Prozent überschreiten. Und wenn wir uns so entwickeln wie die Schweiz, die USA oder andere Staaten, dann können wir mit einem Anteil von 40 bis 50 Prozent in den nächsten Jahren rechnen.

Warum steigen denn immer Menschen auf die vermeintlichen Geländewagen um? Rationale Gründe scheint es kaum zu geben und „Off Road“ sind nur die allerwenigsten unterwegs.

Dudenhöffer: Es sind schon rationale Gründe. SUV geben Ihnen mehr Platz, mehr Komfort und mehr Bewegungsfreiheit. Man kann auch leichter einsteigen und man hat eine bessere Straßenübersicht, weil man höher sitzt. Zudem fühlen sich die Fahrer subjektiv sicherer. Es gibt also objektiv schon ein paar Gründe, warum Kunden immer häufiger zum SUV greifen. Es ist nicht nur eine reine Spinnerei.

Für die Hersteller ist das Fluch und Segen zugleich: Einerseits sind die Verkaufsmargen enorm hoch. Andererseits stoßen SUV deutlich mehr CO2 aus, so dass es immer schwieriger wird, die vorgegebenen Abgasgrenzwerte einzuhalten.

Dudenhöffer: Dieses Dilemma hat Elon Musk auch gelöst, indem er den Tesla SUV Model X als reines Elektroauto anbietet. Von daher werden die Autobauer eine Strategie finden, beides zu machen: Die Kundenbedürfnisse nach SUV befriedigen und gleichzeitig die gesetzlichen Vorgaben einhalten. Wir haben einen großen Trend, der in der Übergangszeit in die Hybride geht und längerfristig in die reinen Elektroautos. Außerdem muss man mit dem Vorurteil aufräumen, dass ein SUV immer ein dicker Brummer sein muss. Man sieht das zum Beispiel am VW T-Roc, dem Ford Eco oder dem Opel Mokka. Der Radstand ist der eines Kompaktwagens, nur der Aufbau ist größer. Die haben zwar dann ein bisschen höheren Treibstoff-Verbrauch von zehn bis 15 Prozent als das Parallelmodell. Aber es ist nicht so, dass jeder SUV 15 Liter verbraucht. Ich glaube, die Hersteller werden die strengeren Grenzwerte in der Zukunft auch ein einhalten. Denn wer es nicht schafft, fliegt aus dem Markt raus. Denn die Strafzahlungen sind sehr hoch. Und unsere Politiker sollten künftig Regeln machen, die realistisch sind und keine Luftschlösser.

Wir werden also künftig immer häufiger Kompakt-SUV auf den Straßen sehen? Gerade hat ja VW einen Polo-SUV auf den Markt gebracht.

Dudenhöffer: Ja, im Kompakt-, Klein- und Mittelklassebereich boomt die Entwicklung. Dort erleben wir eine SUV-Welle und das wird auch so bleiben.

Die Rahmenbedingungen entwickeln sich aber nicht mit. Die Straßen werden nicht breiter, die Parkplätze werden nicht größer.

Dudenhöffer: Ja, der enorme Breitenwachstum bringt Probleme. Erstens bei den Parkplätzen, weil die normiert sind. Zum anderen bei Baustellen im Autobahnbereich. Wir glauben, es ist sinnvoll bei den Parkplätzen der Zukunft bei den Preisen zu unterscheiden. Wer einen großen Wagen hat, zahlt also beispielsweise 30 oder 40 Prozent mehr. Ein Scanner kann etwa in einem Parkhaus die Fahrzeuge scannen und den entsprechenden Betrag berechnen. Dass SUV mehr Platz brauchen ist nicht schlimm, aber die Fahrer sollten die Mehrkosten für den höheren Platzbedarf auch bezahlen

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