Tischtennisplatte (Foto: imago/Eibner)

LSVS: Ausschuss nimmt Förderung unter die Lupe

Thomas Gerber / Caroline Uhl   22.02.2018 | 18:07 Uhr

Geldflüsse von bis zu 250.000 Euro jährlich aus einem Saartoto-Fonds in den Saarsport beschäftigen seit Donnerstag auch die Landespolitik. Im Innenausschuss des Landtags sollten Beamte des Sportministeriums, das die Rechtsaufsicht über den Landesportverband LSVS hat, Auskunft darüber geben, wohin dieses Geld geflossen ist. Die überraschende Antwort: Die Aufseher wissen es nicht – und haben beim LSVS auch nie nachgefragt. Am Nachmittag meldete sich nach Wochen erstmals der LSVS zu Wort.

Neben dem bekannten so genannten Sportachtel von circa 13 Millionen Euro pro Jahr, fördert Saartoto den Saarsport mit rund zwei Millionen Euro aus seinen Überschüssen. Seit 2016 gibt es zusätzlich noch einen so genannten „Verstärkungsfonds“ von 500.000 Euro jährlich, wovon jeweils die Hälfte in die Kultur und an den Landessportverband für das Saarland (LSVS) fließt. Wie genau der LSVS diese 250.000 Euro verwendet, ist unklar.

Am Donnerstag war der Fonds auf Antrag der Linken Thema im Innenausschuss des Landtags. Die Oppositionsfraktion wollte wissen, wohin genau das Geld ging. Deshalb hatte die Ausschussvorsitzende Petra Berg (SPD) die zuständigen Beamten aus dem Innenministerium, das die Rechtsaufsicht über den LSVS hat, geladen.

"Nein, wir wissen es nicht"

Wissen die Ausschussmitglieder nach der Sitzung, was mit der Viertel Million geschehen ist? "Nein, wir wissen es nicht", sagte Berg hinterher. "Das Innenministerium weiß es auch nicht, dort wurde wohl auch nicht nachgefragt. Man konnte uns seitens der Rechtsaufsicht auch nicht sagen, ob es im Haushaltsplan auftaucht, ob es verbucht wurde als Einnahme, das ist offen."

Zumindest die letzte Frage ist mittlerweile geklärt. Das Geld steht nicht im LSVS-Haushalt. Das teilte der Sportverband am Donnerstagnachmittag mit. Ein LSVS-Sprecher erklärte das Prozedere so: Saartoto überweise eine genehmigte Fördersumme an den LSVS und dieser überweise die identische Summe ohne Abzüge weiter an den jeweiligen Empfänger. Buchhalterisch könne man das zwar als Einnahmen und Ausgaben sehen, aber weil "kein Cent auf dem LSVS-Konto bleibt", finde das Geld auch keine Berücksichtigung im LSVS-Haushalt. "Mit den Mitteln haushalten wir nicht", sagte der Sprecher. Zu versteuern sei das Geld vom Empfänger.

Erstmals räumte der LSVS am Donnerstag außerdem ein, was zuvor wochenlang unbeantwortet geblieben war: Es floss Geld aus dem "Verstärkungsfonds" an den Profisportler des Tischtennis-Erstligisten 1. FC Saarbrücken TT, Patrick Franziska. Wie viel der insgesamt 250.000 Euro der Tischtennisprofi bekam, lässt der Verband, wie der Sprecher sagte, aus datenschutzrechtlichen Gründen offen. Daneben sei Geld in die Bereiche Badminton, Turnen, Leichtathletik, Schwimmen, Triathlon, Rudern und Ringen geflossen. Die jeweilige Höhe bleibt offen.

Vorbilder für die Breite

Saartoto-Geschäftsführer Peter Jacoby betonte am Donnerstag, auch die Förderung von Spitzensportlern sei Aufgabe von Saartoto. Ob Triathlet Jan Frodeno, Turnerin Pauline Schäfer oder auch ein Patrick Franziska: Die Genannten übten eine Vorbildfunktion aus, sorgten für mehr Breitensport und förderten das Image des Landes.

Wie der LSVS abschließend ausdrücklich betonte, sollten Spitzen- und Breitensport nicht gegeneinander ausgespielt werden. Da die 250.000 Euro ja gar nicht erst den Haushalt des Verbands betroffen hätten, sondern gezielt für den Spitzensport gedacht gewesen seien, entstehe dem Breitensport auch kein Nachteil.

Timeline
Finanzaffäre beim LSVS
Der Landessportverband für das Saarland (LSVS) ist von einer Finanzaffäre betroffen. Seit Bekanntwerden im Dezember vergangenen Jahres dringen immer mehr Details an die Öffentlichkeit. Wir zeichnen die bisherige Entwicklung in unserer Zeitleiste nach.

Über dieses Thema wurde auch in der Region am Nachmittag vom 22.02.2018 berichtet.

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