Ford-Werk in Saarlouis (Foto: dpa)

1600 Jobs im Ford-Werk Saarlouis gefährdet

mit Informationen von Karin Mayer   11.12.2018 | 07:34 Uhr

Der Autohersteller Ford will offenbar im Werk Saarlouis 1600 Jobs abbauen. Darüber sind die Beschäftigten des Ford-Werkes in einer Betriebsversammlung informiert worden. Der Stellenabbau ist auch ein Thema für die Politik in Berlin.

Kollegengespräch: "Die Nachtschicht soll offenbar Mitte 2019 wegfallen"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Renate Wanninger/Karin Mayer, 10.12.2018, Länge: 03:48 Min.]
Kollegengespräch: "Die Nachtschicht soll offenbar Mitte 2019 wegfallen"

Wie eine Sprecherin dem SR mitteilte, soll das Werk von Drei- auf Zweischichtbetrieb umgestellt werden. Die Produktion des C-Max soll im kommenden Jahr auslaufen. Dadurch würden 1600 Arbeitsplätze in Saarlouis wegfallen. Den Personalabbau will Ford nach Angaben der Sprecherin durch die Beendigung von 500 Leiharbeitsverträgen, Ruhestand und mit Abfindungen und Altersteilzeitangeboten für die Beschäftigte abwickeln.

Ford will das Europageschäft rentabler machen und eine Marge von sechs Prozent erreichen. Ford-Deutschland-Chef Gunnar Herrmann hat erst in der vergangenen Woche die Aufgabe übernommen, die Transformation der Standorte in Europa zu gestalten.

"Immer für Ford Saarlouis stark gemacht"

„Der angekündigte Stellenabbau bei Ford in Saarlouis ist eine schlimme Nachricht für den Standort und insbesondere für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", sagte Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). Das Unternehmen müsse sich in einem schwierigen Marktumfeld behaupten, der Wertverfall des britischen Pfunds infolge des Brexits erschwere die Lage zusätzlich. "Vor diesem Hintergrund gilt es nun dringend, den Standort Saarlouis für die Zukunft zu sichern. Die Landesregierung hat sich in der Vergangenheit immer für Ford Saarlouis stark gemacht und wird es auch weiterhin tun, darauf kann man sich verlassen", so Rehlinger.

Video [aktueller bericht, 10.12.2018, Länge: 1:03 Min.]
Ford: 1600 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden

Der Fraktionschef der Linkspartei im Landtag, Oskar Lafontaine, bezeichnete den möglichen Abbau der 1600 Arbeitsplätze als "Rückschlag für das Saarland“. Bedauerlich sei, dass "mit der Beendigung von 500 Leiharbeitsverträgen die Leiharbeiter, also die Schwächsten der Belegschaft, wieder als erste die Entscheidungen der Ford Motor Company ausbaden müssen", so Lafontaine.

Der industriepolitische Sprecher der CDU im Landtag, Marc Speicher, forderte eine langfristige Sicherung des Standortes. Zudem müsse für betroffene Mitarbeiter eine sozialverträgliche Lösung gefunden werden. Die Saar-Grünen bedauerten den Jobabbau bei Ford in Saarlouis. Generalsekretärin Meyer-Gluche fordert die Landesregierung auf, den Industriestandort mit innovativer Technologie zukunftsfest machen. 

"Wir müssen um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen"

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kündigte an, darauf zu achten, dass die Balance zwischen den Ford-Werken in Saarlouis und Köln nicht verändert wird. „Als Wahlkreisabgeordneter für Saarlouis ist meine Zielrichtung ganz klar: Wir müssen um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen.“ Zudem müsse dafür gesorgt werden, dass Maßnahmen, die nicht verhindert werden könnten, so sozial abgefedert würden, wie es die Beschäftigten verdient hätten.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) spricht von einer bitteren Nachricht. Es sei wichtig, dass nun alles für den Standort Saarlouis getan werde.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 11.12.2018 berichtet.

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