Was Kinderärzte mehr sorgt als die aktuellen Corona-Zahlen

Was Kinderärzte mehr sorgt als die aktuellen Corona-Zahlen

  07.09.2023 | 08:51 Uhr

Nach dem Ende der Sommerferien steigen die Corona-Zahlen - ausgehend von einem niedrigen Niveau - wieder an. Auch in den saarländischen Kinderarztpraxen gibt es erneut die ersten Fälle. Mehr Sorge bereiten den Kinderärzten aber zwei andere Entwicklungen.

Die Zahl akuter Atemwegsinfekte sei zuletzt deutlich gestiegen, heißt es im aktuellen ARE-Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI). Das sei am Ende der Sommerferien eine für diese Jahreszeit typische Beobachtung. Neben anderen Erkältungsviren spiele auch Corona eine Rolle, heißt es weiter.

Corona eine von mehreren Infektionskrankheiten

Eine Entwicklung, die auch in an den saarländischen Kinder- und Jugendarztpraxen zu spüren ist. "Wir merken in den Praxen schon, dass wir vereinzelt wieder Kinder mit Corona haben", sagt Dr. Benedikt Brixius, Sprecher der Kinder- und Jugendärzte im Saarland.

Ein rasanter Anstieg sei aber noch nicht zu verzeichnen. "Für uns ist es so, dass Corona sich in das Potpourri der möglichen Infektionskrankheiten einsortiert hat. Ich habe momentan mehr Kinder mit Hand-Fuß-Mund-Erkrankung oder mit Rhinoviren", so Brixius weiter.

Scharfe Kritik an Schulschließungen

Er betont zudem, dass Corona für Kinder und Jugendliche in der Regel harmlos ablaufe. "Ganz schwere Verläufe haben wir in der Pandemie extrem selten sehen." Gefährlich sei eine Erkrankung vor allem für chronisch Kranke und für alten Menschen.

Mit Blick auf den kommenden Herbst und Winter betont Brixius, dass es unter keinen Umständen mehr zu Schul- oder Kitaschließungen kommen dürfe. Auch in der Landtags-Anhörung zu den früheren Corona-Regeln waren solche Maßnahmen gerade von mehreren Seiten scharf kritisiert worden.

Ärztemangel und Engpass bei Antibiotika

Mehr Sorgen als die aktuelle Corona-Lage bereiten Brixius eher zwei andere Entwicklungen. Der Mangel an Kinderärzten im Saarland - gerade seien wieder zwei Ärzte in Rente gegangen, ohne einen Nachfolger zu haben. Für Eltern werde es immer schwieriger, überhaupt noch einen Kinderarzt zu finden.

Und auch die Medikamentenversorgung sei schwierig, auch wenn er da nichts dramatisieren wolle. Aber: "Wir haben jetzt schon ein Antibiotikum-Mangel. Und wir werden in den Wintermonaten mit Sicherheit auch mal bakterielle Erkrankungen haben. Da machen wir uns Sorgen, wie das weitergehen wird."

Über dieses Thema berichtete SR 2 KulturRadio in der Sendung "Der Morgen" am 07.09.2023.


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