Das Theaterprojekt "Schams" hilft Flüchtlingen bei der Integration. (Foto: Christina Wieth)

"Nie wieder Hass": Theater als Therapie für Flüchtlinge

Felicitas Fehrer   26.12.2017 | 08:36 Uhr

Flucht, Krieg und Diktatur: Syrische Geflüchtete erleben oft schreckliche Dinge. Das Theaterstück „Nie wieder Hass“ soll ihnen dabei helfen, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und von ihren Mitmenschen besser verstanden zu werden. Inszeniert wurde es von dem integrativen Musik- und Theaterprojekt "Schams" des Netzwerks für Flüchtlinge in St. Ingbert.

"Ich möchte meinen Anteil an der Sonne, am Mond und an den Sternen!", rufen sechs syrische und deutsche Schauspieler mit verzweifelten Augen und entschlossener Stimme dem Publikum entgegen. Insgesamt stehen dreißig Menschen auf der Bühne - alles Mitglieder einer ganz besonderen Theatergruppe - alle mit einer großen Mission: „Nie wieder Hass“.

Im Frühjahr 2016 gründete das Netzwerk für Flüchtlinge in St. Ingbert das integrative Theaterprojekt "Schams" (auf deutsch "Sonne"). "Da wir noch keine Theatererfahrung hatten, haben wir den Leiter einer Jugendtheatergruppe aus St. Ingbert angesprochen, Johannes Becher", erzählt Christina Wieth, Vorsitzende des Netzwerks für Flüchtlingshilfe. Glücklicher Zufall: Der ging gerade in Rente und hatte Zeit. Und Lust hatte er auch.

Das Theaterprojekt "Schams" hilft Flüchtlingen bei der Integration. (Foto: Christina Wieth)
Das Theaterprojekt "Schams" hilft Flüchtlingen bei der Integration.

Nächster glücklicher Zufall: In der Saarbrücker Zeitung entdeckte Christina beiläufig einen Artikel über den syrischen Regisseur und Autor Mwoloud Daoud. „Ich habe ihn sofort bei Facebook gesucht und ihm dort von unserem Projekt erzählt. Er fand die Idee toll und wollte mitmachen“, sagt Christina. „Als Mwoloud und Johannes dann das erste Mal aufeinandertrafen, sind sofort Blitze übergesprungen.“ Die beiden Regisseure begannen mit dem Drehbuch.

Jung und Alt für mehr Integration

Um Schauspieler für das Projekt zu finden, startete Christina einen Aufruf in einer Facebook-Gruppe für Flüchtlingshilfe. „Zu unserem ersten Treffen kamen circa sechzig Menschen, manche mit Kinderwagen. Die wussten alle gar nicht, was sie erwartet“, erzählt Christine.

Zusammen mit dreißig Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verschiedener Nationalitäten entwickelten sie dann schlussendlich das Stück "Nie wieder Hass". Das jüngste Theatermitglied ist sieben, das älteste 51 Jahre alt. Gemeinsam wollen sie der Welt zeigen, wie der Alltag im Nahen und Mittleren Osten aussieht, welche Auswirkungen diktatorische Systeme haben und was es bedeutet, auf der Flucht zu sein. Die erste Aufführung von „Nie wieder Hass“ war schnell ausverkauft.

Ängste und Wünsche an das neue Leben

Während sie zusammen das Stück erarbeiteten, lernten sich die Mitglieder der Theatergruppe immer besser kennen. „Wir sind inzwischen eine richtige Familie“, sagt Christina. Durch den Austausch in der Gruppe werden nicht nur kommunikative Fähigkeiten gefördert, sondern auch die Auswirkungen von kriegerischen Konflikten auf die ganze Welt aufgezeigt. Die Zuschauer von "Nie wieder Hass" werden mit Ängsten, Hoffnungen und Wünschen der Geflüchteten konfrontiert. So ist auch der Titel entstanden.

„Durch das Theater haben die Geflüchteten ein Ventil gefunden, um Dinge zu verarbeiten. Sie haben sich einen Zugang zu ihren Mitmenschen geschaffen, wie es durch Medien niemals möglich wäre“, sagt Christina. „Zu Beginn waren die Syrer noch sprachlich und emotional verkrüppelt. Es ist unglaublich, welch riesige Entwicklung sie jetzt gemacht haben.“

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