Das Seniorendorf in Kirkel. (Foto: SR)

Kirkeler Seniorendorf als Alternative zum Altersheim

Peter Sauer / Onlinefassung: Kasia Hummel   24.12.2018 | 08:30 Uhr

In Würde alt werden – vor allem auf dem Land wird das immer mehr zum Problem. Ältere Menschen haben oft große Häuser samt großer Grundstücke, die mit dem Alter zunehmend zur Belastung werden. Oft heißt die Alternative dann: Altersheim. Das schreckt aber viele ab. In Kirkel hat der Arbeiter-Samariter-Bund jetzt ein neues Konzept entwickelt: das Seniorendorf.

Seniorendorf "im Burggarten"
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 18.12.2018, Länge: 05:36 Min.]
Seniorendorf "im Burggarten"

Unter der Kirkler Burg und mitten in der Gemeinde liegt das Seniorendorf des Arbeiter-Samariter-Bundes. Zurzeit leben hier 49 Menschen, die Altersspanne reicht von Ende 50 bis Mitte 90. Gemeinschaftliche Veranstaltungen wie ein Frühstück finden wöchentlich statt und stärken den Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft. Das Ziel aller Dorfbewohner: Selbstbestimmt und in Würde altern.

Sieben Millionen Euro hat das Seniorendorf insgesamt gekostet. Nach anderthalb Jahren Bauzeit wurde es diesen Sommer fertiggestellt. Insgesamt 39 Mietwohnungen sind entstanden. Das Wohnen hier hat aber seinen Preis. Eine knapp 60 Quadratmeter große Wohnung kostet monatlich rund 720 Euro. Die Nachfrage ist dennoch sehr groß. „Wir waren dann doch letztlich überrascht, wie viele Mieter während der Bauphase mit uns einen Vertrag abgeschlossen haben“, so Bernhard Roth, Geschäftsführer vom Arbeiter-Samariter-Bund Saarland.

Pflegedienst soll Angehörige entlasten

Das Seniorendorf in Kirkel. (Foto: SR)
Im Seniorendorf in Kirkel können die Bewohner auch zusammen essen.

Auch Lore Luwdig lebt seit Anfang Oktober im Seniorendorf. Die 81-Jährige hat Probleme mit dem Gehen. Da die gesamte Anlage barrierefrei ist, bedeutete der Umzug für sie eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu ihrer vorherigen Wohnung. Auch ihre Tochter hat das Konzept des Seniorendorfs überzeugt. Sie steht beispielhaft für eine ganze Generation, die voll berufstätig ist und eine Betreuung der Eltern im Alter nur schwer ohne professionelle Hilfe stemmen kann. Besonders wichtig für sie: Dass jemand da ist, sollte ihre Mutter mal Hilfe benötigen.

Neben den Mietwohnungen ist im Seniorendorf nämlich auch ein ambulanter Pflegedienst angesiedelt. Von hier aus wird die mobile Pflege des Arbeiter-Samariter-Bundes für den gesamten Saarpfalz-Kreis koordiniert. Zudem gibt es auch eine Tagespflege. Hier werden sowohl Mieter als auch Pflegebedürftige, die nicht im Seniorendorf leben, versorgt und betreut.

Zentrale Lage Bestandteil des Konzeptes

Lore Ludwig ist trotz ihrer Gehbehinderung noch fit. Die ehemalige Krankenschwester regelt ihren Alltag weitestgehend eigenständig. Für sie ist es deshalb wichtig, dass der Lebensmittelladen, die Bank oder der Arzt fußläufig zu erreichen sind. Diese zentrale Lage ist ein fester Bestandteil des Seniorendorf-Konzepts.

"Man kennt jetzt schon so ein paar Leute, man spricht ein paar Worte“, so Lore Ludwig. Eine Nachbarin hängt ihr morgens immer die Zeitung an die Tür. "Das finde ich eben auch bemerkenswert, dass so einer für den anderen da ist." Für Lore Ludwig ist das Seniorendorf der Ort, an dem sie ihren Lebensabend verbringen möchte - würdig und selbstbestimmt.

Über dieses Thema wurde auch in Wir im Saarland - Service vom 18.12.2018 berichtet.

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