Start-up Kraftblock (Foto: Teichmann/SR)

Aus dem Saarland an die Weltspitze

Elisa Teichmann   29.01.2019 | 06:53 Uhr

Mit den Technologien des saarländischen Start-ups Kraftblock könnte kosteneffizient Energie für ganze Regionen gespeichert werden – die Lösung für ein weltweites Problem made in Saarland. Der Investor Frank Thelen will das Unternehmen zum „globalen Champion“ aufbauen. Für Kraftblock geht es steil bergauf.

Star-Investor Frank Thelen ist sich sicher: Die Energiewende ist die zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Ihn treibt die Aussicht an, Einfluss darauf zu haben: „Da der Wind nun einmal unkontrolliert bläst und die Sonne nur begrenzt scheint, müssen wir Energieproduktion und -verbrauch voneinander trennen.“ Flexible, grüne Speicher seien dabei das zentrale Element, um beide Seiten zu verbinden. Hier kommt die saarländische Firma Kraftblock ins Spiel: Sie entwickelt kosteneffiziente Großspeicher, die Energie für ganze Regionen zwischenspeichern sollen.

„Wir haben uns den Markt der Speichertechnologien sehr intensiv angesehen und sind davon überzeugt, dass Kraftblock die Lösung für ein weltweites Problem ist", sagt Thelen.
Start-up Kraftblock (Foto: Teichmann/SR)
Im Labor bei Kraftblock

Die Gründer des Start-ups Kraftblock arbeiten auf dem Campusgelände der Universität des Saarlandes an modularen Energiespeichern, die zwischen 30 und 60 Megawattstunden Energie speichern können. Das ist genug, um beispielsweise zwei Einfamilienhäuser ein Jahr lang zu heizen. Kraftblocks Erfindung besteht aus einem speziellen Speichergranulat, welches zu 85 Prozent aus Recyclingmaterial wie Hochofenschlacken besteht. Damit können Temperaturen von bis zu 1300 Grad entstehen - vergleichbare Wärmespeicher können bisher maximal 600 Grad aufnehmen.

Eine herausragende Innovation

Mit ihrer Geheimrezeptur wollen Susanne König und Martin Schichtel Teil des Energiesystems der Zukunft werden. Sie ist promovierte Betriebswirtin, er promovierter Chemiker – als Zweier-Team gründeten sie 2014 das Start-up, anfangs noch unter dem Namen Nebuma. Ihre Forschung hat auch das Interesse des Investors Frank Thelen und seiner Firma Freigeist geweckt: „Für mich geht es um herausragende Innovation: Was sind Technologien, die zehn Mal besser sind als das, was es momentan gibt?" Wenn es sich dann um einen technologischen Durchbruch handele, der ein globales Problem mit einem Multi-Milliarden Markt beheben könnte, sei das ein Unternehmen, in das Thelen und Freigeist investieren möchten. Aufmerksam auf das Start-up wurde Thelen, weil er in der Jury des Innovationswettbewerbs Top 100 saß. Dort gewannen König und Schichtel den Preis "Innovator des Jahres 2018" und wandten sich anschließend per Mail an den Star-Investor – kurz darauf kam es zum ersten Gespräch.

„Wir denken da sehr, sehr groß und bauen auf mutige Investoren, die unsere Vision teilen", so Investor Thelen.

Thelen hat Großes vor mit Kraftblock. Bis zu einer halben Milliarde Euro will er in Finanzierungsrunden für das Unternehmen sammeln. Gemeinsam mit König und Schichtel plant er, eine Nische auf dem Energiemarkt zu stopfen. Die Produktion der Energiespeicher ist bereits gestartet. Kraftblock sei zwar noch in der Anfangsphase, aber erste mobile Systeme seien bereits kommerziell verfügbar. Die Vielzahl der Kundensysteme mache aber viele Detailanpassungen nötig, sodass eine Serienfertigung erst in Planung sei.

Auf dem Weg zum Global Player

Momentan besteht das Team von Kraftblock aus sechs Leuten, im März sollen zwei weitere eingestellt werden. Das Unternehmen wächst und legt besonderen Wert auf gut ausgebildete Fachkräfte: "Wir planen, gegen Ende des Jahres die Mannschaft um weitere zehn Mitarbeiter aufzustocken“, so König und Schichtel. Aber Manpower allein reiche nicht, um sich als global player zu behaupten. Deswegen will Frank Thelen vor allem sein internationales Netzwerk nutzen und Überzeugungsarbeit für grünere Energie leisten. Er ist sich sicher, dass Energiespeicher das zentrale Problem der Energiewende weltweit sind:

Start-up Kraftblock (Foto: Teichmann/SR)
Martin Schichtel und Susanne König

„Wir führen Gespräche mit Vertretern der Energiebranche, um deren Herausforderungen besser zu verstehen und erste Pilotprojekte zu realisieren.“ Auch die Politik binde man mit ein, da der Energiemarkt noch nicht so auf Energiespeicher ausgerichtet sei, dass man langfristig zu 100 Prozent kosteneffizient und nachhaltig auf erneuerbare Energie umsteigen könne.  

Kraftblock will im Saarland bleiben

Der Ausbau von Kraftblock soll sich auch räumlich vollziehen. Spätestens zur nächsten Finanzierungsrunde soll laut König und Schichtel ein Umzug stattfinden, denn Räumlichkeiten im Starterzentrum seien konzeptbedingt begrenzt. Der neue Standort werde nach aktuellen Einschätzungen in Saarbrücken oder St. Ingbert aufgebaut - das Unternehmen bleibe also im Saarland. In Hinblick auf potenzielle Kunden im Saarland fasse man unter anderem die Stahlindustrie ins Auge: „Sie ist ein sehr guter Partner für die modularen Energiespeicher, obwohl Stahlunternehmen schon sehr viel ‚Abwärme‘ in internen Prozessen nutzen. Intensive Gespräche laufen bereits. Die Speicher können dabei mobil oder auch stationär sein", so die Gründer.

Der Blick in die Ferne

Vom Saarland schauen die Geschäftsführer König und Schichtel auch in die weite Welt: „Unsere Aktivitäten sind international ausgerichtet, obwohl alleine in Deutschland ein breites Kundenpotential existiert. Allerdings bräuchten wir hier im Lande noch ein wenig 'Anschub', das heißt, Subventionen, um diese Art von Energieeffizienzmaßnahmen umzusetzen – zumindest im Wärmemarkt.“

Ein saarländisches Unternehmen als Weltmarktführer: Für Kraftblock und seinen Investor soll das nicht nur eine Vision bleiben. Thelen ist zuversichtlich: „Natürlich bedeuten Startup und neue Technologien auch Risiken, aber genau diesen wollen wir uns stellen. Die nächsten Jahre werden voller Entwicklung und Veränderung sein.“

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