Ein Mensch sitzt mit gepackten Koffern auf der Straße (Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert)

Immer mehr Saarländer ohne Wohnung

Lisa Krauser / Onlinefassung: Aaron Klein   24.01.2023 | 06:40 Uhr

Bei der Wohnungslosenhilfe im Saarland hat die Nachfrage stark zugenommen. Gleichzeitig dauert es immer länger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Das Hauptproblem laut Diakonie: Es gibt schlichtweg zu wenige Wohnungen.

Immer mehr Menschen im Saarland sind von Wohnungslosigkeit betroffen, berichtet das Diakonische Werk im Saarland. Wer keine Wohnung hat, kann sich bei der Wohnungslosenhilfe der Diakonie eine Postadresse einrichten lassen. Und das tun auch immer mehr Menschen im Saarland.

Wohnungslosenhilfe immer stärker nachgefragt

Auch die Zahl der Beratungsanfragen bei der Wohnungslosenhilfe steigt: Demnach hat sich die Zahl der Beratungen bei der Diakonie in Völklingen in den letzten zehn Jahren mehr als verzehnfacht, von circa 20 auf über 250 im Jahr. Auch andere Standorte, wie Neunkirchen, berichten von einer Zunahme. Die Diakonie in Saarbrücken spricht von einer Verdoppelung der Postadressen alleine zwischen Juli 2022 und Ende 2022. Momentan sind dort 300 Postadressen gemeldet - 300 Menschen sind also wohnungslos.

Immer mehr Menschen im Saarland Wohnungslos
Audio [SR 3, (c) SR 3 Lisa Krauser, 24.01.2023, Länge: 02:27 Min.]
Immer mehr Menschen im Saarland Wohnungslos

Zu wenige Wohnungen verfügbar

Einer aktuellen Studie zufolge gibt es nirgendwo in Deutschland so wenige Sozialwohnungen wie im Saarland. Mit diesem Problem kämpft auch die Diakonie.

Auch Beratungsnachfrage steigt
Diakonie zählt mehr Menschen ohne Meldeadresse
Die Diakonie Saar bietet Saarländerinnen und Saarländer ohne Meldeadresse eine Postanschrift. Davon machen inzwischen viel mehr Menschen Gebrauch als vor einem halben Jahr. Auch Beratungsanfragen nehmen zu.

Laut der Diakonie Völklingen dauert es dort mittlerweile im Schnitt 18 Wochen, um für Betroffene eine Wohnung zu finden. Vor ein paar Jahren habe es noch etwa vier bis sechs Wochen gedauert. "Es gibt einfach keine bezahlbaren Wohnungen mehr. Punkt. Da können wir uns rütteln und schütteln“, sagt Sabrina Sofka-Hell, Sozialarbeiterin bei der Diakonie in Völklingen.

Das weiß offensichtlich auch Bauminister Reinhold Jost (SPD): Man habe „in den zurückliegenden Jahren gemerkt, dass unsere Förderbedingungen offensichtlich nicht so attraktiv sind, dass sie in Anspruch genommen werden". Viele Millionen Euro an Bundesfördermitteln seien wieder zurückgegangen. Die Landesregierung hat daher angekündigt, die Förderrichtlinien für den Sozialen Wohnungsbau zu überarbeiten.

Unterschied zwischen obdach- und wohnungslos

Als wohnungslos bezeichnet man Menschen, die keine Wohnung haben, aber nicht zwangsläufig obdachlos sind. Wer wohnungslos ist und nicht auf der Straße schläft, fällt oft kaum auf. Denn die Betroffenen schlafen „überall und nirgends. Bei Freunden, bei Bekannten auf der Couch. Im Auto. Im Sozialraum beim Arbeitgeber. In irgendeinem Wohnwagen, den der Arbeitgeber auf dem Hof abstellt“, erklärt Sofka-Hell.

Die Gründe für die Wohnungslosigkeit seien dabei vielfältig. „Zum einen weil die Wohnung verloren wurde, aus welchen Gründen auch immer. Trennung, Scheidung, Eigenbedarfe, Zwangsräumung oder weil lange Mietschulden vorhanden waren“, so die Sozialarbeiterin.

Video [aktueller bericht, 12.01.2023, Länge: 3:53 Min.]
Saarland Schlusslicht beim sozialen Wohnungsbau

Über dieses Thema wurde auch in "SR 3 - Guten Morgen" am 24.01.2023 berichtet.


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