Vereidigung von Tobias Hans (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Die Ministerpräsidenten des Saarlandes

 

Das Saarland wurde bislang von neun Ministerpräsidenten regiert. Meist war das Land in CDU-Hand, mit Ausnahme der Amtszeiten von Oskar Lafontaine und Reinhard Klimmt.

Hubert Ney (10.01.1956 - 04.06.1957)

Hubert Ney (Foto: imago / ZUMA / Keystone)
Hubert Ney

Hubert Ney von der CDU wurde am 10. Januar 1956 Ministerpräsident des noch unabhängigen Saarlandes. Während seiner Regierungszeit fand die politische Rückgliederung statt. Ney hatte mit Johannes Hoffmann die CVP gegründet. Im Gegensatz zu Hoffmann setzte er sich aber für einen Anschluss des Saarlandes an die Bundesrepublik ein. Deshalb wechselte er zur CDU.

Er führte ab 1956 eine Heimatbundregierung. Wegen Streitigkeiten in der Koalition trat er am 4. Juni 1957 zurück. 1959 trat Ney aus der CDU aus und gründete eine eigene Partei, die allerdings scheiterte.


Egon Reinert (04.06.1957 - 23.04.1959)

Egon Reinert (Foto: Landesarchiv Saarland / Erich Oettinger)
Egon Reinert

Egon Reinert von der CDU trat am 4. Juni 1957 die Nachfolge von Hubert Ney an. Sein Verdienst bestand unter anderem darin, die christlichen Lager im Saarland zu vereinen. Während seiner Regierungszeit wurde damit begonnen, die ehemaligen CVP-Mitglieder in die CDU zu integrieren.

Allerdings gab es auch CVP-Mitglieder, die diesen Weg nicht mitgingen und mit der Saarländischen Volkspartei (SVP) eine neue Partei gründeten. Sie holte bei der Landtagswahl 1960 immerhin 11,4 Prozent der Stimmen. Egon Reinert starb am 23. April 1959 bei einem Autounfall.


Franz-Josef-Röder (30.04.1959 - 26.06.1979)

Franz Josef Röder im Gespräch mit Bundestagspräsident Kai-Uwe von Hassel 1971 (Foto: imago / Sven Simon)
Franz Josef Röder (li.) im Gespräch mit Bundestagspräsident Kai-Uwe von Hassel 1971

Am 30. April 1959 wurde der CDU-Politiker Franz Josef Röder zum dritten Ministerpräsident des Bundeslandes Saarland. In seiner 20-jährigen Amtszeit integrierte er das Saarland in das politische und wirtschaftliche Gefüge Deutschlands. So beendete eine umfangreiche Gesetzgebung auf allen Gebieten die Sonderentwicklung, die sich aus französischen Einflüssen im saarländischen Recht ergaben. In Röders Regierungszeit fiel ab er auch die Kohlekrise. Erste Gruben wurden geschlossen.

Röder starb am 26. Juni 1979. Einen Tag zuvor hatte er angekündigt, 1980 nicht mehr kandidieren zu wollen.


Werner Zeyer (05.07.1979 - 09.04.1985)

Der ehemalige CDU-Ministerpräsident Werner Zeyer bei der Landtagswahl 1985 (Foto: imago / bonn-sequenz)
Der ehemalige CDU-Ministerpräsident Werner Zeyer bei der Landtagswahl 1985

Werner Zeyer, ebenfalls von der CDU, trat am 5. Juli 1979 die Nachfolge von Franz Josef Röder an. Allerdings war es für Zeyer schwierig, in die Fußstapfen des beliebten Landesvaters Röder zu treten. Seine Regierung hatte mit den Problemen der Stahlkrise zu kämpfen. Innerhalb von fünf Jahren verdoppelte sich die Arbeitslosigkeit an der Saar auf 13,4 Prozent. Das Haushaltsdefizit und damit auch der Schuldenberg des Saarlandes stiegen deutlich an.

Nach der Landtagswahl 1985 wurde Zeyer vom SPD-Shootingstar Oskar Lafontaine abgelöst. Zeyer übernahm die Verantwortung für die Wahlniederlage und zog sich komplett aus der Politik zurück.


Oskar Lafontaine (09.04.1985 - 10.11.1998)

Oskar Lafontaine nach seinem Sieg bei der Landtagswahl 1985 (Foto: dpa)
Oskar Lafontaine nach seinem Sieg bei der Landtagswahl 1985

Am 9. April 1985 wurde der Saarbrücker Oberbürgermeister und SPD-Landesvorsitzende Oskar Lafontaine neuer Ministerpräsident des Saarlandes. Mit dem Machtwechsel war ein allgemeines Stühlerücken verbunden. Strategische Positionen in den Ministerien wurden neu besetzt und die Zuständigkeiten neu geordnet. Auch die Regierung Lafontaine war weitgehend mit der Bewältigung der Stahlkrise beschäftigt.

Auch in der Bundespolitik war Lafontaine sehr präsent: 1990 trat er als Kanzlerkandidat der SPD gegen Helmut Kohl an, gehörte auch vier Jahre später zum Führungsteam der Partei. 1998 ging Lafontaine als Bundesfinanzminister nach Berlin, trat aber 1999 bereits zurück. 2005 wechselte Lafontaine von der SPD zur WASG, aus der später zusammen mit der PDS die Linke entstand.


Reinhard Klimmt (10.11.1998 - 29.09.1999)

Reinhard Klimmt nach der ersten von ihm geleiteten Kabinettssitzung 1998 (Foto: dpa)
Reinhard Klimmt nach der ersten von ihm geleiteten Kabinettssitzung 1998

Reinhard Klimmt (SPD) trat die Nachfolge Lafontaines am 10. November 1998 an, blieb aber nur bis zum Ende der Legislaturperiode im September 1999 saarländischer Ministerpräsident. Der gebürtige Berliner trat 1964 der SPD bei. Von 1970 bis 1975 war er Vorsitzender der saarländischen Jungsozialisten. Von 1991 bis 2001 gehörte er dem Parteivorstand an.

Nach dem Machtverlust der SPD im Saarland wurde Klimmt Bundesverkehrsminister. Nach rund einem Jahr Amtszeit trat er zurück. Heute arbeitet er unter anderem als Buchautor.


Peter Müller (29.09.1999 - 10.08.2011)

Peter Müller bei seiner Vereidigung zum Ministerpräsident 2009 (Foto: dpa)
Peter Müller bei seiner Vereidigung zum Ministerpräsident 2009

Mit dem Spitzenkandidanten Peter Müller konnte die CDU bei der Landtagswahl 1999 eine knappe absolute Mehrheit erreichen. Am 29. September wurde Müller in das Amt des Ministerpräsidenten eingeführt. Zehn Jahre regierte die CDU mit ihm mit einer absoluten Mehrheit, verlor dann aber bei der Wahl 2009 deutlich Stimmen. Müller gründete daraufhin mit der FDP und den Grünen die bundesweit erste Jamaika-Koalition.

Im Januar 2011 kündigte Müller seinen Rückzug vom Amt des Ministerpräsidenten an. Seit dem 25. November ist der Jurist und ehemalige Berufspolitiker Bundesverfassungsrichter in Karlsruhe.


Annegret Kramp-Karrenbauer (10.11.2011 - 28.02.2018)

Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrer Vereidigung zur Ministerpräsidentin 2011 (Foto: dpa)
Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrer Vereidigung zur Ministerpräsidentin 2011

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wurde am 10. August 2011 zur ersten Ministerpräsidentin des Saarlandes gewählt. Sie war die Wunschkandidatin des ans Verfassungsgericht wechselnden Müllers. Kramp-Karrenbauer führte zunächst die Jamaika-Koalition fort, beendete das Bündnis aber am 6. Januar 2012. Nach einer Neuwahl ging sie mit der SPD eine Große Koalition ein. Wichtigstes Ziel ihrer Politik war die Sicherung der Eigenständigkeit des Saarlandes - trotz schwieriger Haushaltslage.

Kramp-Karrenbauer war bereits 2000 saarländische Innenministerin, leitete später auch das Bildungs-, Kultur- und Sozialressort. Dem Landtag hatte sie seit 1999 angehört. Im Februar 2018 kündigte sie ihren Rücktritt als Ministerpräsidentin an, um als CDU-Generalsekretärin in die Bundespolitik zu wechseln.


Tobias Hans (seit 01.03.2018)

Vereidigung von Tobias Hans (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Vereidigung von Tobias Hans im saarländischen Landtag.

Nach dem Wechsel von Kramp-Karrenbauer in die Bundespolitik folgte ihr der bisherige Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag, Tobias Hans, zum 1. März im Amt des Ministerpräsidenten. Bei seiner Vereidigung war Hans mit 40 Jahren der jüngste der 16 aktuell amtierenden Regierungschefs in Deutschland.

Hans ist der älteste Sohn des ehemaligen CDU-Fraktionschefs im Landtag, Peter Hans. Seine eigene politische Karriere begann er als Kommunalpolitiker in Neunkirchen, wo er 2004 in den Stadtrat einzog. Nach der Landtagswahl 2009 zog er erstmals in den saarländischen Landtag ein. Dort wurde er 2012 parlamentarischer Geschäftsführer, 2015 schließlich Fraktionsvorsitzender.

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