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"Mein Vater wurde Mr. Sound genannt"

Das Interview führte Chris Ignatzi   23.06.2022 | 16:52 Uhr

Conny Plank arbeitete mit Kraftwerk, Eurythmics und DAF zusammen. Seine berufliche Laufbahn begann der Toningenieur und Produzent beim SR. Pünktlich zum Start der Ausstellung auf dem Halberg sprachen wir mit Conny Planks Sohn über die Arbeit seines 1987 verstorbenen Vaters - und über ein Treffen mit David Bowie.

Kraftwerk, Herbert Grönemeyer oder Heinz Rudolf Kunze: Sie alle haben im Laufe ihrer Karriere mit dem Toningenieur und Produzenten Conny Plank zusammengearbeitet. Die ersten beruflichen Schritte hat Plank aber beim Saarländischen Rundfunk (SR) gemacht. Mitte der 1960er Jahre war er Sendetechniker bei der Europawelle Saar des SR.

Der SR widmet ihm deshalb ab heute bis zum 25. November eine Ausstellung. Die Eröffnung ist um 18.00 Uhr. Zu sehen sind unter anderem Fotos, Plattencover und vieles mehr.

Vor der Ausstellung hat SR-Reporter Chris Ignatzi mit Conny Planks Sohn Stephan Plank gesprochen. Dabei erzählt er von Erinnerungen an seine Kindheit, einem Treffen mit David Bowie und der Zeit seines Vaters beim SR.


SR: Stephan, du bist quasi im Tonstudio mit deinem Vater aufgewachsen in den ersten Jahren deines Lebens. Wie viel hast du da bewusst mitbekommen?

Plank: Als ich ein kleiner Junge war, war das Tonstudio der Platz, wo die großen Jungs gespielt haben. Ich sollte da nicht so viel reingehen. Es kam immer sehr viel Musik aus dem Studio raus, und Musik hat so etwas Faszinierendes.

Wenn du während der Produktion eines Songs diesen Song fast tausend 1500 Mal gehört hast, dann brennt sich das auf eine Festplatte ein. Und wenn ein Song von meinem Vater oder einer, an dem mein Vater beteiligt ist, im Radio kommt, werde ich immer wieder in diese Zeit zurückgebracht. Das ist ganz faszinierend.

Außerdem habe ich viele spannende Erinnerungen daran, dass man mit Musikern toll spielen kann. Aber ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, dass das jetzt Arbeit ist und was die da machen. Das hat mich als Vier-, Fünf-, Sechsjähriger auch nicht wirklich interessiert.

SR: Warst du zu jung, um dich von dieser Zeit prägen zu lassen?

Plank: Ja, und gleichzeitig habe ich ja dann noch bis 2001 viel im Studium mitgearbeitet und hatte auch viel zu viel Respekt vor Musik. Es ist ja eine lustige Frage, die ich immer wieder gestellt kriege: Bist du auch Musikproduzent?

Und dann frage ich zurück: Machst du auch das gleiche wie dein Vater? Und dann sagen alle: Natürlich nicht.

Stephan Plank (Foto: Milla Plank)
Stephan Plank

SR: Als Kind hast du David Bowie getroffen und bist mit ihm durch einen Supermarkt spaziert, wie war das?

Plank: Lustig. Er war an Cornflakes interessiert und ich auch. Er war während einer Produktion bei uns im Studio und hatte nicht wirklich was zu tun.

Er ist dann mit meiner Mutter und mir zusammen zum Einkaufen gefahren. Das war in Neunkirchen-Seelscheid in den Siebzigern.

Im Supermarkt an den Regalen waren Aschenbecher dran und er ging durch den Markt, rauchte und stand vor dem Cornflakes-Regal, was mein Lieblingsregal war.

Er flanierte auf und ab und schaute sich verschiedene Cornflakes an. Und ich bekam am Ende ganz viele Cornflakes. Das ist meine Erinnerung an David Bowie.

SR: Sound war deinem Vater natürlich immer wichtig. Wie hat sich das bemerkbar gemacht?

Plank: Mr. Sound, ist einer der Namen, die international für meinen Vater verwendet werden und mein Vater hat das dann immer eher ein bisschen flapsiger ausgedrückt, und gesagt, jede Band kriegt den Sound, den sie verdient.

Das zeigt so ein bisschen den Humor meines Vaters aber ist auch gleichzeitig hochgradig wahr. Du kannst nicht klingen, wie irgendjemand, sondern du klingst immer so wie du selbst.

Das ist ein bisschen das, was sich durch die Karriere meines Vaters durchzieht, dass die Bands so klingen, wie sie selbst, wenn mein Vater sie produziert hat und das ist, glaube ich, das Spannende an seiner Arbeit.

Aufnahmen zu Eurythmics in „Conny´s Studio“ (1981)  (Foto: Privatarchiv Stephan Plank)
Aufnahmen zu Eurythmics in „Conny´s Studio“ (1981)

SR: Du hast einen Film über deinen Vater gemacht – hast du ihn bei den Recherchen viele Jahre später auf eine Art und Weise neu kennengelernt?

Plank: Ja. Während der Recherche für den Film habe ich mir tatsächlich meinen Vater ein Stück weit zurückgeholt. Meine Mutter hat tendenziell den Geist von meinem Vater in dem Studio, seinen Spirit, hochgehalten.

Nach dem Tod meines Vaters hat sie mit mir aber nicht wirklich viel über ihn gesprochen, außer dass Papa super war, aber so ins Detail, wie funktioniert denn die Arbeit eines Tontechnikers und was macht er? Und das macht überhaupt ein Produzent? Das hab ich nicht so mitbekommen.

Und das war tatsächlich für mich der Grund, loszugehen und diesen Film zu machen. Zu sagen: Ich muss mir das zurückholen.

Es kommen die ganze Zeit Leute auf mich zu und sagen: Oh, du bist der Sohn von Conny. Und dann zu sagen: Das war toll, aber ich kann dir dazu nicht viel sagen, davon habe ich mich frei gemacht.  

SR: Beim Saarländischen Rundfunk hat Connys Geschichte angefangen. Was hat die Zeit ihm bedeutet?

Plank: Er hat einen sehr, sehr guten Freund hier kennengelernt. Er hat meine Mutter hier kennengelernt. Ich glaube, es war ganz toll, weil er hier eine Ausbildung gekriegt hat.

Aber am Ende ist das so ein bisschen wie mit Kindern. Wenn die flügge sind, müssen sie auch aus dem Nest rausgeschubst werden, damit sie dann selber in die Welt gehen und das tun, was sie wollen.

Und diesen Dienst hat ihm der Saarländische Rundfunk wahrscheinlich getan. Die sind dann aneinander geraten aus irgendwelchen Gründen und haben ihn dann aber nicht kaputt gemacht, sondern einfach dafür gesorgt, dass es weiterging. Und das finde ich ganz großartig.

Fundstücke
Conny Plank über sich: Pop non stop
“In meinem Elternhaus bin ich eigentlich sehr von der klassischen Musik geprägt worden. Mein Vater war Organist in einer Kirche, und in einem Streichquartett hat er Bratsche gespielt. Ich lernte mit sechs schon an Knöppen drehen, am Radioapparat. Und fand heraus, dass die Militärsender zu der Zeit immer scharfe Musik spielten.” Es setzte die erste Ohrfeige des Vaters, aber der kleine Conny Plank war an die “Teufelsmusik” verloren.

SR: Du hast einige Stücke aus der Privatsammlung deines Vaters mitgebracht. Was ist das Wertvollste für dich?

Plank: Tatsächlich ist das für mich relativ einfach. Es ist ein Synthesizer, den mein Vater für mich gebastelt hat, mit mir zusammen.

Das ist die "Krachmaschine", die ist mir sehr wertvoll ist. Sie funktioniert auch noch, die können wir in den Strom stecken und dann macht sie immer noch Geräusche.

Mehr zum Thema

Über dieses Thema hat auch die Sendung "Der Morgen" auf SR 2 KulturRadio am 23.06.2022 berichtet.

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