Bodo Busse (Foto: imago/Becker&Bredel)

Busse bleibt politisch

Kai Forst   12.09.2018 | 16:33 Uhr

Der Generalintendant des saarländischen Staatstheaters, Bodo Busse, hat nach den Ereignissen von Chemnitz vor rechtspopulistischer Propaganda gewarnt. Die Situation in Deutschland sei sehr angespannt. „Wir sind aufgerufen, Wahrheit zu schaffen“, sagte der 46-Jährige im SR-Interview.

Im August hatte Bodo Busse mit einer sehr politischen Rede zur Spielzeiteröffnung Stellung zur aktuellen Lage in Deutschland bezogen und Aufsehen erregt. Ungewohnt offen kritisierte er das Sommertheater um die vergeigte Fußball-WM, die Özil- und somit die Integrationsdebatte und das Geschachere von CDU und CSU über die Flüchtlingspolitik.

"Es brodelt in mir"

Und Busse bleibt politisch. Mit Blick auf die zurückliegenden Ereignisse von Chemnitz, wo es Ende August nach dem Tod eines Mannes zu Attacken auf Ausländer kam, sagte Busse im SR-Interview, die Situation in Deutschland sei seit seiner Rede nicht besser geworden. „Es brodelt sehr in mir. Gerade in Chemnitz haben wir gesehen, wie schnell eine populistische Massenagitation losgetreten werden kann und wie auch politische Mandatsträger der scheinbar bürgerlichen Parteien Seite an Seite mit Rechtspopulisten einen Trauermarsch veranstalten.“

Damit sprach er die Teilnahme von AfD-Landeschef Josef Dörr an einer gemeinsamen Demo von AfD und der fremdenfeindlichen Organisation Pegida an. Man habe deutlich gesehen, „wie der tragische Tod eines Menschen quasi funktionalisiert wird, um rechtspopulistische Propaganda zu machen“.

"Wir müssen Wahrheit schaffen"

Das Theater als Kulturinstitution sei nun gefordert, Haltung zu beziehen. „Es ist nicht so, dass wir die Tagespolitik kommentieren. Aber ich glaube, wir sind aufgerufen, Sensibilität zu schaffen, Wahrheit zu schaffen und einen Diskurs anzuregen“, sagte der 46-Jährige, der seit der vergangenen Spielzeit der Generalintendant am Saarländischen Staatstheaters ist. Das Eis eines fairen humanistischen Diskurses sei derzeit sehr dünn geworden. „Wir müssen gemeinsam darauf achtgeben, dass wir nicht durchbrechen.“

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