Die Windpferde - Fornier/Lax (Foto: Salleck Publications/Eckart Schott Verlag)

Die Windpferde

Ein Bildroman aus dem Himalaya

Gerd Heger   19.01.2018 | 08:30 Uhr

Dass Comics längst nicht mehr nur einfach "Strips" sind, sondern dass die "Bandes dessinées" wahre Kunstwerke sein können, das weiß man in Frankreich längst. Ein gutes Beispiel ist der Bildroman "Die Windpferde" - in Deutschland erschienen bei einem der rührigsten Verlage in diesem Bereich - aus der Pfalz.

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So klassisch kriminalistisch kamen Autor Lax und Zeichner Jean-Claude Fournier bei einer Buchvorstellung in Lille zusammen. Damals war Fournier als einer der Weiterträger des legendären „Spirou“ bekannt, Lax war mitten im Aufbau der Serie „Aire libre“. Einige Jahre später war es wohl Zeit zur Zusammenarbeit: Lax schlug den Himalaya als Ort vor, und Fournier machte sich – zunächst widerwillig, zunehmend begeistert – tatsächlich auf, reiste, skizzierte, ließ das Dach der Welt in sich einsinken.

Lax  (Foto: D.Fouss/Pressefoto)
Lax

So sehr, dass Lax im Vorwort zu „Die Windpferde“ schreiben kann: „Es ist ihm gelungen, das Tosen des Windes, der die Gebetsfahnen (die Windpferde) zum Knattern bringt, bildlich umzusetzen. Man hört die tosenden Fluten des Kali Gandaki, das Echo der Dörfer und das Blöken der Herden, man genießt die Poesie der wechselnden Lichter und man kann mit allen Figuren fühlen, die seine Bilder bevölkern“. Stimmt!

Jean-Claude Fournier  (Foto: Chloé Vollmer/Pressefoto)
Jean-Claude Fournier

Am Anfang diese wahrhaftigen BildROMANS steht eine Schuld: Kazi, der schwächliche Sohn einer armen Familie aus dem Hochtal des Ganges im indischen Himalaya um 1850 (britisches Empire damals), wird von seinem Vater Calay weggegeben – die Familie wird nie darüber hinwegkommen. Wie Resham, der zweite Sohn, die Familie wegen einer unmöglichen Liebe verlässt, wie Vater Calay sich über das Gebirge hinweg auf die Suche nach dem Verlorenen macht – welche Urkräfte in den Personen und in der Landschaft durcheinander wirken – das ist der Stoff, den Jean-Claude Fournier mit Meisterschaft umsetzt: Farbgebung, Aufteilung der Geschichte auf die „bandes dessinées“, die Strips, Bilder und Strips, das zieht einen hinein in die oft traurige, oft klare und schöne, immer fesselnde Geschichte, in der man auch die Höhe des buddhistischen Klosters der „Windpferde“ erklimmt.

Französische Comics aus der Pfalz

Eckart Schott, Chef bei Salleck Publications in der Pfalz - inzwischen einer der wichtigsten Comicverlage in Deutschland - er ist ein Comicpassionierter. Er übersetzt selbst, seine Editionen wie diese hier sind mit so viel Material (Skizzen, Erklärungen, Autorenvorworte…) ausgestaltet, dass die Kunstwerke noch einmal aufgewertet werden. Sollte jemand wissen wollen, was heute Comics von banalen Cartoons früher unterscheidet – hier wäre ein Anfang zu machen.

 (Foto: SR)

Jean-Claude Fournier, Lax  „Die Windpferde“ Salleck Publications

Im Original:
Les Chevaux du Vent / Dupuis


Konzept

Die Comicbegeisterung in Frankreich ist mit dem deutschen Comicmarkt nicht zu vergleichen. Aber sie schwappt auch über die Grenze: Gut die Hälfte aller frankophonen Bücher, die für Deutschland übersetzt werden, sind Comics. Von den Klassikern wie Asterix oder Lucky Luke bis zu heutigen Serien wie Largo Winch oder XIII, von Cartoongrößen wie Sempé oder Pénélope Bagieu bis hin zu den Zeichnern und Zeichnerinnen von Charlie Hebdo oder den Graphic Novels eines Guy Delisle.

Hier bietet SR.de exklusiv für Deutschland eine regelmäßige Auswahl aktueller Titel, aber auch Hinweise auf Klassiker und Gesamtausgaben. Kontakt: gheger@sr.de

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