Thomas Gerber (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Blau-schwarze Leiden

Der Kommentar

Thomas Gerber   07.03.2017 | 16:30 Uhr

Bis der 1 FC Saarbrücken wieder eine eigene Heimspielstätte hat, wird es wohl noch länger dauern. Das jetzige Vergabeverfahren für den Um- und Neubau des Stadions soll gestoppt werden. Die Kosten waren explodiert. Nun soll es neue Einzelausschreibungen geben.

Saarbrücken
Umbau für das Ludwigsparkstadion wird neu ausgeschrieben
Der Umbau des Saarbrücker Ludwigsparkstadions soll neu ausgeschrieben, das jetzige Vergabeverfahren gestoppt werden. Das will die Stadtverwaltung dem Stadtrat in einer Sondersitzung empfehlen, wie die Stadt mitteilte. Mitte Februar war bekannt geworden, dass der Umbau des Stadions deutlich teurer wird, als ursprünglich erwartet.

Für die Christdemokraten ist er schon lange der Heilsbringer. Mit einer Blutgrätsche habe Bouillon die Amateure der Landeshauptstadt unsanft gestoppt, bevor die sich beim Stadionneubau gänzlich verdribbeln. So huldigt die CDU dem hemdsärmeligen Innenminister mit Tendenz zum Superminister. Bouillon spricht von Fehlplanung und mangelnder Transparenz im bisherigen Verfahren, Details aber nennt er leider nicht.

Klar, die Herrschaften sind im Wahlkampfmodus und die Dame im OB-Sessel vom anderen Saarufer, sie ist den Schwarzen eh ein Gräuel. Nun also wieder zurück auf "Los", wobei Bouillon so en Passant dann doch ein entscheidendes Zugeständnis macht. Bis letzte Woche galt der 14,5 Millionen Landeszuschuss nur für eine komplette Arena. Dieses Wort hat er gefressen, das Geld würden nun auch bei einem Hufeisen fließen. Im Gegenzug stoppt die Stadt ihr Ausschreibungsverfahren, schreibt Einzelgewerke aus. Der teure Generalunternehmer kann also einpacken. Ob das modulare Stadionbauen tatsächlich günstiger wird, ist dabei noch längst nicht ausgemacht.

Ausgemacht ist allerdings, dass sich der neue Ludwigspark verzögert – um mindestens zwei Jahre. Großes können wir halt irgendwie nicht! Vierter Pavillon, HTW, Fischzucht, Ludwigspark - da muss doch endlich ein Macher her, wobei Bouillons St. Wendeler Rathaus-Denkmal - so ganz nebenbei - auch doppelt so teuer geworden war, wie eigentlich geplant. Schwamm drüber! Die damalige Innenministerin hatte ja bezahlt. Das nenn ich Kirchturmdenken. Jetzt, beim Park, gehe das nicht. Aus beihilfe- und haushaltsrechtlichen Gründen, sagt der Minister.

Wer den Stadionneubau versaubeutelt hat, steht nicht fest. Ob es Bouillons Ex-Bauamtsleiter, der mit ins Ministerium gewechselt ist, mit seiner reichhaltigen St. Wendeler Erfahrung tatsächlich besser gewuppt hätte als die hauptstädtischen Planer? Da ist viel Wahlkampf drin.

Zugegeben, ich bin befangen, bewege ich meinen blau-schwarzen Hintern doch eher ungern nach Völklingen. Aber Leidtragende sind die Fans eines mittelmäßigen Viertligisten. Wir müssen wohl noch Jahre auf unser Liebesnest warten. Spielerisch sind wird schon länger bundesweit eine Lachnummer - Stadion können wir auch nicht. Mal ehrlich, eigentlich war das klar.

Ein Beitrag in der Sendung "Region am Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 07.03.3017.

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