Thomas Gerber (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Allerhöchste Zeit, dass im Saarsport ausgemistet wird!"

Thomas Gerber   29.03.2018 | 12:30 Uhr

Mit dem von der damaligen Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer initiierten Verstärkungsfonds bei Saartoto sollte eigentlich der Spitzensport gefördert werden. Ein Teil der 250.000 Euro jährlich floss dann aber ins Ehrenamt. Wie das vonstatten ging, das sorgt jetzt für Zoff in der Großen Koalition. 81 Schecks wurden teils wahlkampfnah an Vereine für Jubiläen oder Jugendarbeit verteilt. Die Staatsanwaltschaft hegt den Verdacht der politischen Landschaftspflege, denn neben LSVS-Präsident Meiser waren zahlreiche CDU-Politiker an der "Scheckverteilung" beteiligt. Dazu ein Kommentar von SR 3-Redakteur Thomas Gerber.

Wenn du Geld für deinen Verein brauchst, dann musst du zur CDU gehen. Das ist seit Jahrzehnten im Saar-Sport ein geflügeltes Wort.

Spätestens mit Gerd Meyer als Präsident wurde der LSVS zur "politischen Vorfeldorganisation" der Saar-CDU. Beim "Gerd" wurde man was, wenn man schwarz oder Ringer war. Sein Nachfolger Klaus Meiser setzte die Tradition fort, wechselte lediglich die Sportart - aus der Matte wurde die Tischtennisplatte.

Aus dem Verstärkungsfonds, den die Staatsanwaltschaft "schwarze Kasse" nennt, durften sich vornehmlich die Schwarzen bedienen. Soweit man es derzeit angesichts des allgemeinen Finanzchaos beim LSVS überhaupt überblicken kann, wurden drei der 81 Schecks von Roten verteilt, den großen Rest übernahm der GroKo-Partner. Entweder der Ex-Landtagspräsident selbst oder seine CDU-Fraktionskollegen. Wobei hinter dem grillenden Innenminister Bouillon mit neun Schecks Fraktionschef Hans mit sechs Schecks die Silbermedaille erringen konnte. Mit aufs Treppchen, mit zwei Schecks punktgleich, die Herren Funk und Schäfer.

Ist doch 'ne tolle Sache - das Ehrenamt! - wollen uns die Medaillengewinner nun weismachen und ein Rechtsgutachten in Auftrag geben. Immerhin: Das soll die CDU und nicht der LSVS bezahlen.

Aber mal ehrlich: Soll die eigene Selbstbedienung nun auch noch juristisch abgesegnet werden? Das ist nicht nötig, meine Herren. Klar durften die Bouillons und Hänse das Ehrenamt ehren - vielleicht nicht unbedingt drei Tage vor der Landtagswahl, wie Tobias Hans bei den Keglern in Wiebelskirchen. Da dürfte, wie bei Peter Müllers Verfassungsbruch mit der Anzeigenkampagne "Der Ministerpräsident informiert", eine Wahlkampf-Schamfrist gelten. Jetzt aber das "Ehrenamt" wie eine Monstranz vor sich herzutragen, ich finde es widerlich. Denn genau jenes Ehrenamt steht nun wegen der jahrzehntelangen Selbstbedienung beim LSVS auf der Kippe.

Und dass einer, der eigentlich auf den Verband hätte aufpassen müssen, dass Rechtsaufseher Bouillon beim Scheckverteilen "Gold" geholt hat, zeigt, wie verfilzt der schwarze Filz ist. Allerhöchste Zeit, dass im Saarsport strukturell, aber auch personell ausgemistet wird! Allerhöchste Zeit auch, dass sich die SPD emanzipiert und spätestens im Untersuchungsausschuss klare Kante zeigt!


Update vom 29.03.: Die CDU Saar legt Wert auf folgende Feststellung:

"Tobias Hans hat den Scheck am 24. Februar 2017 übergeben als Bote, ohne Öffentlichkeit. Das Bild, das der Verein bei Facebook am 24. März 2017 postete, wurde nicht im Beisein und ohne Wissen von Tobias Hans aufgenommen und gepostet."


Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 29.03.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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