Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke (Foto: IMAGO / Sven Simon)

"Wir haben einen neuen Systemkonflikt"

Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke

Interview: Nadine Thielen/Onlinefassung: Corinna Kern   19.12.2022 | 11:31 Uhr

Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in Europa. An diesem Tag begann der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der Politikwissenschaftler und Redakteur der "Blätter für deutsche und internationale Politik", Albrecht von Lucke, bezeichnet die eingetretene Situation als unvorstellbar, die das Weltbild vieler auf den Kopf gestellt habe.

Krieg in Europa - eine unvorstellbare Vorstellung, zumindest bis zum 24. Februar. Dann begann der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Der Politikwissenschaftler und Redakteur der "Blätter für deutsche und internationale Politik", Albrecht von Lucke, hat sich mit dem Krieg und seinen Folgen beschäftigt.

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Alfred von Lucke: "Bestrebungen dringen in westliche Demokratie"
Audio [SR 3, Moderation: Nadine Thielen/ im Interview: Alfred von Lucke, 19.12.2022, Länge: 02:57 Min.]
Alfred von Lucke: "Bestrebungen dringen in westliche Demokratie"

"Ein Schock sondergleichen"

Für Lucke war der Eroberungskrieg in dem Maße nicht vorstellbar. Die Menschen seien der Illusion beraubt worden, dass man in eine Friedenszeit in Europa geraten sei. Ein Schock, der auch eine "hochgradige Verunsicherung" mit sich führe.

Der Politikwissenschaftler nimmt den Krieg in der Ukraine als bedrohlicher wahr als den Kalten Krieg. "Der Druck ist maximaler Art", so Lucke. Er spricht sogar von einem "neuen großen Systemkonflikt", der sich in der Ukraine abspiele und mit imperialen Methoden vonstattengehen würde.

Russland kein Einzelfall

Der Versuch, das eigene Land durch Kriege zu vergrößern und nach innen totalitär zu regieren, beobachte der Politikwissenschaftler nicht nur in Russland. Eine solche Entwicklung sei auch in China zu beobachten. Für Lucke ist die dramatischere Entwicklung jedoch, dass autoritäre Bestrebungen auch in die westlichen Demokratien Europas eingedrungen seien.

Donald Trump habe gezeigt, dass die Vereinigten Staaten, als Urland der Demokratie, anfällig geworden seien, für "totalitäre Versuchungen", so Lucke. Daher sei die Welt in den 2020er Jahren wahrscheinlich einer größeren Gefahr durch Totalitarismus ausgesetzt, als im letzten halben Jahrhundert.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 19.12.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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