Protestieren die Bauern gegen die Falschen?

Protestieren die Bauern gegen die Falschen?

im Gespräch: Agrarökonom Christian Henning

Moderation: Nadine Thielen/Onlinefassung: Corinna Kern   29.02.2024 | 10:19 Uhr

Seit Wochen demonstrieren die Landwirte gegen die Pläne der Bundesregierung, die Subventionen beim Agrardiesel zu stoppen. Doch müssten die Landwirte nicht eher vor Lidl und Co. protestieren? Denn diese bestimmen, wie viel Butter, Milch und Brot kosten und wie viel die Landwirte davon erhalten.

Die Proteste der Landwirte in Deutschland gegen die Pläne der Bundesregierung halten an. Streitthema bleiben die Subventionen, die gestrichen bzw. gekürzt werden sollen. Ohne die Subventionen würde es nicht gehen - sagen die Bauern.

Lebensmittelketten bestimmen die Preise

Doch wie viel Geld die Landwirte zum Beispiel pro Liter Milch erhalten, bestimmt nicht die Bundesregierung, sondern das bestimmen die großen Discounter und Lebensmittelketten wie Aldi, Lidl, Rewe und Edeka. Diese legen die Preise fest und damit auch, was schlussendlich bei den Bauern ankommt.

Schaue man sich den Markt an, dann gebe es eine erhebliche Marktmacht von Seiten der Lebensmittelketten, sagt der Agrarökonom Christian Henning. Es seien drei bis vier großen Ketten, wodurch sich die Marktmacht ergebe. "Insofern schlägt sich das schon nieder, dass wir relativ niedrige Erzeugerpreise haben."

Verbraucher profitieren vom Wettbewerb

Durch die wenigen großen Einzelhändler in Deutschland sei es ein besonderer Markt mit einem scharfen Wettbewerb. Davon profitieren würden jedoch am meisten die Verbraucher, nicht die Produzenten, sagt Henning.

Zehn Cent pro Liter Milch für den Bauern

Die Produktionskosten der Bauern für einen Liter Milch lägen zwischen 30 und 40 Cent, sagt Henning. Bei sehr wettbewerbsorientierten Betrieben können sie auch auf bis zu 18 bis 20 Cent heruntergehen.

Der Preis, den die Landwirte für einen Liter Milch bekommen, liege derzeit bei knapp 50 Cent. Zurzeit seien die Preise damit relativ gut, sie könnten aber auch auf 28 bis 30 Cent sinken, wenn man die vergangenen Jahre betrachte. "Die Milchpreise, also das was bei dem Landwirt am Ende ankommt, schwanken erheblich", sagt Henning.

Bei einem durchschnittlichen Milchauszahlungspreis an die Bauern von 45 Cent und Produktionskosten der Bauern von im Schnitt 35 Cent, blieben dem Landwirt am Ende zehn Cent pro Liter Milch.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 29.02.2024 auf SR 3 Saarlandwelle

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