Michael Friemel (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Signierstunde

Michael Friemel   21.05.2018 | 10:45 Uhr

Für einen Autor sind Lesungen und Signierstunden immer eine besondere Bewährungsprobe. Insbesondere für sein Selbstbewusstsein. Denn hier im Nahkampf an der Verkaufsfront wird ihm ungeschönt gezeigt, ob er wirklich beliebt ist, oder dieses immer nur selbst von sich behauptet – oder vom Verlag im Rahmen der Eitelkeitenpflege vorgegaukelt bekommt.

Besucher einer Lesung sind Freiwillige. Menschen, die sich aus freien Stücken dazu entschließen, in ihrer Freizeit einem anderen Menschen zuzuhören, und dafür auch noch Geld zu bezahlen, oder wenigstens am Ende der Veranstaltung sein Buch zu kaufen. Bedeutet: Hier kommt nur, wer auch wirklich Spaß dran hat, also Fan ist.

Noch härter ist nur das Signierstundengeschäft. Denn seien wir ehrlich: Auch wenn der Verlag es einem Autor stets als Bonbon verkauft, dass er in einer Buchhandlung für eine Signierstunde gebucht ist – vor Ort ist für die meisten Autoren häufig eine trübe Sache. Ich habe schon so viele – auch durchaus bekannte Autoren verloren in Buchhandlungen rumstehen sehen, in Lauerstellung auf den nächsten Menschen, der bereit ist, sich ein Buch handsignieren zu lassen. Meine Lieblingssignierstundenepisode hat sich einst in der Weihnachtszeit zugetragen.

Das ist die Zeit, in der in der Tat einige Menschen zu Signierstunden für Friemeleien-Bücher kommen, weil sie ihren Lieben dann gleich einen passenden Weihnachtsgruß vom Autor persönlich als Schmankerl ins Büchlein schreiben lassen können. Ich stand also so da, vor mir eine kleine Schlange an freundlichen Menschen, die einer nach dem anderen mit dem Friemeleien-Büchlein an mich herantraten und mir ihre Signierwünsche zuflüsterten.

Plötzlich stand da aber eine Frau vor mir, die KEIN Friemeleien-Buch in der Hand hielt. Und diese Geschichte bringt mich bis heute herzhaft zum Lachen. Die Dame sagte doch tatsächlich zu mir: „Sinn se mir nit bös´ Herr Friemel, awwer ich hann an ihrem Zeuch nix … do däät ich kenn Geld defier ausgänn. Awwer ich hann mir hier grad es Heilkräuterbuch vun der Maria Treben kaaf, kinnte se mir aach das signiere?!“

Natürlich hab´ ich das getan. Brav und freundlich. Und höchst amüsiert. Und so kommt es, dass heute irgendwo in einem saarländischen Bücherregel ein Maria Treben Buch steht, mit der Widmung: „Michael Friemel wünscht allzeit gute Gesundheit!“

Michael Friemel


Die Friemeleien im Podcast

Michael Friemels "Friemeleien"
Mit dem SR 3-Podcast können Sie zeitversetzt Michael Friemels ganz spezielle Gedanken über Gott und die Welt am Computer oder auf dem MP3-Player anhören. Alle Friemeleien zum Anhören an Rechner finden Sie hier.

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Die Friemeleien: Immer montags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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