Pfeffermühle (Foto: pixabay (CC0))

Die Pfeffermühle

Michael Friemel   14.09.2020 | 10:40 Uhr

Ich werde das Bild einfach nicht mehr los. Immer wieder taucht er vor meinem inneren Auge auf. Dieser Kellner, mit der Riesenpfeffermühle. Ich habe schon viele große Pfeffermühlen gesehen, aber dieses Ding war dermaßen groß, dass es fast eine zweite Person zum Tragen gebraucht hätte.

Beim Mahlen selbst schwebte der untere Teil der Mühle über meinem Teller, während der mahlende Kellner gute 1,20 Meter entfernt am Nebentisch stand und drehte, drehte, drehte.

Ich muss dazu beichten: Auch ich hatte mal diese Pfefferphase. Also nicht nur die Phase, wo ich es cool fand, mir ganz Kulinariker immer und überall „aber bitte doch frischen Pfeffer“ zum Nachwürzen zu bestellen. Sondern wo ich auch im Besitz einer echt großen Pfeffermühle war. Wir hatten uns das Ding zur Hochzeit gewünscht. Das war damals schick. Je größer, je besser. Und noch wichtiger: Mit dem richtigen Mahlwerk ausgestattet.

Heute zweifele ich an mir selbst, und frage mich: Gab es wirklich einmal eine Zeit in meinem Leben, wo ich über das Mahlwerk meiner Pfeffermühle nachgedacht habe?

Ein Peugeot-Werk musste es damals sein, und unter uns Männern im Bekanntenkreis, die wir damals dem Schick der Männer-Koch-Welt verfallen waren, gab es ernsthafte Diskussionen und anerkennendes Nicken, wenn wir über unsere Pfeffermühlen fachsimpelten.

Das ist inzwischen fast 20 Jahre her. Vor ein paar Jahren kam dann der erste von uns mit einer beleuchteten Pfeffermühle, die das Streufeld perfekt ausleuchtet. Wir anderen rümpften entrüstet die Nase, ob dieser stillosen Frevelei.

Seit zwei Monaten besitze auch ich jetzt eine neue Pfeffermühle. Sie verfügt auch über Beleuchtung. Außerdem mahlt sich batteriebetrieben, passt in jede Schublade und hat nur 14 Euro 99 gekostet.

Vor 20 Jahren hätte ich mich selbst damit aus meiner eigenen Küche geschmissen.

Heute zaubert sie mir ein seeliges Lächeln auf die Lippen, wenn ich den Abzug drücke, und ihr monotones aber zuverlässiges „Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr“ ertönt.

Michael Friemel


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