Familienfeier (Foto: pixabay/NinoDonkervoort)

De Saal

Michael Friemel   27.01.2020 | 10:40 Uhr

„Dürfe mir do selbschd de Sekt mitbringe, oder müsse ma denne bei denne hole?“ Wer das Dorfgemeinschaftshaus oder den Gemeindesaal für seinen Runden mietet, der hat einiges zu klären. Ist die Bedienung im Mietpreis mit drin, oder kommt das Personal noch oben drauf? Kann man da schon einen Tag früher rein, um die Tische zu stellen und die Dekoration zu machen? Wobei man sich da mit sich selbst noch gar nicht einig ist, wie die Tische denn jetzt überhaupt gestellt werden, und wer die Deko macht!

Vier im Quadrat aneinander geschobene Tische ergeben Platz für 16 Personen. Wenn man das fünfmal im Saal hinbekommt, kriegt man 80 Gäste unter, was knapp reichen würde - die Kinder laufen ja eh meist durch die Gegend. Für die Dekoration fragt man die Moni aus dem Bekanntenkreis. Die hat ein Händchen für sowas. Die hat das doch vor vier Jahren auch an den Kirchenbänken bei der Kommunion so schön gemacht und die bastelt doch für die ganze Nachbarschaft immer die Adventskränze. Und dann isses nit ganz so teuer, wie wenn ma fünf Tischgestecke vom Blumenlädchen aus dem Dorf kommen lässt.

Von wem lässt man denn das Essen kommen? Wird’s ein Büffet, oder macht ma mol was anneres, wie zum Beispiel Fingerfood? Aber dann müsste man ja die Frauen von der Kirchengemeinde fragen, ob die das rumtragen, und die sind ja eigentlich schon mit den Getränken und dem spülen beschäftigt. Unn jed´ Frau meh koschd aach meh!

Reicht Bier aus Flaschen? Oder soll man vielleicht mal eine Zapfanlage kommen lassen, um den runden Geburtstag vom Bernhard aus dem letzten Jahr blass aussehen zu lassen? Und wer macht die Mussig? Braucht man noch eine Zweimann-Band, oder kann das der Enkel in Jeans und Sakko mit seinem Laptop nit eh viel besser? Dann müsste man dem aber irgendwo noch nen Tisch schräg in eine Ecke stellen für sein Zeug, hinter dem er sich dann mit seinen Freunden und seinem Kopfhörer hinsetzen kann. Unn überhaupt: Wie lange darf man denn in dem Saal normalerweise überhaupt machen? Und was kostet jede weitere Stunde? Fragen über Fragen.

Aber all das ist vergessen, wenn man beim Sektempfang ab 19.00 Uhr im Vorraum die eintreffenden Gäste an sich vorbei defilieren lässt. Wenn die Mischung aus „Ist an der Garderob´ noch Platz?“ und „Wie herzlich umarmt man wen fürs vom Urenkelchen geschossene Danksagungsfoto?“ den Raum erfüllt. Dann is Geburdsdaach!

Michael Friemel


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