Tour de Kultur 2018: Im Science-Center in Differdingen  (Foto: Eva Lippold)

Kickerspielende Roboter und Hunde aus Schokolade

Wissenschaft zum Anfassen und Erleben im Science Center in Differdingen

Eva Lippold   27.07.2018 | 10:31 Uhr

Spektakulär und interaktiv: So war das neue Zentrum für Natur- und Ingenieurwissenschaften geplant. Kinder und Jugendliche sollen für Technologie und Wissenschaft begeistert werden. Gelungen, findet SR 3-Reporterin Eva Lippold.



„Guck mal Mama! Ich kann das Auto hochheben!!!“, ruft ein Kind. Tatsächlich: Der 25-Kilo-Knirps hebt das Auto mit eigener Kraft in die Höhe, manövriert es nach links und nach rechts. Der Junge ist begeistert. Klar, das geht nur, weil das tonnenschwere Fahrzeug an einem Hebel hängt – hier wird Hebelkraft anschaulich erklärt. Der Riesenhebel ist vor dem Science Center Luxemburg montiert, das im Oktober 2017 in Differdingen eröffnet hat.

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Tour de Kultur: Kickerspielende Roboter und Hunde aus Schokolade
Audio [SR 3, Eva Lippold, 27.07.2018, Länge: 02:59 Min.]
Tour de Kultur: Kickerspielende Roboter und Hunde aus Schokolade

Drinnen erwartet uns eine riesige Halle voller spannender Exponate und interaktiver Experimentierstationen. Und gleich stecken wir mittendrin in der angewandten Physik, Mechanik oder Informatik, konstruieren Brücken und lernen so nebenbei, wieso der Bogen nicht einstürzt. Ziehen uns mit eigener Kraft drei Meter unter die Decke. Spielen Kicker, aber nicht gegen irgendwen, sondern gegen einen kleinen Roboter. „Das ist eigentlich ein Industrie-Roboter, der für die Nahrungsmittelindustrie gebaut wurde, um Verpackungen zu machen. Aber wir haben ihn so programmiert, dass er Kicker spielen kann“, erklärt Nicolas Didier, einer der Gründer und Leiter des Science Center.

„Uns geht es darum, junge Menschen für die Berufe von Morgen zu begeistern“, sagt Didier, der eigentlich Ökonom ist. „Was wir machen, ist, die Mathematik und Naturwissenschaften zu demystifizieren, zu zeigen, dass all diese scheinbar abstrakten Dinge ganz konkreten Nutzen in unserem Alltag haben.“ Allerdings, fügt er hinzu: Natürlich sollen hier auch Erwachsene auf ihre Kosten kommen. „Und vielleicht doch noch einen Zugang zur Physik oder Chemie bekommen, der ihnen in der Schule womöglich versagt geblieben ist.“

Anschauliche Erklärungen für jedes Alter

Tour de Kultur 2018: Im Science-Center in Differdingen  (Foto: Eva Lippold)
Der Kicker spielende Roboter

Jede der interaktiven Experimentierstationen ist mit einem Touchscreen-Monitor ausgestattet. Die Theorie hinter dem Experiment wird darauf verständlich erklärt – und zwar für Kinder ab drei Jahren ebenso wie für Erwachsene. Die Höhe der Tische lässt sich per Knopfdruck bequem an die Körpergröße anpassen. Es gibt drei Schwierigkeitsstufen, zwischen denen die Besucher auswählen können. „Auf Stufe 1 wird das wissenschaftliche Phänomen illustrativ erklärt, so dass es schon für kleine Kinder verständlich ist. Und wenn ich mehr in die Tiefe gehen will, kann ich eine höhere Stufe anwählen“, erklärt Didier.

Zusätzlich gibt es Erklärungen zum konkreten Alltagsnutzen und zur Geschichte des wissenschaftlichen Phänomens oder der Technologie – etwa, wann der erste Brückenbogen konstruiert wurde und wo diese Technik heute überall Verwendung findet. Das Ganze wird in fünf Sprachen angeboten: auf Deutsch, Luxemburgisch, Französisch, Englisch und Portugiesisch.

60 andere Science Center weltweit haben Nicolas Didier und sein Team besucht, bevor sie das Konzept für das Differdinger Center entwickelt haben. Und besonders stolz ist Didier auf die moderne Ausstattung. „Die meisten Wissenschafts-Center sind vor zehn bis 60 Jahren gebaut worden – so etwas wie unseren kickerspielenden Roboter haben wir sonst nirgendwo gesehen.“

Technik der Zukunft

Tour de Kultur 2018: Im Science-Center in Differdingen  (Foto: Eva Lippold)
Infos und Interaktion für jede Altersstufe

Aber nicht alles, was es zu sehen gibt, ist hypermodern. Auch ein paar historische Exponate haben es in die Ausstellung geschafft: wie der riesige alte Dieselmotor, der mitten in der Halle aufgebaut ist. Er stammt aus dem Jahr 1907, wurde im großherzoglichen Schloss verwendet und hat dort bis in die 1970er Jahre hinein Strom erzeugt. Zwölf Tonnen wiegt er und hat 40 Pferdestärken.

Und es gibt noch einiges mehr, was hier erstmals einem Publikum präsentiert wird: etwa einen Linearmotor, der gleichzeitig sich selbst und einen Golfball antreibt. Er lässt den Ball fallen, fährt abwärts und fängt ihn selbst im Fall wieder auf. Eine Technologie, die in der Zukunft in Fahrstühlen verwendet werden soll, um so viele Menschen wie möglich zu transportieren, erklärt Didier. Denn der Fahrstuhl braucht mit dieser Technik kein Kabel, kann auch links oder rechts fahren und so mehr Leute in kürzerer Zeit transportieren. „Thyssen-Krupp führt zwar bereits Tests damit durch, aber bei uns in Differdingen kann man’s schon sehen!“

Gleich nebenan können Besucher in einen Original-Flugzeugmotor hineinblicken und nebenbei erfahren, wie die Luft in der Kabine trotz 10.000 Metern Höhe auf angenehme 20 Grad temperiert wird. Oder sollen wir uns lieber in der Fräsmaschine das eigene Gesicht in eine Münze prägen lassen? Oder machen wir das doch besser mit dem 3-D-Drucker? Apropos 3-D-Drucker: In einer Experimentierküche kann man sich beliebige Gegenstände in Schokolade drucken. Sogar den eigenen Hund. Hm, lecker.

Mitten im Magnetfeld stehen

Das alles können auch Eltern in aller Seelenruhe entdecken, denn die Kinder sind, kaum haben wir das Science Center betreten, verschwunden. Abgetaucht in die Welt der Wissenschaft. Nur ab und zu kommen sie kurz vorbei, um stolz selbst konstruierte kleine Zahnradanlagen, Autos und Roboter zu präsentieren oder uns aufgeregt zu einer riesigen Tesla-Spule zu zerren: Hier werden spektakuläre Blitze direkt vor unserer Nase erzeugt – mit viel Zisch und Knall, nur ohne Regen und Donner.

Und dann gibt es auch schon wieder den nächsten Superlativ zu sehen: Nicolas Didier präsentiert stolz den „wohl größten dem Publikum zugänglichen“ Elektromagneten. Hier kann man am eigenen Leib erfahren, was es heißt, in einem Magnetfeld zu stehen. Und es, mit einer Metallstange in der Hand, auch ganz genau spüren. Der Ingenieur Jean-Paul Gilles erklärt den Besuchern alles über Magnetfelder – etwa die Funktionsweise eines Kompasses oder was es mit dem Zeeman-Effekt auf sich hat.

Derzeit bietet das "Science Center" in der Ausstellungshalle die Themenkomplexe Mechanik, Robotik und Motoren. Im Aufbau sind Chemie und Optik, noch folgen sollen Akustik, Biogenetik, Weltraum und Virtual Reality, erklärt Maximilian Heimann, der Kommunikationschef des Science Center. Dann soll es etwa möglich sein, mithilfe einer Virtual-Reality-Brille in den Flugzeugmotor zu reisen.

Feuershow und Molekulare Küche

Im Stunden-Takt werden die Themengebiete Flüssigkeiten, Materialien, Moleküle und Mathematik als interaktive Wissenschaft-Shows präsentiert. Und auch die werden in fünf Sprachen angeboten. In einer „Molekularen Küchenshow“ etwa können die Besucher nicht nur kochen, sondern auch erfahren, wie viel Zucker in der Cola steckt oder warum die Kekse braun werden, wenn man sie backt. Und Julien erklärt uns in der Material-Show, warum man mit Feuerstein und Metall Feuer machen kann – und auch dazu gibt es natürlich viele spektakuläre Flammen, Rauch und Gestank.

Zum Abschied bringen wir noch einem kleinen Haushaltsroboter das Klavier spielen bei. Brav spielt er uns alles nach – vom Flohwalzer bis zu Für Elise. Und es klingt immer so schön oder so grauenhaft wie unser eigenes Geklimper.

Und dann heißt es, Kinder einsammeln. Denn die sind immer noch abgetaucht auf der großen Spielwiese der Wissenschaft. Gar nicht so leicht, die wieder loszueisen. Und was war am schönsten? Katlina und Julia fanden die Feuershow am tollsten. Oder doch den Knet-Sand? Und Pablo will sich nie mehr von seinen selbstgebauten Roboter-Autos trennen. Mission erfüllt, könnte man sagen.

Kontakt

Luxemburg Science Center
50, rue Emile Mark
L-4620 Differdingen
Tel.: (00352) 288 399 -1
www.science-center.lu/contact

Öffnungszeiten

Mo. - Fr.: 9.00 - 17.00 Uhr
Sa., So. und an Feiertagen: 10.00 - 18.00 Uhr
am 25. und 26. Dez., 1. Jan., 23. Juni und 15. Aug. bleibt das Science Center geschlossen.

Eintritt

Erwachsene: 10,- €
Kinder, Studenten und Senioren (60+): 7,- €
Gruppen ab 10 Personen: 5,- €
Kinder bis 6 Jahren haben freien Eintritt
Eintritt für die Wissenschaft-Shows zusätzlich 3,- €

Anfahrt

Mit dem Auto:
Von Saarbrücken kommend über die A 8 und A 1 über Schengen, Bad Mondorf und Esch an der Alzette fahren. An der Ausfahrt 3 Differdange in die N 32 Richtung Differdange/ Obercorn/Sanem/Soleuvre einfädeln. Die Rocade de Differdange bis 50, rue Emile Mark in Differdingen nehmen. Ein kostenloser Parkplatz mit 50 Plätzen für Besucher befindet sich direkt vor dem Eingang.
Mit dem Bus:
Die Bushaltestelle „Arbed“ befindet sich direkt vor dem Science Center (mit dem Busunternehmen TICE, Diffus, Linie 203 von Luxemburg City Richtung Differdingen).
Mit dem Zug: 
Der Bahnhof Differdingen ist 200 Meter vom Science Center entfernt. 



Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 26.07.2018 berichtet.

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