Tour de Kultur 2018: Die Moulin de Buding (Foto: Julia Leiendecker)

Samenbömbchen und selbst gepresstes Nussöl

Die Moulin de Buding

Julia Leiendecker   20.07.2018 | 12:50 Uhr

Unter den fast 20 Mühlen entlang der Canner, die zwischen Thionville und Bouzonville fließt, nahm die Ölmühle von Buding früher eine herausragende Stellung ein. 1952 zerstörte ein Brand weite Teile der Produktion. Die Mühle verfiel zur Ruine. 2005 entschloss sich die Region, das Areal zu kaufen, die Mühle zu restaurieren und dort ein Museum einzurichten.



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Tour de Kultur: Samenbömbchen und selbst gepresstes Nussöl
Audio [SR 3, Julia Leiendecker , 20.07.2018, Länge: 03:05 Min.]
Tour de Kultur: Samenbömbchen und selbst gepresstes Nussöl

Sobald Nicolas Pierron das alte Mühlrad absenkt, beginnt das große Rattern und Rumpeln. Riesengroße Kinderaugen verfolgen gespannt, wie Bewegung in die Sache kommt, wie das Wasser des Baches Canner gemächlich von einem Fach ins nächste schwappt, sich das Mühlrad zu drehen beginnt und auf einmal sämtliche Mechanismen in der Mühle loslegen.

Nicolas führt am liebsten Kindergruppen durch die alte Ölmühle – seine Gäste heute sind nicht älter als fünf Jahre und feiern hier einen Geburtstag. Ihnen die komplexe Technik der Mühle spannend und vor allem komprimiert näher zu bringen, ist seine Spezialität. Kollege Antoine wiederum begleitet am liebsten Teenager und schafft es tatsächlich, dass Handys für zwei Stunden unangetastet in der Tasche bleiben.

Wie wird die Kraft eigentlich übertragen?

Tour de Kultur 2018: Wasserkraft in der Moulin de Buding (Foto: Julia Leiendecker)
Wasserkraft in der Moulin de Buding

Gerade zeigt Nicolas den Kindern, wie der „Wellbaum“ die drehende Bewegung des Mühlrads auf ein „Kammrad“ überträgt. Natürlich verzichtet er dabei auf derart verwirrendes Vokabular – Hauptsache, es dreht sich möglichst viel und verschwindet via Riemen und Stockrädern in die obere Etage. Denn genau dort passiert die eigentliche Arbeit – dort entsteht aus Nüssen Öl und aus Getreide Mehl.

Wenn Nicolas mit den Allerkleinsten unterwegs ist, liegt der Fokus auf der Funktionsweise. Dabei besitzt gerade diese Mühle eine überaus abwechslungsreiche Geschichte. 1728 wurde sie von Nicolas Birck als Ölmühle gegründet. Sein Vater war eigentlich Schuster, aber Nicolas besaß wohl ausreichend Geld und gute Verbindungen zum Adel, um das Wasserrecht zu erwerben.

In den Anfängen produzierte man in der Moulin bas de Buding ausschließlich Öl. Jean Birck, der Sohn, begann außerdem Mehl zu mahlen und verärgerte den alteingesessenen Müller der Moulin haut derart, dass dieser ihn verklagte. Daraufhin entschloss sich Jean Birck, neue Wege zu gehen und baute die Mühle zu einer kleinen Manufaktur um. Hier wurde nicht nur Öl gewonnen, sondern auch Gips gemahlen, Leinenfäden gesponnen und Stoffe gefertigt. Mitte des 19. Jahrhunderts florierte das Unternehmen so richtig und brachte Geld und Arbeit nach Buding.

Öl selber machen

Tour de Kultur 2018: So spannend, selbst das Handy bleibt aus (Foto: Julia Leiendecker)
So spannend, selbst das Handy bleibt aus

Mittlerweile hat Nicolas mit seinen kleinen Gästen den Aufstieg ins Obergeschoss bewältigt und steht an den Mahlsteinen. „Schaut mal, hier hat der Mahlstein solche Einbuchtungen. In denen wird das Mehl nach außen transportiert. Es bewegt sich nur der obere Stein, der Läuferstein, der untere ist fest.“ Nach seiner Erklärung lässt Nicolas das fein gemahlene Mehl in die Hände der Kinder rieseln. Die betrachten es kurz und sind schon auf dem Sprung zur nächsten Station. Der Weg dorthin führt über einen gläsernen Boden – direkt unter ihren Füßen dreht sich das gewaltige Mühlrad. Aber an der Hand von Nicolas ist die Hürde schnell gemeistert.

Als nächstes zeigt Nicolas den Kindern, wie man Öl gewinnt. Dafür gibt er Nusskerne auf eine Steinplatte, die dort von sich drehenden Mahlsteinen zerquetscht werden. Was übrig bleibt, ist eine breiige Masse. Aber wie gewinnt man daraus Öl? Das dürfen die Kinder im anschließenden Workshop selber ausprobieren. Seit gut zwei Jahren bietet die Mühle von Buding spezielle Workshops für Kinder und Familien an. Hier kann man das Gesehene vertiefen und eigene Erfahrungen machen.

Nusskernöl-Gewinnung ist vor allem laut

Mahlsteine zerkleinern die Nusskerne (Foto: Julia Leiendecker)
Mahlsteine zerkleinern die Nusskerne


Ganz schön mühsam gestaltet sich gleich zu Beginn das Zerkleinern der Nüsse. Mit einem Stößel bewaffnet, machen sich die Kinder recht brachial über die Nusskerne her. Geräuschempfindliche Eltern sollten besser draußen warten …

Die Breimasse kommt in ein reißfestes Tuch, das Nicolas in einer Presse einspannt. „Jetzt erzeuge ich soviel Druck, als würde man einen Bus auf das Päckchen stellen. Aber ich gehe ganz langsam vor, ein Rad nach dem anderen, man würde ja auch nicht den ganzen Bus auf einmal draufstellen“ – kurz darauf erscheinen tatsächlich erste Öltropfen am Ausfluss.

Nachdem alle Päckchen gepresst sind, ist der Aufmerksamkeitspegel der Kinder deutlich gesunken. Darum gibt es zum Abschluss noch ein Highlight des Workshop-Programms: Samenbömbchen bauen. Die Mühle von Buding sieht sich als naturpädagogisches Zentrum, das seinen Besuchern auch die Flora und Fauna der Umgebung vermittelt. Und dazu gehören auch heimische Pflanzen und wie sie am besten gedeihen.

Und alle dürfen etwas mitnehmen

Tour de Kultur 2018: Die Moulin de Buding von außen (Foto: Julia Leiendecker)
Die Moulin de Buding von außen

Für die Samenbömbchen verteilt Nicolas torfhaltige Erde auf einem Arbeitstisch. Der Startschuss für eine herrliche Sauerei. 20 Kinderhände patschen in Wasser und Erde – saubere Kleidung Fehlanzeige. Zum Schluss drücken alle ihre Samenkörner in die Erdbömbchen und werfen sie auf die umliegenden Felder. Die perfekte Basis für ein Blumenmeer.

Verschmiert und ausgepowert werden die Kleinen von ihren Eltern in Empfang genommen. Jeder bekommt eine kleine Flasche mit selbst gepresstem Öl, als Entschädigung für die versaute Kleidung.

Nicolas gönnt sich nach diesem Programm erstmal eine kleine Pause am Ufer der Canner. Herrlich diese Stille, nur das Plätschern des Baches und das monotone Klackern des Mühlrads.

Kontakt

Moulin de Buding
8, rue du moulin
F-57920 Buding
Tel.: (00333) 82 83 64 62
www.arcmosellan.net

Öffnungszeiten/Termine

Mi.: 14.00 - 17.00 Uhr
So.: 14.00 - 18.00 Uhr
oder nach Voranmeldung
Workshops:
Mi.: 14.30 Uhr Führung durch die Mühle, 15.30 Uhr Workshop
So.: 14.30 Uhr Führung durch die Mühle, 15.30 Uhr Workshop
16.30 Uhr Führung durch die Mühle maximal 25 Personen.

Eintritt/Preise

Erwachsene: 4,- €
Kinder: 2,50 €
Für Kinder unter 4 Jahren ist der Eintritt frei.
Die Führungen sind auf Französisch.

Anfahrt

Auf der A 620 und A 8 fährt man zunächst bis zur Ausfahrt 7 – Rehlingen. Von dort aus geht es auf der L 172 weiter Richtung Waldwisse. In Frankreich führt die Strecke auf der D 60 über Halstroff und Veckring weiter bis nach Buding. An der Route de Metzervisse in Buding geht es nach links – die Mühle ist dort ausgeschildert. Die Fahrtzeit beträgt eine gute Stunde.



Über dieses Thema wurde in der "Region am Mittag" am 20.07.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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