Tour de Kultur 2018: Die historischen Salzhäuser in Sulzbach (Foto: Stadt Sulzbach)

Das Salz der Erde

Die historischen Salzhäuser in Sulzbach

Simone Mir Haschemi   09.07.2018 | 12:50 Uhr

Wer an Ausflugsziele im Saarland denkt, dem fällt wohl nicht unbedingt als erstes Sulzbach ein. Dabei gibt es dort eine echte Denkmal-Perle: die historischen Salzhäuser. In Sulzbach. Dort wurde nämlich früher Salz gewonnen. Daher stammt übrigens auch der Name "Sulzbach". Die Salzhäuser können in Führungen besichtigt werden.



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Tour de Kultur: Salzgewinnung in Sulzbach
Audio [SR 3, Simone MIr Haschemi, 09.07.2018, Länge: 03:03 Min.]
Tour de Kultur: Salzgewinnung in Sulzbach

Auf den Zenit folgte prompt der Fall. Hatte man zu Beginn der 1730er Jahre die Anlagen zur Gewinnung von Salz in Sulzbach optimiert, das stattliche Salzbrunnenhaus gebaut, den Brunnen vertieft, ein Gradierwerk errichtet und auf diese Weise so viel Salz gewonnen wie nie zuvor, war es 1738 schon rum mit der Sulzbacher Salzgewinnung. Die Quellen waren versiegt.

Bereits vierhundert Jahre vorher muss schon klar gewesen sein, dass unter dem Ort Salz vorhanden ist: Der Name Solzpach, heute Sulzbach, tauchte bereits im 14. Jahrhundert zum ersten Mal auf. Erst 1549 ging es aber wohl los mit der Salzgewinnung in Sulzbach – mit einem einfachen Salzbrunnen. Das Grundwasser hatte Salz aus dem Buntsandstein gelöst.

"Zahnstocher für Riesen"

Tour de Kultur 2018: Mit den Balken wird das Süß- vom Salzwasser getrennt (Foto: Simone Mir Haschemi/SR)
Die Balken sollten das Süßwasser davon abhalten, einzudringen

„Hier befinden wir uns im Hauptbrunnen von damals! Diese Eichenbalken, die wir hier rundherum sehen, die sind von 1560, der ersten Renovierung des Brunnens, noch erhalten.“ Karsten Hehn hat die Besuchergruppe in die Untiefen des Salzbrunnenhauses geführt, eine steile Treppe hinab in die Dunkelheit des niedrigen unterirdischen Gewölbes, „leider ohne Aufzug“, witzeln einige der älteren Besucher. Hehn ist der Salzknecht in Sulzbach. In traditioneller Montur führt er durch die Salzhäuser und weiß, so scheint es, auf alles eine Antwort: „Die Balken waren zur Abdichtung gedacht, um eben das süße Wasser davon abzuhalten, einzudringen. Die zerfallen heute natürlich immer mehr. Wobei der ein oder andere noch aussieht wie ein Zahnstocher für Riesen.“

Dass hier noch der alte Brunnen von damals zu finden ist, daran wurden die Sulzbacher 1947 auf unsanfte Weise erinnert – der Boden einer Wohnung über dem Brunnen brach ein. Es dauerte dann noch einige Jahrzehnte, bis man sich in den 1980er Jahren statt für einen Abriss dazu entschied, die historische Anlage zu restaurieren und für Kulturveranstaltungen zu nutzen. Heute ist das Ensemble denkmalgeschützt. Das Salzbrunnenhaus ist ein beliebter Veranstaltungsort mit Bühne und Empore. 100 Besucher finden dort Platz. Hübsch anzusehen ist das Ensemble aus Salzbrunnenhaus, Innenhof und Salzherrenhaus. In diesem sind heute Kulturamt und Volkshochschule der Stadt untergebracht.

Wirtschaftsspionage schon vor 200 Jahren

Tour de Kultur 2018: Die historischen Salzhäuser in Sulzbach (Foto: Stadt Sulzbach)
Eines der historischen Salzhäuser in Sulzbach

Der Prozess der Salzgewinnung bestand aus mehreren Etappen: Erst mal musste es zu Tage gefördert werden. Dafür wurde im Brunnen zunächst die Sole gesammelt. Das erste Sulzbacher Hebewerk bestand aus einem einfachen Hebelarm mit Kette und Eimer – sehr mühselig zu bedienen: „Deshalb hat man auch schon damals Wirtschaftsspionage betrieben“, weiß Salzknecht Karsten Hehn, „man hat nach Lothringen geschaut, wo es viel mehr Salz gab, und hat sich abgeguckt, dass die dort auf die Kraft der Pferde gesetzt haben.“ Dazu wurde ein Hebewerk mit Deichsel und Achsel an den Brunnen gebaut, die verbunden waren mit einem Rohr im Brunnen. Dadurch verlief eine Kette, an der wasserdichte Lederbeutel hingen. Auf der einen Seite wurden sie gefüllt, auf der anderen Seite kamen sie nach oben und wurden ausgekippt in einen riesigen Wasserkasten: „Ein System wie die Paternoster-Aufzüge!“

Aber auch das mit den Pferden war nicht der Weisheit letzter Schluss: Sie waren nach zwei Stunden erschöpft, brauchten viel Wasser und Futter. Da die Sulzbacher Salzgewinnung nicht durchweg ein ertragreiches Geschäft war – manchmal versiegten die Quellen über Jahre fast ganz –, setzte man ab Mitte des 17. Jahrhunderts in Sulzbach auf die Kraft des Wassers: Ein Wasserrad, wie man es von Mühlen kennt, wurde eingerichtet. Diese Methode blieb letztlich bis zum Ende der Sulzbacher Salzgewinnung das Mittel der Wahl.

Das Salzwasser ist schwerer

Tour de Kultur 2018: Die historischen Salzhäuser in Sulzbach (Foto: Stadt Sulzbach)
Wie wurde Salz gewonnen? Interessant schon für die ganz Kleinen.

Über die anderthalb Jahrhunderte der Nutzung wurde die Sulzbacher Salzgewinnungsanlage immer vielschichtiger und komplexer – im Grunde ein Stück lokaler Industrialisierungsgeschichte. Zum Schluss gab es sogar ein sogenanntes Dorngradierungswerk. Eine Nachbildung davon steht heute neben den Salzhäusern: ein hohes Holzgerüst, das mit Schwarzdornbüscheln gefüllt ist.

Die Sole wurde von oben hineingeschüttet, erklärt Karsten Hehn: „Trifft das salzhaltige Wasser auf die vielen Dornen, zerplatzt es ganz fein. Deshalb musste man das Werk grundsätzlich quer zur vorherrschenden Windrichtung bauen, weil der Wind das schwere Salzwasser von dem süßen Wasser trennt – das Süßwasser wird hinten rausgepustet, das Salzwasser fällt nach unten, und je öfter das passiert, desto höher wird der Salzgehalt der herunterrinnenden Sole.“

Salzsieden: auch live zu erleben

Tour de Kultur 2018: Die historischen Salzhäuser in Sulzbach (Foto: Stadt Sulzbach)
Sulzbachs Geschichte ganz nah

Übrigens, den Prozess des Salzsiedens führt der Sulzbacher Salzknecht zu bestimmten Terminen auch live vor: Um nun aus dem sehr konzentrierten Salzwasser endgültig das Salz herauszufiltern, ließ man das Salzwasser in eine riesige Wasserpfanne laufen. Es wurde erhitzt, das Salz auskristallisiert und abgeschöpft, getrocknet und – nach Saarbrücken abtransportiert. Salz war damals ein wichtiges Konservierungsmittel. In der Hochphase der Sulzbacher Salzgewinnung konnte das Salz aus dem Ort den Bedarf der ganzen Grafschaft Nassau-Saarbrücken abdecken. Der letzte Betreiber, Joseph Todesco, hatte den Brunnen von rund sieben Meter auf 20 Meter Tiefe ausgebaut, mit einer Leitung die Sole am Sulzbach entlang vom Brunnen bis nach Dudweiler fließen lassen und Gradierwerk und Sudhaus nach Dudweiler verlegt. Doch nur sechs Jahre später war eben schon alles vorbei. Die Quellen gaben nichts mehr her. Das Werk schloss. Geblieben sind Sulzbach der Name – und die historische Anlage.

Kontakt

Historische Salzhäuser
Auf der Schmelz
66280 Sulzbach
Informationen über den i-Punkt:
Tel.: (06897) 508-444/-400
E-Mail: tourismus@stadt-sulzbach.de

Öffnungszeiten

Mo. - Fr.: 8.00 - 12.00 Uhr und 15.00 - 19.00 Uhr
Kostenlose Führungen:
April - Sept. am 2. Samstag im Monat um 13.00 Uhr
Führungen nach Anmeldung.
Individuelle Führungen auch außerhalb der Öffnungszeiten nach vorheriger Anmeldungen möglich.

Eintritt

Erwachsene: 2,50 €
Kinder: 1,50 €
Gruppen ab 10 Personen:
0,50 € pro Person
Familien: 5,- €
Schulklassen: 25,- €

Anfahrt

Aus Saarbrücken oder von der A 8 herkommend über die A 623, Ausfahrt Sulzbach, Richtung Bahnhof Sulzbach (über den Fischbacher Weg beziehungsweise den Quierschieder Weg), links auf die Sulzbachtalstraße, die Abfahrt in die Straße „Auf der Schmelz“. Der Weg zu den Salzhäusern ist dort gut ausgeschildert. Parkplätze an den Salzhäusern sind vorhanden.



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