Gudd gess, Wein und Schauergeschichten - Das School Kättchen in Weierweiler (Foto: Raimund Repplinger/School Kättchen)

Gudd gess, Wein und Schauergeschichten

Das School Kättchen in Weierweiler

Eva Lippold   30.07.2018 | 10:11 Uhr

Weierweiler liegt inmitten sanfter Hügel und saftig-grüner Wiesen im Schwarzwälder Hochwald, zwischen Losheim und Weiskirchen. Ein paar Kinder brausen kreischend auf ihren Rädern durch die Hauptstraße, die hier Dorfstraße heißt. Es duftet nach Flieder, und in den Vorgärten stehen Menschen und „maije“, also halten ein Schwätzchen mit den Nachbarn. Nebenan, auf der Terrasse des School Kättchen ruhen sich Wanderer bei einem kühlen Getränk oder guten Glas Wein aus. Lassen dort den Tag ausklingen, und später, als die Sonne untergeht, erhellen nur noch Kerzen die kleine Wirtstube und die Terrasse.


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Das Café und Restaurant School Kättchen ist wohl die größte Attraktion im Ort. Hierher kommen Menschen aus Luxemburg, Saarbrücken oder Trier – nur um zu essen und zu trinken. Denn die Küche soll hervorragend sein, der Wein erlesen, und dass es urig und einladend ist, erschließt sich auf den ersten Blick. Wer hier einen Tisch ergattern will, muss vorplanen, denn das School Kättchen ist oft ein, zwei Wochen im Voraus ausgebucht.

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Tour de Kultur: Das School Kättchen in Weierweiler
Audio [SR 3, Eva Lippold, 30.07.2018, Länge: 04:24 Min.]
Tour de Kultur: Das School Kättchen in Weierweiler

Ein Treffpunkt war dieses alte Bauernhaus im Lothringer Stil schon immer. In dem zentral im Dorfkern gelegenen Haus sollen früher die Dorffrauen an langen Winterabenden zusammengesessen haben. Zum Schwatzen und Sticken, erinnern sich die Alteingesessenen. Und wer heute bei Kerzenlicht unter den schweren Deckenbalken der „Gudd Stubb“ sitzt und Spanferkel-Koteletts mit Rosenkohl und knusprigen Bratkartoffeln spachtelt, der kann sich leicht einbilden, er sei durch die Zeit gereist. Und genau das, erzählt Wirt Raimund Repplinger, war auch sein Ziel, als er das Haus vor gut 20 Jahren gekauft hat. „Die Idee war, alles im alten Zustand zu lassen – soweit das gastronomisch möglich ist“.

Einst wurde hier unterrichtet

Und so quietschen die Türen sanft und melodisch, in der Wirtstube stehen schwere Holztische, Bauernschränke voller Nippes und majestätisch in der Mitte ein gusseiserner Ofen. Für den neuen Anbau auf der Terrasse hat Repplinger alte Balken aus dem Haus verwendet, eigens Altholz aus Abrissscheunen und Findlinge zusammengetragen. Und nur an der Theke und in der Küche des Restaurants gibt es elektrisches Licht und technischen Fortschritt.

Gudd gess, Wein und Schauergeschichten - Das School Kättchen in Weierweiler (Foto: Raimund Repplinger/School Kättchen)
Donnerstags wird Wein ausgewählt und probiert

Seinen Namen verdankt das heutige Kättchen seiner früheren Besitzerin Katharina, die von 1893 bis 1967 in dem Haus gelebt hat. Für die Dorfbewohner war sie nur das School Kättchen, denn das 1845 erbaute Haus soll immerhin zeitweise als School, also Schule, für die Dorfkinder gedient haben. Denn wenn es im Ort kein Schulhaus gab, stellten die Bauernfamilien damals wechselweise ihre gute Stube zur Verfügung. Und in Weierweiler, so wird erzählt, fand der Schulunterricht immer im heutigen School Kättchen statt: „Die beiden Räume hier waren das Wohnzimmer, das normale Zimmer und die gute Stube. Und in einem wurde die Schule abgehalten – dort, wo jetzt gudd gess wird“, erzählt Repplinger. Katharina soll hier zeitlebens allein gelebt haben – und so hatte sie immer genug Platz für Lehrer und Kinder.

Traditionelle und internationale Küche

Mittlerweile hat sich die Terrasse gut gefüllt, die Gäste trinken und schmausen sich durch die Karte. Auf der allerdings ist die Zeit nicht stehengeblieben. „Auch wenn man das hier früher nie gegessen hat – die Leute wollen eben auch Spaghetti, Fisch und Scampis“, sagt Raimund Repplinger, der bis vor zwei Jahren noch jeden Abend selbst in der Küche stand.

Gudd gess, Wein und Schauergeschichten - Das School Kättchen in Weierweiler (Foto: Raimund Repplinger/School Kättchen)
Gemütlich mit gusseisernem Ofen

Er will einerseits die Tradition des Hauses fortsetzen und trotzdem die Konkurrenz ausstechen. „Wir wollen ja, dass die Leute aus Trier und Saarbrücken hierherkommen. Und nur für gefüllte Klöße weiß ich nicht, ob da extra jemand kommt“, grinst der Wirt, der sein Handwerk im Restaurant Schloss Halberg gelernt hat. Die Mischung des School Kättchen scheint jedenfalls ausreichend Lockstoff für die Gäste zu bieten. Und „Gefillde mit Specksoß“ gibt’s natürlich trotzdem.

Angeblich das beste Steak im Saarland

Auf der Karte machen einem saarländische neben französischen und italienischen Gerichten den Mund wässrig. Da gibt es knusprige „Grumbeerkiechelscher“, bretonische Fischsuppe, südfranzösische Bouillabaisse, Avocado-Salat mit Garnelen, Spaghetti Vongole oder Kalbskotelett mit köstlichen Bratkartoffeln.

Gudd gess, Wein und Schauergeschichten - Das School Kättchen in Weierweiler (Foto: Raimund Repplinger/School Kättchen)
Nichts trübt die Idylle, oder doch?

Nicht unerwähnt bleiben darf das Steak: In Internetforen wird es als bestes Steak im Saarland gehandelt, und das nicht ohne Grund. Es zergeht auf der Zunge und verträgt sich perfekt mit den sanft mit Knoblauch abgeschmeckten grünen Bohnen. Und zum Nachtisch locken hausgemachte Crème Brûlée mit Himbeersorbet und der als „weltbester“ angepriesene Schokopudding mit echter Schokolade.

Und dann erst der Wein ...

Auch ein Geheimtipp sind die Weinproben, die jeden Donnerstag in der angrenzenden Vinothek stattfinden – kein echter Weinkeller, sondern ein umgebauter Stall. Man sitzt unter der niedrigen Decke und probiert sich durch erlesene Weine aus der Region, aber auch aus Frankreich, Italien, Spanien und Portugal. Jede Woche gibt’s ein anderes Thema, etwa ein Anbaugebiet oder eine bestimmte Traube. „Zehn Weine gibt’s immer zur Auswahl, von jung bis alt, von günstig bis teuer“, so Repplinger.

Gudd gess, Wein und Schauergeschichten - Das School Kättchen in Weierweiler (Foto: Raimund Repplinger/School Kättchen)
Schauergeschichten auf der Terrasse

Es geht um die Probe, den Genuss, und deswegen zahlen die Gäste pro Glas und müssen so anschließend keine Flaschen kaufen. Das Besondere: In Repplingers Regalen schlummern auch Weine aus den 1970er und -80er Jahren und sogar Schätze, die noch älter sind – und auch die werden donnerstags manchmal entkorkt.

Hochburg der Hexenverfolgung

Der Wein schmeckt hervorragend, Spatzen lärmen, Mädchen reiten auf Ponys vorbei. Und vor den Häusern sitzen Menschen, schwatzen und genießen den Abend. Eine dörfliche Idylle, die nichts zu trüben scheint. Doch der Wirt hat schon am Telefon von der düsteren Vergangenheit Weierweilers erzählt: Das Dorf war im ausgehenden Mittelalter und bis ins 17. Jahrhundert hinein eine Hochburg der Hexenverfolgung. Innerhalb weniger Jahre wurde die erwachsene Dorfgemeinschaft durch Denunziation, Folter und grausame Hinrichtung mehr als halbiert. Alleine im Jahr 1599 brannten die Hütten zehnmal, die meisten Verurteilten wurden von den nächsten Nachbarn denunziert. Erforscht hat diesen traurigen Rekord Dittmar Lauer. Der Heimatforscher aus Kell hat unter anderem mit der Arbeitsgemeinschaft Hexenverfolgung an der Uni Trier hunderte solcher Prozesse im Saar-Lor-Lux-Raum untersucht. Die Kopie einer Weierweiler Prozessakte hat der Heimatforscher ins School Kättchen mitgebracht. In blumigen Worten ist dort festgehalten, was die Backes Kathrin unter der Folter ausgesagt hat. Noch ein Kättchen aus Weierweiler! Kathrin will mit dem Teufel auf einem Ziegenbock zum Hexentanzplatz geflogen sein und dort Schaden ausgeheckt haben. „Die gleichen sich alle, die Geständnisse“, sagt Lauer, der fast 200 solcher Akten transkribiert und ausgewertet hat. „Es geht immer darum, dass sie sich mit dem Teufel eingelassen haben, alles ist falsch herum und pervertiert und das wird sehr malerisch beschrieben.“

Nur noch wenig Überreste

Gudd gess, Wein und Schauergeschichten - Das School Kättchen in Weierweiler (Foto: Raimund Repplinger/School Kättchen)
Katharina Weber

Wer sich für das Thema interessiert, kann sich in der Umgebung auf Spurensuche begeben – viel allerdings ist nicht mehr übrig aus dieser Zeit. Von der Schwarzenburg in Lockweiler, in der die Angeklagten gefangen gehalten wurden, gibt es noch ein paar Überreste – Gräben, Mauerreste, behauene Steine. Hingerichtet wurden die Hexen am Weierweiler Hochgericht.

In Weiskirchen unterhalb der Straße „Auf der Heide“ könnte der besagte Hexentanzplatz gelegen haben, vermutet Lauer. Und nur 20 Minuten von Weierweiler entfernt liegt die mittelalterliche Burg Grimburg. Dort leitet Dittmar Lauer mit seinem Förderverein ein Hexenmuseum, das die düsteren Geschichten anschaulich für Besucher dokumentiert. Und Backes Kathrin? Die wurde am achten November 1499 gemeinsam mit drei weiteren Dorfbewohnern wegen Hexerei hingerichtet – stranguliert und verbrannt.

Wo das School-Kättchen seinen Namen her hat

Doch auch um das viel jüngere Kättchen, das mit bürgerlichem Namen Katharina Weber hieß, ranken unheimliche Legenden. Auf dem Dachboden des Hauses fand der Vorbesitzer eine Truhe voller Prothesen: In jeder Größe eine, weil das Kättchen schon als kleines Kind ein Bein verloren haben soll – und für jedes Lebensjahr gab’s eine neue Prothese. Und die alleinstehende Frau soll einmal geheiratet haben – doch nach nur acht Tagen, so wird erzählt, wurde die Ehe vom Bischof in Trier annulliert. Angeblich, weil sie nie vollzogen wurde. In der Wirtsstube des School Kättchen erinnert eine alte Fotografie an sie: Eine junge blonde Frau mit ebenmäßigen Zügen, schön und stolz blickt sie in die Kamera. „Eine Ausnahmeperson“, findet Dittmar Lauer. „Keine normale Bäuerin, sie wirkt sehr gebildet. Und dann dieses eine Bein – die war bestimmt mit dem Teufel im Bunde!“ Und er ist sicher: Wenn das School Kättchen ein paar Jahrhunderte früher gelebt hätte, wäre es auch verbrannt worden.Und so kriegen wir am Ende doch noch den Bogen von den düsteren Hexengeschichten, mit denen das kleine Dorf traurige Bekanntheit in der einschlägigen Forschungsliteratur erlangt hat, hin zum gesellig-heimeligen School Kättchen. Und darauf gehört angestoßen, mit uraltem Wein, bei Kerzenlicht auf der Terrasse, bei freiem Blick auf den Sternenhimmel, der hier im nördlichen Saarland viel heller funkelt als anderswo.

Kontakt

School Kättchen Café
Raimund Repplinger
Dorfstraße 12
66709 Weierweiler
Tel.: (06874) 12 29
Fax: (06874) 18 28 56
E-Mail: info@schoolkaettchen.de
www.schoolkaettchen.de

Öffnungszeiten

täglich von 16.30 - 24.00 Uhr, Sonntags von 11.00 - 24.00 Uhr, Dienstag ist Ruhetag.
Die Küche täglich von 18.00 - 23.00 Uhr und Sonntags von 12.00 - 22.00 Uhr durchgehend geöffnet.

Eintritt

Der Eintritt ist frei. Speisen und Getränke lt. Speisekarte

Anfahrt

Von der A 1 kommend Ausfahrt 137-Braunshausen nehmen, dort Richtung Braunshausen/Kastel fahren. Links auf L 329, nach etwa 5 Kilometer links auf Löstertalstraße, dann weiter auf L 149 und L 151 bis Dorfstraße 12 in Weierweiler fahren.



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