Tour de Kultur 2018: Auf den Spuren der Diamantenschleifer in der Pfalz (Foto: Ulli Wagner/SR)

Diamonds are forever

Auf den Spuren der Diamantschleifer in der Pfalz

Ulli Wagner   03.08.2018 | 12:50 Uhr

Was Idar-Oberstein für Edelsteine ist, das ist Brücken für Diamanten. Das Dorf zählt heute zur Verbandsgemeinde Oberes Glantal und war einst die Zentrale der Diamant-Schleiferei in der Pfalz. 1888, also vor genau 130 Jahren, eröffnete ein gewisser Isidor Triefus aus Steinbach die erste pfälzische Diamant-Schleiferei, und zwar auf der Neumühle zwischen Brücken und Ohmbach.



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Tour de Kultur: Auf den Spuren der Diamantschleifer in der Pfalz
Audio [SR 3, Ulli Wagner, 03.08.2018, Länge: 03:22 Min.]
Tour de Kultur: Auf den Spuren der Diamantschleifer in der Pfalz

Zwei seiner Brüder waren in London im Diamantgeschäft tätig und offenbar so gut darin, dass sie im 20. Jahrhundert auch international aktiv waren. 1907 kam eine zweite Schleiferei dazu, und im Laufe der Zeit wurde Brücken das Zentrum der pfälzischen Diamantschleiferei, rund 2.500 Diamant-Reiber und -Schleifer waren dort in Spitzenzeiten beschäftigt.

Schwerstarbeit war das damals. Für die Schleifsteine wurden Gesteine aus einem nahen Steinbruch bearbeitet. Oft schleppten die Schleifer die dann zur „Zentrale“, zum Beispiel in Brücken, oft aber holten sie die Rohdiamanten auch ab und schliffen sie in Heimarbeit, also quasi auf Kommission und im Nebenerwerb. Was bei uns die Bergmannskuh war, das war dort in der Pfalz der Diamant-Schleifstein, und den drehte oft auch die Ehefrau.

Und das keineswegs nur im Grobschliff, wie Kurt Zimmer erzählt. Er hat selbst noch in dem Bereich gearbeitet, aber nicht als Schleifer, sondern im Vertrieb besonderer Präzisionsgeräte, die immer noch dort in der Pfalz entwickelt werden. Denn auf die Präzision kommt es an, und nur der richtige Schliff macht aus einem Rohling einen als Schmuck und vor allem in der Industrie begehrten Diamanten.

"Diamantgeschichte" Brückens erhalten

Tour de Kultur: Auf den Spuren von Diamantenschleifern in der Pfalz (Foto: Ulli Wagner)
Der Wanderweg rund um Brücken

Ende der 50er Jahre konnten die Pfälzer nicht mehr mit den neuen Diamantschleifer-Zentren in Israel, Russland und Indien mithalten. Aber noch lange waren viele im oberen Glantal in der Diamantindustrie beschäftigt, wie etwa Kurt Zimmer. Er hat ehrenamtlich dazu beigetragen, dass diese Pfälzer-Diamanten-Geschichte nicht verloren- und schon gar nicht in der Geschichte von Idar-Oberstein unterging. Denn die Entwicklung in Brücken und Umgebung war davon ganz unabhängig, wie der Historiker Markus Bauer betont. Beide haben auf ihre Art dazu beigetragen, dass es in Brücken ein Diamantenschleifer-Museum gibt und den Diamantschleifer-Weg als Teil des Begehbaren Geschichtsbuchs.

Das ist ein ganz wunderbares Angebot der Verbandsgemeinde, das Natur und (Heimat-)Geschichte miteinander verknüpft und uns Sagen und Bräuche, Alltagsgeschichten und industrielle Entwicklung beim Wandern näherbringt. Das Begehbare Geschichtsbuch bietet zurzeit drei Touren, im Lauf der Jahre sollen weitere dazu kommen.

Gut ausgeschildert

Tour de Kultur: Auf den Spuren von Diamantenschleifern in der Pfalz (Foto: Ulli Wagner)
Vorbildlich: Hinweise und Geschichten

Es ist so konzipiert, dass Sie jede Strecke problemlos alleine laufen können und trotzdem Vieles erfahren. Der Diamantschleifer-Weg ist gut ausgeschildert, das Logo markant und überall gut zu erkennen, und an allen markanten Punkten sind große und gut lesbare Infotafeln aufgestellt, die uns verraten, was es mit genau diesem der 20 besonderen Punkte auf dem Diamantschleifer-Weg auf sich hat.

Start- und Endpunkt ist das Diamantschleifer-Museum, das mitten in Brücken liegt und das Sie unbedingt erleben sollten. Ehemalige machen dort ehrenamtlich heute noch „Schicht“. Sie sollten schon ein paar Stunden einplanen, wenn Sie sich für alles interessieren, was dort über die Entstehung und Entwicklung der Diamantschleiferei erzählt wird: über die Arbeit der Schleifer – erst recht, wenn die Ehemaligen sonntagsnachmittags dort noch einmal die Schleifsteine drehen und sich über die Schulter schauen lassen.

Heute Funkmast - damals ein Wartturm

Vorbei an dem Platz, an dem früher die alte Kirche von Brücken stand und am Laurentiusbrunnen geht es hoch zur Katholischen Pfarrkirche St. Laurentius, die mit 40 farbigen Glasfenstern um Beachtung bittet und die, wenn sie mal offen ist, mit einem besonderen Altarmosaik begeistert.

Am Rödelbrunnen vorbei, von dessen Quelle aus bereits 1818 die erste Brunnenleitung für Brücken gelegt wurde, geht es rauf zur alten Lichtenberger Hochstraße und zum Wartturm, der bereits auf Ohmbacher Gewann liegt und der Nachbau eines Wartturms aus dem Mittelalter ist. Für die schnelle Kommunikation war er damals in etwa so wichtig wie heute ein Handy-Funkmast. Die Schnelligkeit und Genauigkeit der Nachrichtenübermittlung damals bringt sogar im digitalen Zeitalter noch manche zum Staunen. Der Standort war aber auch ideal und ermöglicht auch heute noch einen beeindruckenden Rundblick.

Immer noch regionale Produkte

Tour de Kultur 2018: Auf den Spuren der Diamantenschleifer in der Pfalz (Foto: Ulli Wagner/SR)
Wer betrachtet wen?

Weiter geht es zum sagenhaften und sagenumwobenen Hügel Rennweiler, auf dem heute Tiere kleine und große Wanderer erfreuen, wo es früher zu Nachtstunden gespenstische Prozessionen gegeben haben soll und wo ein schwarzer Hund Reichtümer eines untergegangenen Schlosses bewacht haben soll. Fakt ist, dass Ausgrabungen dort Mauerreste und andere Fundstücke aus der Römerzeit zutage gefördert haben.

Ob auch der Götterstein, der in der Protestantischen Kirche in Ohmbach zu sehen ist, aus dem Rennweiler Wald stammt, wie es erzählt wird, das ist allerdings nicht gesichert. Runter ins Tal geht es an die Grenze zwischen Ohmbach und Krottelbach, wo früher auf beiden Seiten Kalk abgebaut und zum Bauen oder in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. Man gelangt dann zur Reismühle, die sich inzwischen weit über die Grenzen der Region hinaus als Kaffeemanufaktur einen Namen gemacht hat und für regionale und naturnahe Produkte steht.

Grenz- und Bergbaugeschichte

Tour de Kultur 2018: Auf den Spuren der Diamantenschleifer in der Pfalz (Foto: Ulli Wagner/SR)
Bergbau in der Pfalz

Über den „Ohmbacher Bruch“, die „Hühnerwiese“ und die „goldene Wiege“, die allein schon mit ihren Namen Geschichten erzählen, geht es zurück nach Brücken, zum besterhaltenen Westwallbunker dort, zu Spuren einer Villa Rustica und hin zu einem Grenzstein von 1786. Der markiert heute den höchsten Punkt des Diamantschleifer-Wegs und früher die Landesgrenze zwischen der Kurpfalz, später dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, und der Grafschaft von der Leyen.

Über die Fritz-Claus-Quelle und die gleichnamige Hütte des Pfälzer Waldvereins machen wir uns über den Brücker Kopf wieder auf Richtung Tal zu einem beeindruckenden Dokument der Zeitgeschichte: der Steinkohlegrube Brücken. Die wurde 1775 eröffnet, 1911 war das Flöz abgebaut. Während der Weltwirtschaftskrise wurde ein neuer Stollen angelegt. Der Eingang wurde ausgemauert, das Stollensystem auf gut zwölf Kilometer ausgebaut. Rund 30 Bergleute fanden dort bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs Arbeit.

Wieder zurück zu den Diemantschleifern

Über die „Steinerne Fahrt“, eine breite Furt über den Ohmbach, die schon 1600 als „Steinfurth“ und im 18. Jahrhundert erstmals als „Steinerne Fahrt“ erwähnt wurde, geht es zurück auf die andere Seite des Ohmbachs auf den Kirchenberg und zu einer weiteren Villa Rustica, die zur Unterscheidung den Beinamen Schmittsgrund hat. Der Legende nach soll hier eine Burg gestanden haben, in den 1930er-Jahren wurden die Fundamente eines recht großen Gutshofs gefunden – ganz in der Nähe verlief eine alte Römerstraße.

Von dort ist es nur noch ein Katzensprung zurück in den Ortskern von Brücken mit seinem Diamantschleifer-Museum, dem Start- und Zielpunkt unserer Tour auf den Spuren der Diamantschleifer aus der Pfalz. Zugegeben: begehbare Geschichte ist körperlich um einiges anstrengender, als die Schulbank zu drücken. Aber es ist auch viel interessanter und vor allem nachhaltiger. Forever, sozusagen, wie Diamanten eben.

Kontakt

Verbandsgemeinde Oberes Glantal
Tourist-Information
Rathausstraße 8
66901 Schönenberg-Kübelberg
Tel.: (06373) 50 40
Fax: (06373) 50 42 21 00
E-Mail: poststelle@vgog.de
www.vgog.de 

Reismühle 1
66909 Krottelbach
Tel.: (06384) 6384
E-Mail: info@reismuehle.info
www.reismuehle.info
Diamantenschleifer-Museum:
Hauptstraße 47
66904 Brücken
E-Mail: diamantschleifermuseum@freenet.de
www.diamantschleifermuseum.de

Öffnungszeiten

Ganzjährig. In unregelmäßigen Abständen gibt es auch geführte Wanderungen.

Diamantschleifer-Museum:
Di.: 9.30 - 12.00 Uhr
Do.: 14.00 - 17.00 Uhr
So.: 14.00 - 17.00 Uhr
Führungen nach Vereinbarung unter
Tel.: (06386) 99 31 68 oder direkt über die Verbandsgemeinde

Reismühle:
Fr., Sa., So. 9.00 - 18.00 Uhr
Feiertags 13.00 - 18.00 Uhr

Eintritt

Der Eintritt ist frei.
Wegdaten:
Start und Ziel: Diamantenschleifer-Museum
Schwierigkeitsgrad: mittel
Länge: Rund 20 Kilometer
Dauer: 6 Stunden, ohne Diamantschleifer-Museum

Anfahrt

Von Saarbrücken sind es knapp 50 Kilometer über die A 6 bis Bruchmühlbach-Miesau; dann über Bundes- und Landstraßen bis nach Brücken. Im Ortskern weist Ihnen ein Diamantschleifer den Weg zum Start- und Zielpunkt. Kurz vor dem Diamantschleifer-Museum finden Sie Parkmöglichkeiten.

Tipp

Die Tour kann in zwei Teile aufgeteilt werden, es gibt aber auch viele Punkte, an denen sie einfach verkürzt werden kann. Besonders intensiv ist sie als geführte Wanderung mit einem „Ehemaligen“. Solche Führungen werden immer mal wieder angeboten. Der Weg ist mittelschwer, führt zum Teil durch die Dörfer, zum Teil durch Wiesen und Wälder. Sie sollten sich von Schuhwerk und Kleidung her darauf einstellen, wenn Sie im Sommer laufen auch darauf, dass es nicht überall Schatten gibt. Wenn Sie sich wirklich auf das einlassen, was der Weg Ihnen aus der Vergangenheit erzählt und die Infotafeln sorgfältig studieren, dann sollten Sie schon mit gut 6 Stunden rechnen. Es gibt Picknickplätze unterwegs und auch Einkehrmöglichkeiten, sogar ganz besondere mit einer ganz eigenen Geschichte. Bei der Hütte des Pfälzerwaldvereins an der Fritz-Claus-Quelle und vor allem bei der Reismühle sollten Sie unbedingt auf die Öffnungszeiten achten und bei der Reismühle insbesondere zur Mittagszeit am Wochenende am besten auch reservieren.



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