Tour de Kultur 2018: Querwaldein - Über das soziale Leben der Bäume im Bliesgau (Foto: Peter Weitzmann/SR)

Querwaldein

Über das soziale Leben der Bäume im Bliesgau

Peter Weitzmann   07.07.2018 | 12:50 Uhr

Die Deutschen und ihr Wald. Irgendwie ist das eine besondere Verbindung. Nicht erst, seit die Romantiker im 19. Jahrhundert den Wald zum Teil des deutschen Wesens verklärt haben. In unseren Tagen werden Bücher über den Wald zu Bestsellern. Meist erklären sie uns, dass der Wald mehr ist als eine Ansammlung von nach oben wachsendem Holz. Faszinierende Einsichten in das Ökosystem Wald kann man aber nicht nur zwischen zwei Buchdeckeln (oder holzschonend auf dem E-Book-Reader) gewinnen. In Blieskastel kann man bei Führungen unter dem Titel Querwaldein den Wald selbst auf ganz neue Art erleben.



Möglich macht das Forstwirtschaftsmeister Ulrich Matheis, der seine Gäste für einige Stunden in den Wald im Biosphärenreservat Bliesgau, rund um die Bliestal Kliniken, mitnimmt. Danach ist der eigene Blick auf den Wald ein anderer als zuvor. Die meisten der Mitwanderer stellen fest, dass sie bisher den Wald vor lauter Bäumen nicht wirklich gesehen haben.

Ulrich Matheis selbst ist seit Jahrzehnten hier unterwegs, und mit ihm darf man die befestigten Wege ausnahmsweise auch mal verlassen, um die Bäume und ihr soziales Miteinander kennenzulernen.

Audio

Tour de Kultur: Über das soziale Leben der Bäume im Bliesgau
Audio [SR 3, Peter Weitzmann, 07.07.2018, Länge: 03:02 Min.]
Tour de Kultur: Über das soziale Leben der Bäume im Bliesgau

Ein Baum ernährt den anderen mit

Ein moosbewachsener Baumstumpf etwa wirkt zunächst vollkommen unauffällig und hat doch so viel zu erzählen. Versteckt unter einer Moosschicht steht er, dicht neben einer anderen Douglasie. Beide gehörten lange zusammen, bis einer schon vor Jahrzehnten gefällt wurde. Eigentlich müsste der Stumpf längst vermodert sein, aber als Ulrich Matheis die Moosschicht zur Seite klappt, sieht man völlig intaktes, lebendiges Holz.

Der Grund ist ebenso einfach wie überraschend: Der benachbarte Baum ernährt die Wurzel seines „Freundes“ mit. „Sozialer kann man sich doch nicht verhalten“, meint Matheis. Die Wurzeln – also quasi die Herzen – beider Bäume sind bis heute eng verwoben, und so kann der Lebensspender auch weiterhin von der Stabilität des kompletten Wurzelwerkes profitieren.

Tour de Kultur: Das soziale Leben der Bäume (Foto: Peter Weitzmann/SR)
Totholz lässt viele Tiere leben

Wald muss nicht mehr "gefegt" sein

Der Experte ist froh, dass heute viele Fehler früherer Zeiten abgestellt sind, dass man etwa den Wert von Totholz erkannt hat, ohne das viele Tiere aussterben müssten. Früher habe man den Wald dagegen regelrecht „gekehrt“. Auch würden heute von Stürmen zerstörten Flächen nicht zwanghaft nachbepflanzt. Man gebe dem Wald Zeit, sich selbst zu entwickeln.

Die Mitwanderer, unter ihnen viele beeindruckte Gäste von außerhalb, die dem Obertitel der Führung Rehagast trifft Biosphäre gefolgt sind, zeigen sich schnell überzeugt: Nur wenn der Wald Wald bleiben darf und nicht zur Holzplantage wird, wird er auch für uns Menschen seinen Wert behalten, der eben weit über das Geld hinausgeht.

Tour de Kultur: Das soziale Leben der Bäume (Foto: Peter Weitzmann/SR)
Mächtige Krone über gewaltigem Stamm

Nach dieser Entdeckungsreise durch den Blieskasteler Wald kann man sich Franz Kafka jedenfalls nur anschließen, der sagte: „Im Wald sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte“.

Kontakt

Treffpunkt:
Mediclin Bliestal Kliniken
Haus A
Am Spitzenberg
66440 Blieskastel
Ansprechpartner:
Ulrich Matheis
Eine Voranmeldung ist nicht nötig.
Festes Schuhwerk ist erforderlich.

Öffnungszeiten

1. Juli 2018, 14.00 Uhr
22. Juli 2018, 14.00 Uhr
12. Aug. 2018, 14.00 Uhr
16. Sept. 2018, 17.30 Uhr
7. Okt. 2018, 14.00Uhr

Eintritt

Die Teilnahme ist kostenlos.

Anfahrt

Mit der Bahn:
Vom Bahnhof Blieskastel-Lautzkirchen, der tagsüber in der Regel stündlich von Saarbrücken und Pirmasens aus angefahren wird, mit dem Blieskasteler Stadtbus „Dolmusch“ (Linie 531) direkt zu den Bliestal Kliniken.
Mit dem Auto:
Blieskastel ist über die Autobahnen A 6 und A 8 zu erreichen. Die Bliestal Kliniken befinden sich am Ortseingang (von Kirkel her kommend) beziehungsweise Ortsausgang (von Blieskastel Mitte her kommend) des Stadtteils Lautzkirchen, oberhalb des Wohngebiets „Bellem“.



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