"Höchste Priorität hat die Vermisstensuche"

"Höchste Priorität hat die Vermisstensuche"

Ein Gespräch mit THW-Helfer Aaron Klein über die Lage in Ahrweiler am Morgen des 20. Juli 2021

Kai Schmieding. Onlinefassung: Rick Reitler   20.07.2021 | 09:05 Uhr

Auch Tage nach der Hochwasserkatastrophe sind die Straßen in der Region um Bad Neuenahr-Ahrweiler nicht restlos passierbar. Immerhin aber sei die Bundeswehr mit schwerem Räumgerät vor Ort. Am Nürburgring warteten noch immer hunderte Hilfskräfte auf ihren Einsatz, berichtete Aaron Klein vom THW-Ortsverband St. Ingbert im SR-Interview.

Die katastrophalen Hochwasser der vergangenen Tage haben Bad Neuenahr-Ahrweiler besonders heftig getroffen. Doch das Städtchen ist auch ein Symbol für die immense Solidarität unter den Menschen.

Hunderte warten am Nürburgring

Auch knapp 20 Helferinnen und Helfer vom Ortsverband St. Ingbert des Technischen Hilfswerks (THW Saar) sind in das Katastrophengebiet gefahren, um die Funkkommunikation sicherzustellen - als "einziger THW-Ortsverband hier an der Einsatzleitung", wie THW-Mitarbeiter Aaron Klein im Gespräch mit SR-Moderator Kai Schmieding bestätigte. Mehrere hundert Helferinnen und Helfer warteten nach seinem Kenntnisstand noch immer am "großen Bereitstellungsraum" am Nürburgring auf ihren Einsatz, darunter auch Kräfte aus den anderen saarländischen THW-Ortsverbänden.

Lage noch immer angespannt

Die Lage in Ahrweiler sei "nach wie vor angespannt", berichtete Klein. "Höchste Priorität" habe "immer noch die Vermisstensuche, die Rettung von verletzten Personen, aber eben auch die Suche nach Leichen und die Bergung der Toten". Parallel gehe es darum, "irgendeine Form der Versorgung wieder aufzubauen, also Telekommunikation, Handynetz, ärztliche Versorgung, sowas", sagte Klein.

Viele Straßen unpassierbar

Auch mehrere Tagen nach der Flut gebe es Orte in der Region, zu denen mangels Zugang noch immer keine Hilfskraft habe vordringen können. Allerdings bemühe sich die Bundeswehr bereits mit Räumpanzern und Helikoptern, die Straßen frei zu bekommen.

Einsatzdauer geht wohl in die Monate

Bei einer Erkundungstour habe er Orte und Campingplätze gesehen, von denen "nichts mehr übrig" geblieben sei. Eine psychische Betreuung sei in Ahrweiler "24/7" eingerichtet worden. Die Dauer des Einsatzes sei derzeit "überhaupt noch nicht absehbar", so Kleins Einschätzung - er gehe aber "eher von Monaten" als von Wochen aus.


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Ein Thema in der Sendung "Der Morgen" am 20.07.2021 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt Schutt und Unrat vor überfluteten Häusern in Ahrweiler (Foto: picture alliance/dpa | Boris Roessler).

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