Am Klavier (Foto: drp/SR)

Olivier Messiaen: "Mode de Valeurs et d’intensitées"

Meilensteine der Neuen Musik (6)

  29.11.2014 | 06:15 Uhr

Sendung: Donnerstag 04.12.2014 20:04 - 22:30 Uhr

Archiv

(04.12.2014) Beim Eröffnungskonzert der Darmstädter Ferienkurse 1952 brachte Olivier Messiaen ein Klavierstück zur Aufführung, das Geschichte machen sollte: "Mode de valeurs et d’intensité" aus Messiaens "Quatre Études de Rhythme". Die jungen Komponisten, nach dem Zweiten Weltkrieg ohnehin in Aufbruchstimmung, waren gleichsam elektrisiert, und das Werk wurde zum entscheidenden Auslöser für die serielle Musik.



"Mode de valeurs et d’intensitées" war das erste Stück, das von vorgeformtem Material aller Parameter ausging, und, nach den Erfahrungen mit den Zwölftonreihen der Zweiten Wiener Schule, eine neue Welt eröffnete. Stockhausen erinnerte sich später, dass es vor allem dieses Stück von Olivier Messiaen war, dessen "Klangmaterial in all seinen Eigenschaften voll durchkonstruiert war" – wie er schrieb – und das ihn zur Komposition seines "Kreuzspiels" anregte.

Ein bahnbrechendes kompositorisches Verfahren

Messiaen selbst schildert im Vorwort der Partitur sein bahnbrechendes kompositorisches Verfahren: "Dieses Stück führt die Koppelung von Tondauern, Tonhöhen, Anschlagsarten und Intensitäten durch. Es benutzt einen Modus, bestehend aus 26 Tonhöhen, 24 Tondauern, 12 Anschlagsarten und 7 Intensitätsgraden. Es ist ausschließlich in diesem Modus geschrieben, d.h. es gebraucht außer den gewählten 36 Tonhöhen keine weitere Tonhöhe; diese Töne bleiben immer in der einmal gewählten Oktavlage fixiert, jede gekoppelt mit ihrer im Modus vorgesehenen Dauer, Anschlagsart und Lautstärke."

"Real ist allein die Resonanz und ihre Entsprechung in der Farbe"

Messiaen selbst sah sich gar nicht so sehr als der Pionier, zu dem man ihn machte. Für ihn war dieses historische Stück offensichtlich nicht mehr als eine Etüde. In späteren Jahren meinte er: "Ich hatte menschliche Pläne - schließlich bin ich ein Mensch. Ich bin auch den Moden meiner Zeit gefolgt; so habe ich zu einem bestimmten Zeitpunkt seriell komponiert, ich habe auch modal komponiert, aber all das ist ein Irrtum. Real ist allein die Resonanz und ihre Entsprechung in der Farbe."

Friedrich Spangemacher

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