Gespräch mit dem Innu-Autor Michel Jean

Lesung und Gespräch

Tilla Fuchs  

Sendung: Mittwoch 05.10.2022 19.15 bis 20:00 Uhr


Gespräch mit dem Innu-Autor Michel Jean über die Zerstörung indigener Kulturen in Kanada, anhand seiner Romane „Kukum“, „Atuk“ und „Maikan“.

Ein Mitschnitt vom 10. September 2022 auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin


Seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1996 wurden in Kanada rund 150.000 Kinder aus indigenen Familien in kirchlichen Internaten zwangsweise „zivilisiert“. Das erklärte Ziel war es, den „Indianer im Kind zu töten“. Bestätigt nicht zuletzt durch die Funde von Massengräbern rund um diese Internate in jüngster Zeit wissen wir heute, dass die Kinder dort gequält und mißbraucht wurden, tausende von ihnen starben. Lange war das ein Tabuthema in Kanada. Erst in jüngster Zeit rückt es mehr und mehr ins Bewußtsein der Gesellschaft, auch durch die Medien und die Literatur. Der Innu-Autor und Journalist Michel Jean schreibt über die Kultur seiner Vorfahren und ihre Zerstörung („Kukum“, 2020, „Atuk“, 2022, beide erschienen im Wieser Verlag in der Übersetzung von Michael von Killisch-Horn) und hat bereits 2013 einen erschütternden Roman über die Zustände in den kanadischen Internaten vorgelegt, der jetzt unter dem Titel „Maikan“ in deutscher Übersetzung erschienen ist. Auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin sprach er mit SR2 Literaturredakteurin Tilla Fuchs über die Zerstörung indigener Kulturen in seiner Heimat und den schwierigen Versuch, die Erinnerung zu bewahren.

Der Autor:

Michel Jean, *1960, ist Innu aus der Gemeinde Mashteuiatsh am Pékuakami (Lac Saint-Jean, Québec). Er arbeitet seit 1988 als Journalist und Moderator für das kanadische Fernsehen und ist mit sieben Romanen einer der wichtigsten indigenen Autoren Québecs. Im Wieser Verlag sind drei seiner Romane („Kukum“, „Atuk“ und „Maikan“) erschienen und eine von ihm herausgegebene Anthologie mit Erzählungen mit dem Titel „Amun“.


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Redaktion: Tilla Fuchs

Kontakt: literatur-im-gespraech@sr.de

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