Im Interview der Woche: Andreas Barthelmess

"Es gibt eine digitale Elite"

Das Interview der Woche mit Andreas Barthelmess, Autor des Buches "Die große Zerstörung"

Gerd Dehnel; Onlinefassung: Laszlo Mura   30.05.2020 | 13:00 Uhr

Die Corona-Pandemie sorgt dafür, dass sich unsere Arbeitswelt aprubt und radikal verändert. Es ist unklar, was das für die Zukunft bedeutet und welche Entwicklungen dieser Trend weiterhin erfahren wird. Der Berliner Unternehmer Andreas Barthelmess wagt dennoch einige Prognosen in seinem neuen Buch "Die große Zerstörung". Gerd Dehnel hat mit ihm im "Interview der Woche" gesprochen.

Andreas Barthelmess ist Ökonom, Start-up-Unternehmer und Publizist. Noch als Student gründete er den "Think Tank 30" unter dem Dach des Club of Rome Deutschland. Barthelmess kommentiert das Zeitgeschehen regelmäßig für DIE ZEITDie Welt, NZZ, Handelsblatt, Wirtschaftswoche und Spiegel. Im Mai 2020 erschien sein Buch "Die große Zerstörung" beim Dudenverlag. Er ist 41 Jahre alt und lebt in Berlin.

Polarisierung der Arbeitswelt

Die Digitalisierung der Arbeitswelt hilft uns gerade, die Verbreitung der Corona-Infektionen einzudämmen. Wer im Home-Office arbeitet, ist natürlich einem viel geringerem Risiko ausgesetzt, sich mit Corona zu infizieren, als jemand, der im Großraumbüro mit Kollegen Schreibtisch an Schreibtisch seiner Arbeit nachgeht. Viel mehr Positives kann man den Prognosen von Andreas Barthelmess zufolge aber der Digitalisierung der Arbeitswelt nicht abgewinnen.

"Die große Zerstörung" von Andreas Barthelmess (Foto: Dudenverlag)
"Die große Zerstörung" von Andreas Barthelmess

Für einen sozial-gerechten Arbeitsmarkt sieht er nämlich schwarz, eine Polasrisierung sei längst zu beobachten: "Es gibt eine digitale Elite, [...], die extremst viel Geld verdient", sagt Barthelmess. Dazu gehörten Programmierer und Data-Scientists, die von großen Tech-Konzernen umworben würden und "ohne Personalverantwortung oft mehr verdienen als Geschäftsührer in Mittelstandsunternehmen in Deutschland".

Auf der anderen Seite schaffe "dieses Digitale ein neues Prekariat", so Barthelmess, "denken Sie an die Juicer, die jede Nacht die E-Roller wieder einsammeln oder die Leute, die die Pakete austragen." Barthelmess befürchtet eine Polarisierung, die die Nivellierung der Arbeitswelt in der Nachkriegszeit brechen wird, "dass jeder gebraucht wird und die Gewerkschaften mit den Arbeitgebern zusammenarbeiten". Das schaffe natürlich Konflikte und Zukunftsängste in der Gesellschaft, so Barthelmess.

Bereiche, in denen gute qualifizierte Arbeit gebraucht wird, werde es den Prognosen von Barthelmess nach "schon noch geben, die werden nicht wegfallen". Man müsse sich aber überlegen , wo die Wertschöpfung und die Gewinne stattfänden. "Das Problem ist, dass die Gewinne dort stattfinden, wo der Kundenzugang ist und das wird sich bei den Digitalgiganten konzentrieren, wenn wir dieser Entwicklung keinen Einhalt gewähren."

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Ein Thema in der Sendung "Bilanz am Mittag" vom 30.05.2020 auf SR 2 KulturRadio.


Das Interview der Woche

Jeden Samstag gegen 12.45 Uhr in der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio

In der "Bilanz am Mittag" auf SR 2 KulturRadio wird jeden Samstag gegen 12.45 Uhr ein etwa 15-minütiges Interview ausgestrahlt. Diese Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur bieten den Hörern von SR 2 KulturRadio nicht nur Argumente und Fakten zu wichtigen Themen und Entscheidungen, sondern auch persönliche Eindrücke über die Handelnden.

Die Interviews entstehen in enger Zusammenarbeit mit dem Hauptstadtstudio Berlin. Der Sendeplatz wird so zu einem Forum für internationale und regionale Themen.

Kontakt: bilanz@sr.de

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