Ludwig van Beethoven (Foto: DRP)

Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 6 "Pastorale"

Das starke Stück im SR 2-Klassiker

Von Wiebke Matyschok  

"Mehr Ausdruck der Empfindung(en) als Malerei" - hatte Beethoven über dem ersten Satz in der Partitur seiner sechsten Symphonie vermerkt. Als ob er den Urteilen seiner Kritiker vorgreifen wollte. Wiebke Matyschok stellt das Werk mit dem Dirigenten Roger Norrington Werk vor.

Sendung: Samstag 13.03.2021 10.20 Uhr

Ludwig van Beethoven:
Symphonie Nr. 6 "Pastorale"

Wiebke Matyschok im Gespräch mit Sir Roger Norrington


"Sehen Sie sich die Szene am Bach an. Es ist ein Bach, aus dem allem Anschein nach Kühe trinken" - ätzte ein Musikkritiker respektlos über die Symphonie eines Klassikers und spottete über die Stimmen von zwei Fagotten, die ihn an grasendes Weidevieh erinnerten.
Der Kritiker sprach denkbar respektlos über die 6. Symphonie von Ludwig van Beethoven. Dabei hatte sich der Komponist selber bereits über Löwengebrüll und andere Lautmalereien in der Musik seines Lehrers Joseph Haydn lustig gemacht. Naturlaute mussten einem höheren Zweck dienen.

ES WEHT EIN "HEROISCHER TON"

"Mehr Ausdruck der Empfindung(en) als Malerei" - das hatte Beethoven über dem ersten Satz in der Partitur seiner neuesten Symphonie vermerkt. Als ob er den Urteilen seiner Kritiker vorgreifen wollte. Doch die neueste Sinfonie stieß auf offene Ohren im Dezember des Jahres 1808 - anders als seine vorangegangenen.

Welch ein Lärm! Hatten sich die Zeitgenossen da erregt, verstört vom "heroischen Ton" einer Musik, die den beängstigenden "Elan terrible" eines Zeitalters der Revolution zu atmen schien. Doch dann erklang da die "Pastorale".


Man überlässt es dem Zuhörer, die Situationen auszufinden. - Wer auch nur je eine Idee vom Landleben erhalten, kann sich ohne viele Überschriften selbst denken, was der Autor will.

Beethoven über seine Pastorale


EIN EINZIGES VOGELGEZWITSCHER UND DONNERWETTER?

Die Fantasie des Komponisten hatte sich natürlich an den Klängen der Natur entzündet: "Murmeln der Bäche, andante molto, je größer der Bach je tiefer der Ton". Ferner dachte Beethoven in "Szenen". Eine Symphonie in fünf Bildern? Szene am Bach. Lustiges Beisammensein der Landleute. Gewitter und Sturm. Hirtengesänge. Doch zuerst das Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande.


Sehen sich die Szene am Bach an: Es ist ein Bach, aus dem allen Anschein nach Kühe trinken. Jedenfalls veranlassen mich die Fagottstimmen, das zu glauben. ... All das ist sinnlose Nachahmerei oder rein willkürliche Auslegung.

Monsieur Croche, das 'schriftstellernde Alter Ego des Claude Debussy'


War die "Pastorale" etwa ein einziges Vogelgezwitscher und Donnerwetter? Doch von den späteren Streitigkeiten um eine Programmmusik konnte Beethoven ja noch nichts ahnen. Vermutlich wollte er sich genau abgrenzen gegen das Schreiben bloßer Tonmalereien.


Live auf SR 2 KulturRadio zu hören in der SR 2-Soirée:

19. März 2021 ab 20.04 Uhr

1. Sonderkonzert vom 9. Oktober 1992 in der Saarbrücker Congresshalle

Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken
Sylvain Cambreling, Leitung
Kim Kashkashian, Viola

Felix Mendelssohn Bartholdy: Die Hebriden-Ouvertüre
Béla Bartók: Konzert für Viola und Orchester
Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 6 F-Dur, op. 68


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

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