Johann Sebastian Bach (Foto: dpa/Bertelsmann Lexikon Verlag)

Johann Sebastian Bach: Violinkonzert a-Moll

Das starke Stück im SR 2-Klassiker

von Julika Jahnke  

Johann Sebastian Bachs a-Moll-Violinkonzert ist wohl eines der bekanntesten Solokonzerte überhaupt. Jeder einigermaßen arrivierte Geiger hat es gespielt. Julia Jahnke stellt das Werk gemeinsam mit Julia Fischer vor.

Sendung: Samstag 15.12.2018 10.20 Uhr

Wie bei den meisten Konzerten von Bach, liegt auch die Entstehung dieses Violinkonzertes weitestgehend im Dunkeln. Erhalten ist immerhin ein originaler Stimmsatz aus dem Jahr 1730. Zum Teil stammt er aus Bachs eigener Feder. Aber auch die Handschriften seines Sohnes Carl Philipp Emmanuel und des Komponisten Johann Ludwig Krebs sind darin enthalten. Vermutlich komponierte Bach das Konzert in Leipzig, als er schon Thomaskantor war. Dort leitete er nebenbei auch ein junges Orchester, das Collegium musicum, und hatte einen unerschöpflichen Bedarf an frischer, mitreißender Musik.

Bach als Interpret

Bach wird wohl selbst auch die Solopartie des Konzertes übernommen haben. Denn er hat sehr gern seine Orchester auch von der Violine aus geleitet. Sein Sohn Carl Philipp Emmanuel bescheinigte ihm, das Instrument "rein und durchdringend" gespielt zu haben. Dass die Töne hier besonders sauber gespielt werden müssen, merkt jeder Geiger spätestens beim Üben.

Der zweite Satz des Violinkonzertes ist ein inniges, fast elegisches Andante in C-Dur. Die Geige entfaltet sich ganz frei über einem Bass-Fundament. Schon Claude Debussy war von diesem Satz betört. Welchen Geiger mag er wohl so spielen gehört haben?

"Die Schönheit des Andante (…) ist so groß, dass man ernstlich nicht mehr weiß, wie man sich hinsetzen und verhalten soll, um des Anhörens würdig zu sein. Sie bleibt einem lange im Sinn, und man wundert sich beim Hinaustreten auf die Straße, dass der Himmel nicht blauer ist und der Parthenon nicht aus der Erde emporwächst." (Claude Debussy)

Interpretationsansätze

Eine Vielzahl an Wahlmöglichkeiten, die sich bei Bach wie bei kaum einem anderen Komponisten auftut: Versucht man ein möglichst historisch korrektes Spiel, also abgesetzt, schlank und doch kantabel? Sollen die Melodien bescheiden klingen, geistlich oder glamourös? Wie schaffe ich genug Transparenz, so dass das ganze Geflecht der Töne hörbar wird? Und wie lasse ich meine Finger so über die Saiten tanzen, dass die Ecksätze ganz leicht und luftig klingen? Hab ich genug an die Räume gedacht, für die Bach komponiert hat? Hohe Decken, glatte Steinfußböden und viel Hall?

Jeder Musiker antwortet darauf nach seinem eigenen Gutdünken und nach seinem Geschmack. Was Bach wirklich wollte, kann heute schließlich niemand mehr wirklich sagen.


Das "Starke Stück" im Klassiker

Samstags um 10.20 Uhr in SR 2-Der Vormittag
(Wh. sonntags gegen 16.20 Uhr in SR 2-Canapé)

Der "Klassiker" ist ein besonderes Musikstück oder ein längerer Auszug aus einem bedeutenden Werk der Musikgeschichte – von Johann Sebastian Bach bis Igor Strawinsky.

An jedem Samstag übernehmen wir ein "Starkes Stück" von BR Klassik für diesen "Klassiker". Diese ausgewählten Werke werden in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit großen Interpreten der Klassik vorgestellt, ergänzt durch zahlreiche Informationen und Anekdoten.

Das "Starke Stück" wird jeden Samstag zeitnah in der SR-Mediathek bereitgestellt - und zwar für sieben Tage.

Kontakt: sr2@sr-online.de

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