Die CD der Woche: Spark - "Be Baroque"

Spark: "Be Baroque"

Die CD der Woche

Johannes Kloth  

Sendung: Sonntag 20.09.2020 15.20 Uhr

Man könne das Barock als „Wiege der westlichen Musik“ bezeichnen, sagt der Flötist Daniel Koschitzki. „Spannungsverläufe, harmonische Bezüge - die Art und Weise wie ein Popsong heute funktioniert, geht auf das Barock zurück. Deshalb ist für uns schön, zu diesen Anfängen zurückzugehen.“

Vor 13 Jahren hat Koschitzki zusammen mit der Flötistin Andrea Ritter das Ensemble Spark gegründet. Die Idee: Klassisch ausgebildete Muskerinnen und Musiker schließen sich zu einer Band zusammen, die verschiedene Musikwelten verbindet. Ob Mozart, Folkmusik oder Popstar Beyoncé – in der Besetzung Violine, Viola, Violoncello, Klavier und Blockflöten reisten Spark in den vergangenen Jahren kreuz und quer durch die Musikgeschichte. Dabei stellte die Gruppe ausgerechnet die Blockflöte – nicht gerade das Instrument mit dem hipsten Image – in den Mittelpunkt, brach dabei aber so geschickt mit Erwartungshaltungen, dass sich bald eine begeisterte Fangemeinde bildete. Zuletzt landete das Ensemble mit dem Album „On the Dancefloor“ einen Hit.

Spark (Foto: Gregor Hohenberg/Pressefoto)

Mit „Be Baroque“ gehen die beiden Flötisten, die einst in einem Barockensemble zusammen gespielt haben, nun also zusammen mit Geiger Stefan Balazsovics, Cellist Victor Plumettaz und Pianist Christian Fritz gewissermaßen zurück zu den Wurzeln. Dabei greifen sie die gängigen Barock-Assoziationen auf:

Prunkvolle Schlösser und Kirchen, die überbordende Lebensfreude in der Musik eines Antonio Vivaldi, aber auch die Klarheit in der eines Johann Sebastian Bach: All das schwingt in den Spark-Arrangements mit – und dennoch nähert sich die Gruppe den zwölf mehr oder weniger bekannten Kompositionen der CD auf ganz eigene Spark-typische Weise: Da schreitet etwa das Klavier in der „Partita“ aus Christoph Graupners „Monatlichen Clavierfrüchten“ mit einem kraftvollen Groove voran, schwebt die Sopranino-Blockflöte bei Vivaldis „Cantabile“ aus dem Flötenkonzert „Il gardellino“ über einen geradezu gezupften Streicherteppich und gewinnt die Sarabande aus Händels berühmter 4. Suite in d-Moll eine ungewohnte Dramatik.

„Die große Herausforderung lag darin, einerseits der Kunstfertigkeit der großen Barockkomponisten Tribut zu zollen, andererseits unsere eigene Klangsprache zu Geltung kommen zu lassen.“, sagt Flötist Koschitzki. 

Spark haben die Herausforderung angenommen und dabei etwas gewagt, denn der Versuch, eine 300 Jahre alte Musik in die Gegenwart zu holen, kann durchaus schief gehen. Doch hier werden keine Klassiker zu Gunsten oberflächlicher Klangeffekte dekonstruiert. Spark haben die Originalvorlagen mit viel Sensibilität und Respekt bearbeitet, ihnen eine Verjüngungskur verpasst, ohne ihre Würde zu beschneiden.  Die Mission, verschiedene Musikwelten zu verbinden – sie ist einmal mehr geglückt.

Spark (Foto: Gregor Hohenberg/Pressefoto)

Infos zur CD:

Spark: Be Baroque

Label: Berlin Classics / Edel
Bestellnummer: 0301423BC


Ein Thema u. a. in der Sendung "Canapé" vom 20.09.2020 auf SR 2 KulturRadio.


Die CD der Woche

Jeden Sonntag stellen wir Ihnen um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" die "CD der Woche" vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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