Imelda May: "11 past the hour"

Imelda May: "11 Past the Hour"

Die CD der Woche

Steffen Kolodziej   20.04.2021 | 06:00 Uhr

Eine der profiliertesten Frauenstimmen aus Irland derzeit, das ist Imelda May, Jahrgang 1974. Sie hat grade ihr sechstes Studioalbum vorgelegt. Eine starke Frau mit einem starken Album", meint Steffen Kolodziej.

Sendung: Sonntag 18.04.2021 15:20 Uhr


Die neue CD:

Imelda May: "11 Past the Hour"

Label: Decca
LC: 00171
EAN: 0602508986468


Imelda May. 1974 als jüngste von fünf Geschwistern im historischen Teil von Dublin geboren, in einer klassischen Arbeitergegend, mit kleinen Familienbetrieben, Textilmanufakturen und, ja, auch ner großen Bierbrauerei, Imelda May also stand in den ersten 20, 25 Jahren ihrer Karriere eigentlich eher für Rockabilly, den Sound der Fünfziger, passendes Outfit inklusive. Und klingt im Titelstück ihrer neuen CD eher so, als wollte sie dem nächsten James Bond einen Song zuschießen.

Imelda May (Foto: Pressefoto/Eddie-Otchere)

Da fliegen die Geigen tief, und die Stimme seufzt beim singen, wie sich das für einen James Bond Song auch gehören würde. Ist aber keiner, denn mittendrin, wenns am plüschigsten ist, lässt Imelda May eine Gitarre von der Leine, die mit einem sehr gezielten Krach die ganze schöne purpur-samtene Stimmung zersägt.

Nach diesem Stück, dem ersten auf dem neuen Album, ist der Hörer wach für den Rest der CD. Und die Hörerin. Und es ist klar, dass das mit Rockabilly nicht mehr viel zu tun hat. Dass also Imelda May den Weg fortsetzt, den sie 2017 mit Life Love Flesh Blood schon eingeschlagen hatte.

Dafür hat die eine oder andere Uptempo-Nummer entschieden was von den achtziger, neunziger Jahren. A propos: Noel Gallagher ist ein guter Freund und auf einer Nummer unverkennbar mit dabei, ebenso wie Ronnie Wood, der dem gleichen Stück etwas E-Gitarren-gockelhaftes verleiht. Das klingt dann fast wie die Stones vor 50 Jahren, abgesehen von der Frauenstimme, natürlich....

Imelda May kann aber durchaus auch anders: Balladenhafter, folkiger, und mindestens in einem Stück geht’s auch mal nicht um die unterschiedlichen Formen der Liebe und Zweisamkeit, sondern um die gute Luft, die man zum Atmen braucht.

Ansonsten handeln die meisten Texten vom Küssen, von der Liebe, und der Selbstbehauptung. Mal laut, mal leise, Imelda May hat ja auch eine Stimme, die das alles trägt. Bono hat sie mal als die andere Königin Irlands bezeichnet. Sie selber sieht sich als selbstbewusste Macherin, die immer nach vorne schaut. Womöglich haben sie beide recht. Eine starke Frau mit einem starken und abwechslungsreichen sechsten Album ist sie auf jeden Fall: Imelda May, "11 Past The Hour".


Imelda May (Foto: Pressefoto/Eddie-Otchere)


Ein Thema u. a. in den Sendungen "Canapé" vom 18.04.2021, in "Der Morgen" vom 19.04.2021, "Der Vormittag" vom 20.04.2021 und in "Der Nachmittag" vom 21.04.2021 auf SR 2 KulturRadio.


Die CD der Woche

Jeden Sonntag stellen wir Ihnen um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" die "CD der Woche" vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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