Brunners Welt (Foto: SR)

"Tritratrullala"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Samstag 07.05.2021 16:40 Uhr

Nr. 831

Nicht dass Sie denken, ich sei stockkonservativ. Aber ich weiß durchaus zu schätzen, wenn etwas verlässlich so bleibt, wie es immer schon war. Zum Beispiel der Kasper. Vom "Tritratrullala" beim Auftritt über die dämliche Frage "Seid ihr alle da?" bis zur unvermeidlichen Verhaftung des Krokodils. Schön. Wir hatten ja damals keine Ahnung, dass Tiere gar nicht strafmündig sind.

Im Falle des pädagogisch motivierten Einsatzes des Zipfelmützen-Mannes, sprich: Beim Verkehrskasper, gab's ja auch immer was zu lernen. "Und es gilt im ganzen Land: Stehen bleiben am Straßenrand" oder "Das kann jedes Kind begreifen: immer über'n Zebrastreifen" sind Verse, die mir bis heute fest im Gehirn verschraubt sind. Und das ist auch gut so. Der Verkehrskasper ist ja bis heute unterwegs im Auftrag der StVO. Womit wir beim Thema wären.

Wenn es gilt, eine riesige Reform zu managen, die Milliardenaufträgen effizienter und günstiger steuern soll, gibt es nur einen, nach dem man dann ruft: Andreas Scheuer. Ist klar. Den Mann, von dem man sagt, er habe Benzin im Blut. Natürlich weiß man, dass so ein Kohlenwasserstoff-Gemisch im Körper einiges Unheil anrichtet, und auch dem Gehirn auf Dauer nicht zuträglich sein kann. Aber sei's drum. Unter Andis Ägide übernahm der Bund zum Jahreswechsel die gesamten deutschen Autobahnen und Fernstraßen aus der Länder-Verantwortung. 13.000 km geiler Asphalt, über die künftig König Andi herrschen darf. Mit Hilfe einer funkelnagelneuen Autobahn GmbH. Ein Gewaltakt. Behörden mussten zusammengelegt, Niederlassungen neu verteilt und Mitarbeiter neu zugeordnet werden.

Das hat erwartbar nicht ganz so gut geklappt. Etliche Baufirmen haben schon mal die Arbeit eingestellt, weil die neue GmbH ihre Rechnungen nicht bezahlt hat. Technische Schwierigkeiten, hieß es. Nun sind zwar immer noch 17.500 Rechnungen unbezahlt, aber, so die neue Firma, man habe schon "große Rechnungsberge abgetragen" und der Rest käme schon noch. Okay. Da wird schon bald wieder gearbeitet werden auf unseren Straßen, und bis dahin fahren wir wie gewohnt mit 60 km/h auf der Autobahn einspurig an verwaisten Baumaschinen vorbei. Hauptsache, es wird nun endlich "effizienter und günstiger".

Nun ja: Als das Gesetz 2017 verabschiedet wurde, sprach man von jährlichen 632 Millionen. Im Dezember des letzten Jahres wurden die Kosten schon mit 1,38 Milliarden beziffert. Und jetzt gerade musste das Ministerium einräumen, dass es im nächsten Jahr 1,78 Milliarden sein würden. Tritratrullala,  der Andi, der ist wieder da. Wenn Andi Scheuer die "größte Reform in der Geschichte der Autobahnen" verkündet, und zwar "effizient zentral organisiert und kompetent regional aufgestellt", dann wissen wir erstens, dass ein teurer Berater den Verlautbarungstext gebastelt hat, und zweitens, dass das alles wahrscheinlich eher schief gehen wird. Und: das Haushaltsgesetz sagt, dass höhere Ausgaben für den Betrieb der Autobahnen nur übernommen werden können, wenn bei Aus- und Umbau sowie Sanierung von Fernstraßen eingespart wird.  Haben Sie sich auch schon immer gefragt, wieso eigentlich Kasperle völlig folgenlos die schlimmsten Prügel einstecken kann?

Meine Nachbarin Barscheck meint, dann müsse man halt fester draufhauen. Im Übrigen ist sie sicher, dass selbst das Krokodil einen besseren Job machen würde. Die Oma sowieso. Na ja, im Herbst werden wir dann eh erst mal schauen: Seid ihr noch alle da?


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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