Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

„Wolfseier"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Samstag 20.04.2019 15:40 Uhr

Nr. 723

Nicht dass Sie denken, ich beklagte mich über mangelndes vorösterliches Treiben. Es ist wahrlich genug los in diesen präpaschalischen Zeiten. Grüngefärbte Holzwolle hat sich wie Schimmel über die Republik gelegt, allüberall im Einzelhandel piepen flaumige Kunstküken nach unserer Käufergunst, jeder Schokoladenhersteller hat seine Restbestände rechtzeitig zu ostertauglichen Motiven umgeschmolzen. Was sich in Hasenform bringen lässt, ist Hase geworden.

Die eierlegende Eierlegende selbst ist natürlich auch schon längst unterwegs und legt, bemalt und versteckt hoppelnd allerorten die leckeren Cholesterinbomben unter Baum und Strauch. Eine deutsche Erfindung übrigens, der Osterhase: Zum ersten Mal erwähnt, schreibt Wikipedia, 1682 in der Dissertationdes Frankfurter Arztes Johannes Richier mit dem schönen Titel: „De ovis paschalibus – von Oster-Eyern“. Ob „Ostereier“ dem Mediziner damals als Erkrankung der männlichen Testikel galten und wie das Leiden wohl in Erscheinung getreten sein mag – man weiß es nicht und will es auch nicht wissen. Einen Doktortitel war es allemal wert.

Während also unten auf der Erde munter gehoppelt wird, sind die Kirchenglocken seit Gründonnerstag wieder im Luftraum nach Rom unterwegs. Ob sie dort nun einfach mal abhängen oder gar dem Joseph Aloysius Ratzinger, formerly known as Benedikt XVI., wegen seiner jüngsten Ausführungen zum katholischen Missbrauch mal so richtig heimläuten wollen, auch das weiß man nicht. Glocken und Glöckinnen halten ja zur Zeit diskret den Schwengel.

 Rechtzeitig zum Fest hat sich auch Verkehrsminister Scheuer noch ein dickes Ei rausgequält und preist E-Skooter, also Tretroller, die man nicht treten muss, als Verkehrsmittel der Zukunft auf deutschen Straßen. Kostet ja auch nix, außer vielleicht ein paar Fußgängerinnen und Fußgänger. Sicher landen etliche der lautlosen „Fahrzeuge mit Lenkstange“, wie sie im Verordnungsdeutsch heißen, in den Geschenknestern des Landes.

Als wäre das alles noch nicht genug an Bewegung, will nun auch noch der brandenburgische Jägerboss seine Problemwölfe im Saarland abladen. „Narkotisiert sie und bringt sie in Gegenden, wo es noch keine Wölfe gibt, zum Beispiel ins Saarland“, sprach der Grünrock aus Brandenburg. Eigentlich, so sollte man meinen, müsste das dem saarländischen Umweltminister Jost ja recht sein. Bereits seit 2015 hat er einen Wolfsmanagementplan in der ministeriellen Schublade, allerdings noch keine Wölfe, die sich managen ließen. Der bislang einzige Verdachtsfall aufgrund eines gerissenen Schafes entpuppte sich dann doch als das Werk eines canis lupus familiaris, eines ausgebüxten Haushundes also.

Überall ums Saarland rum wird stolz die Rückkehr des Meister Isegrim vermeldet, nur ins Ländchen selbst will der Bursche keine Pfote setzen. Also: Grenzen auf für die brandenburgischen Wölfe? Nee, das ist dem Umweltminister nun auch wieder nicht recht. Der Wolf, so sagt er, sollte „den Weg zu uns ins Saarland alleine und auf natürlichem Weg finden.“ Man hat ja schließlich seinen Stolz.

Meine Nachbarin Barscheck weist darauf hin, dass vor Erfindung des Osterhasen die Eier – je nach Gegend – vom Osterstorch, vom Osterhahn oder vom Osterfuchs gebracht wurden. Warum also nicht künftig im Saarland vom Osterwolf? Eine sinnvolle gemeinnützigeTätigkeit, die auch noch den ärgsten brandenburgischen Problemwolf resozialisieren könnte. Hase und Wolf hatten ja auch als Team – zumindest in der DDR – schon eine lange Tradition - in der russischen Zeichentrickserie „Nu pogodi“. Zu deutsch: „Na warte!“ Machen wir. Schon zur nächsten Osterfeier bringt der Wolf uns dann die Eier.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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