Organspendeausweis (Foto: SR)

Bundestag stimmt gegen Widerspruchslösung

  16.01.2020 | 14:47 Uhr

Deutschland braucht mehr Organspender. Der Bundestag hat daher über verschiedene Initiativen abgestimmt, sprach sich dabei aber gegen die von Gesundheitsminister Jens Spahn geplante Widerspruchslösung aus. Vielmehr wurde eine moderate Reform beschlossen.

Jeder kennt ihn, aber zu wenige haben ihn: den Organspendeausweis. Damit erklärt man sich bereit, im Falle eines Hirntodes bestimmte oder alle Organe für eine Transplantation zur Verfügung zu stellen. Und obwohl laut einer Umfrage 84 Prozent der Deutschen der Organspende positiv gegenüberstehen, trägt nur ein Drittel der Deutschen einen Organspendeausweis bei sich.

Widerspruch keine Lösung

In Deutschland warten etwa 10.000 kranke Menschen auf ein Spenderorgan. Dem standen im letzten Jahr noch keine 1.000 Organspender gegenüber. Um diesem Problem entgegenzuwirken, hat sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für die sogenannte "doppelte Widerspruchslösung" eingesetzt, bei der jeder Bürger, der nicht ausdrücklich widerspricht, automatisch zum Organspender geworden wäre. Dieser Gesetzentwurf fand bei der Abstimmung im Bundestag aber keine Mehrheit.

Moderate Reform beschlossen

Die Zustimmung der Mehrheit bekam vielmehr der Vorschlag von Grünen-Chefin Baerbock und anderen. Damit bleibt es zum einen bei der bisherigen Zustimmungsregelung, das heißt : Organe oder Gewebe dürfen nach dem Tod nur entnommen werden, wenn die Person zu Lebzeiten dem zugestimmt hat, einen Organspendeausweis besitzt oder die Angehörigen der Entnahme zugestimmt haben. Darüber hinaus soll es aber regelmäßige Abfragen bei der Ausweisstelle oder beim Hausarzt geben, damit sich die Bürger mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Jeder soll sich mit seiner Entscheidung - Ja oder Nein - freiwillig in ein Online-Register eintragen können.

Geringe Spendenbereitschaft in Deutschland

Leben mit einem Spenderorgan
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Leben mit einem Spenderorgan
Stefan Schmittberger lebt seit 2003 mit einer neuen Niere. Im Gespräch mit SR 1 Moderator Daniel Simarro berichtet er über seine Erfahrungen.

Mit durchschnittlich 11,5 Spendern pro Million Einwohner gehört Deutschland im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern. Eine noch schlechtere Quote weisen nur die Türkei (7,5) und Bulgarien (4,1) auf.

Ganz oben steht Spanien mit 48 Spendern im Durchschnitt. Das liegt vor allem daran, dass dort die Widerspruchslösung schon gilt. Genau wie bei unseren Nachbarn in Frankreich. Die haben mit fast 30 Spendern je Million Einwohner einen fast drei Mal so hohen Wert wie Deutschland.

Online zum Organspendeausweis

Auf einer Informationsseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kann man den Organspendeausweis bestellen oder auch gleich herunterladen. Einfach die persönlichen Daten ausfüllen und die entsprechenden Erklärungen zur Organ- und Gewebespende ankreuzen.

Weitere Informationen:

organspende-info.de
Organspende : Ja oder Nein?
Hier kann man auch den Organspendeausweis direkt ausfüllen und herunterladen


Zahl der Spender nicht gestiegen
Mehr Organtransplantationen im Saarland
Im vergangenen Jahr hat es im Saarland deutlich mehr Organtransplantationen als 2018 gegeben. Landesweit wurden 71 Organübertragungen durchgeführt, im Vorjahr waren es nur 48. Das geht aus am Montag veröffentlichten Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hervor. Am Donnerstag will der Bundestag über neue Regelungen für Organtransplantationen entscheiden.


Auch Thema auf SR 1 am 15.01.2020 in der Sendung 'Hallo Saarland' und am 16.10.2020 bei 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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