Schatten einer Zecke im Gegenlicht auf einem Blatt (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul)

Warum Saarländer schon jetzt auf Zecken achten sollten

Mit Informationen von Manuela Weichsel   29.02.2024 | 21:00 Uhr

Zecken sind inzwischen das ganze Jahr über unterwegs, vor allem bei milden Wintern – wie dem, der sich jetzt dem Ende zuneigt. Vor allem an Waldrändern mit hohem Gras lauern sie. Die Milbenart kann Krankheiten wie FSME und Borreliose übertragen.

Das Risiko für durch Zecken übertragene Hirnhautentzündungen ist auch im Saarland weiter gestiegen. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) taucht mittlerweile schon im Winter auf. Die Viruserkrankung beginnt mit grippeähnlichen Symptomen und kann zu Hirnhautentzündungen führen.

Video [aktueller bericht, 29.02.2024, Länge: 3:18 Min.]
Milde Winterbedingungen führen zu frühzeitiger Zeckengefahr

Saarpfalz-Kreis ist FSME-Risikogebiet

Das Robert-Koch-Institut hat für die FSME bundesweit 180 Risikogebiete ausgewiesen. Im Saarland gehört der Saarpfalz-Kreis schon seit Jahren dazu, auch wenn es im vergangenen Jahr gar keine Fälle gab.

Beim Gesundheitsamt Saarbrücken dagegen wurde bereits vergangene Woche der erste FSME-Fall für dieses Jahr gemeldet. Auch letztes Jahr gab es im Regionalverband und im Kreis Neunkirchen mehr Fälle als in den Jahren davor.

Das RKI stuft nach eigenen Angaben einen Landkreis als FSME-Risikogebiet ein, wenn in mindestens einem Fünfjahreszeitraum zwischen 2002 und 2023 im Kreis selbst oder in allen angrenzenden Kreisen mehr als eine Erkrankung pro 100.000 Einwohner aufgetreten ist.

Kritik an Einstufung

Antje Biehler vom Saarbrücker Gesundheitsamt hält die Einteilung der Risikogebiete in Landkreise nicht für sinnvoll, weil die Zecken keine Kreisgrenzen kennen. Obwohl Neunkirchen und der Regionalverband Saarbrücken direkt angrenzten, sei der nur der Saarpfalz-Kreis als FSME-Risikogebiet eingestuft. Das sei unverständlich.

Laut Hausärzteverband ist die Nachfrage nach Impfungen gegen FSME bisher nicht gestiegen. Ob eine Impfung sinnvoll ist, muss jeder für sich selbst abwägen. Die Kosten werden erstattet, wenn man in einem Risikogebiet wohnt, Urlaub macht oder beruflich dort exponiert ist.

Deutlich häufiger: Borreliose

Wesentlicher häufiger als FSME kommt die ebenfalls durch Zecken übertragene Borreliose vor. Auch sie kann unbehandelt zu einer schweren Hirnhautentzündung führen. Borreliose wird allerdings durch Bakterien ausgelöst, es gibt also keine Impfung dagegen. Sie wird mit Antibiotika behandelt.

Wenn nach einigen Tagen, manchmal auch erst nach Wochen, die Frühzeichen der Borreliose auftreten – eine wandernde Rötung der Haut –, dann hätten viele Menschen bereits vergessen, dass sie einen Zeckenbiss hatten, erklärt Hautarzt Dirk Landwehr.

Teils werde die Zecke auch gar nicht wahrgenommen. Wenn die Rötung dann verschwinde und die Spätsymptome der Borreliose auftreten, werde oft nicht mehr daran gedacht, was das sein könnte.

Schutzmaßnahmen

Um sich vor Zecken zu schützen, empfiehlt das saarländische Gesundheitsministerium:

  • Nicht in hohem Gras oder im Unterholz aufhalten, denn hier halten Zecken gerne nach potenziellen Wirten Ausschau.

  • Den Körper schützen: Kleidung mit langen Ärmeln, lange Hosen und festes Schuhwerk tragen. Eventuell auch die Socken über die Hosenbeine ziehen. Zecken klettern nicht höher als 1,50 Meter und klammern sich daher mit Vorliebe an den Hosenbeinen fest.

  • Helle Kleidung tragen, darauf lassen sich Zecken besser erkennen.

  • Den Körper nach dem Aufenthalt im Freien nach Zecken absuchen.

  • Zecken schnellstmöglich entfernen, denn der Borreliose-Erreger braucht mindestens zwölf Stunden, um in den menschlichen Organismus übertragen zu werden. „Je länger die Zecke trinkt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas übertragen wird“, so Landwehr. Dabei sollte die Zecke auf keinen Fall gequetscht werden. Danach solle man abwarten, ob sich an der Stichstelle etwas entwickelt. Eine kleine Rötung sei normal. Wenn aber etwas anderes auftrete, sollte man zum Arzt gehen.

Allerdings werden sowohl FSME als auch Borreliose nur sehr selten übertragen und verlaufen meistens mild. Substanzielle Änderungen bei den Zeckenarten gab es nach RKI-Angaben in jüngerer Zeit nicht. Es sind also keine neuen Arten aufgetreten, und die Forscher haben auch keine unerwarteten Krankheitserreger registriert.

Antworten zu häufig gestellten Fragen rund um das Thema Zecken beantwortet das RKI auf seiner Internetseite.

Über dieses Thema berichtet auch der "aktuelle bericht" im SR Fernsehen am 29.02.2024.


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