Gutland (Foto: Les Films Fauves)

Gutland

Eine Rezension von Martin Breher   25.01.2018 | 19:22 Uhr

Mit seinem ersten Spielfilm "Gutland"gelingt dem luxemburgischen Regisseur Govinda Van Maele zugleich ein spannender Thriller zwischen Realität und Fantasy und eine interessante Parabel auf das Dorfleben mit all seinen Eigenheiten. Der Film feierte im September auf dem Toronto Filmfestival Premiere.

Bewertung: 3 von 3 Herzen

Gutland: "Die Grenzen sind fließend"
Video [SR.de, (c) SR, 26.01.2018, Länge: 06:14 Min.]
Gutland: "Die Grenzen sind fließend"
Selbst in der Provinz aufgewachsen, lässt Regisseur Govinda Van Maele auch seinen Wettbewerbsfilm 'Gutland' in einem luxemburgischen Dorf spielen. Wie viel von ihm selbst in seinem Film steckt, kann er nicht genau sagen. Frederick Lau spielt darin einen Deutschen auf der Flucht, der untertauchen will. Warum Luxemburger so gerne im eigenen Land drehen, erklärt Van Maele im Gespräch mit Simin und Holger.

Integration kann hart sein, vor allem für Flüchtlinge aus dem Ausland. In "Gutland" heißt der Flüchtling Jens, hat lange Haare und geflohen ist er - nur mit einer Umhängetasche ausgestattet - aus Karlsruhe. Die ist ihm auf den Fersen, da er mit zwei Bekannten ein Spielcasino überfallen hat. Auf der Flucht vor der Staatsgewalt strandet Jens, gespielt von Frederick Lau (ausgezeichnet 2008 mit dem Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller in der Literaturverfilmung "Die Welle" und 2015 als bester Hauptdarsteller in "Victoria") in der luxemburgischen Provinz, wo er versucht unterzutauchen. Damit das gelingt, muss er sich in das Dorfleben mit all seinen Facetten integrieren.

Fremdkörper zwischen Dirndl und Lederhosen

Auf der Party in der örtlichen Dorfkneipe wirkt Jens zwischen von Oberkrainer-Musik beschallten Dirndl- und Lederhosenträgern wie der größte Fremdkörper, der auf so einer Veranstaltung auftauchen könnte. Aber dann beginnt die schrittweise Integration ins Dorf: Erst der One-Night-Stand mit Lucy (Vicky Krieps), der alleinerziehenden Mutter, die mit ihrem Leben auf dem "scheiß Kuhdorf" nicht besonders glücklich scheint; dann die Stelle als Erntehelfer auf einem Bauernhof, wo er kostenlos in einem heruntergekommenen Wohnwagen leben kann; und schließlich die beste Art der Integration: die örtliche Musikkapelle.

Obwohl Jens anfangs der Integration noch kritisch gegenübersteht und sich bei seiner Bauernfamilie aus dem geselligen Abendessen ausklinkt, kann er sich nicht verweigern, immer mehr Teil des Dorflebens zu werden. Aus der Affäre mit Lucy wird eine ernste Beziehung, die beiden ziehen gemeinsam in das verlassene, abseitsstehende Haus des vor einiger Zeit verschollenen Georges, am Rande des Dorfes. Die Erleuchtung kommt Jens beim Sex, als Lucy ihn im Würgegriff plötzlich "Georges" nennt. Jens beginnt zu erkennen, was mit ihm passiert. Aber als Jens klar wird, dass er in die Rolle von Lucys Exmann gedrängt wird, ist es bereits zu spät.

Düsteres Drama mit tollen Bildern

Der luxemburgische Regisseur Govinda Van Maele macht aus dieser ironisch überzeichneten Parabel keine platte Komödie, sondern ein düsteres, melancholisches Drama mit tollen Bildern. Und die Geschichte, die am Anfang etwas braucht, um in Fahrt zu kommen, wird zum Schluss zu einem echten Thriller, wenn Jens' Mittäter zu Besuch kommen, um ihren Anteil der Beute aus dem Casino-Überfall zurückzuholen. Das ist großes Kino!

Regie: Govinda Van Maele
Luxemburg, Deutschland, Belgien 2017

Spielfilme im Wettbewerb
16 Produktionen treten in der kommenden Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis in der Kategorie "Spielfilm" an. Die Hälfte der Filme wird in Saarbrücken uraufgeführt, die andere Hälfte sind deutsche Erstaufführungen. Insgesamt werden in dieser Kategorie sieben Preise vergeben.

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