Eindrücke vom Werkstattgespräch mit Ehrengast Maria Schrader (Foto: Pasquale D'Angiollo)

Eine starke Frau zwischen Bühne und Kamera

Annabell Brockhues   23.01.2016 | 16:37 Uhr

1992 erhielt sie selbst den Max Ophüls Preis als beste Nachwuchsdarstellerin, am Abend wird sie eben diesen Preis an eine junge Künstlerin überreichen: Schauspielerin und Regisseurin Maria Schrader. Im Werkstattgespräch sprach sie über ihre Arbeit vor und hinter der Kamera, auf der Theaterbühne und über starke Frauenrollen.

Mehr Frauen braucht das Kino
Auffallend seien die vielen Frauenfiguren beim diesjährigen Max-Ophüls-Preis, sagte Gabriella Bandel vor dem Festival. Identitätsfindung und die Rolle der Frau in der Gesellschaft seien in mehr als der Hälfte der Langfilme das beherrschende Thema. Aber: Die meisten Filme kommen immer noch von Männern.

In den Augen von Gabriella Bandel ist Maria Schrader eine der talentiertesten Frauen der Branche – sei es als Regisseurin oder Schauspielerin: „Du hast uns unglaublich viele starke Frauen beschert – die brauchen wir, die starken Frauen!“ Vor 24 Jahren wurde sie beim Filmfestival Max Ophüls Preis für ihre erste Hauptrolle in Dani Levys „I was on Mars“ ausgezeichnet. Rückblickend habe dieser Preis den Ausschlag gegeben, dass andere Regisseure auf sie aufmerksam wurden, sagte Schrader.

Was diesen Film auszeichnete, sei die Arbeitsweise, die sie bis heute durchgezogen habe. In „I was on Mars“ habe sie nicht nur die Hauptrolle gespielt. Wie schon in dem Film „Robbykallepaul“, der 1989 den Publikumspreis des Nachwuchsfestivals bekam, habe sie schon viel daran gearbeitet, bevor der Film überhaupt gedreht wurde. Sie hat „I was on Mars“ mitgeschrieben und entwickelt, bei „Robbykallepaul“ hat sie das Schneiden gelernt. „Mein Eintritt in das Geschäft weicht von anderen ab“, sagt Schrader: Sie war nie nur Schauspielerin. Und so habe sie sich selbst auch nicht begriffen.

Profession mit Herzblut

In erster Linie sieht Maria Schrader sich selbst als Theaterschauspielerin: „Meine erste wirklich intensive Erfahrung hatte ich beim Theaterzuschauen.“ Das war während eines Berufspraktikums in der Schule. Die Schule hat sie kurz vor dem Abitur abgebrochen, um an die Schauspielschule zu gehen. Ihre Eltern haben sie dabei immer unterstützt: „Mein Vater fand das gar nicht so schlimm, wenn ich nicht regelmäßig zur Schule ging.“ Was sich liberal anhört hatte eine wichtige Bedingung: „Ich sollte dann etwas anderes mit Herzblut machen.“

Maria Schrader wechselte immer wieder zwischen der Theaterbühne und der Kamera. Obwohl sie irgendwann „den seltsamen Theatervorgängen entwachsen war“, kehrte sie regelmäßig auf die Bühne zurück. Sie arbeitete in Hannover, Wien, Venedig, Bonn und hat heute ein Engagement am Hamburger Thalia Theater. In dieser Spielzeit habe sie das Theater für ihren zweiten Film freigegeben. „Dafür habe ich auch in den ersten anderthalb Spielzeiten in Hamburg für zwei geackert.“ Sie habe diese Zeit extrem genossen, sei aber erleichtert, dem Theater für einige Zeit den Rücken kehren zu können.

„Ein geschützter Raum zum Ausprobieren“

„Es ist ein riesiger Gewinn für mich, dass ich die beiden Berufe abwechselnd machen kann.“ Theater und Film erfordern eine andere Art der Konzentration. Beim Film arbeitet man in einem sehr schnellen Tempo, muss punktgenau da sein, während man auf der Bühne eine Spannung über einen längeren Zeitraum entwickeln kann. Die Zeit, die Schrader beim Film für die Entwicklung von Ideen während der Dreharbeiten fehlen, bekommt sie im Theater wieder. „Das ist ein geschützter Raum, in dem man Dinge ausprobieren kann“, erzählt sie.

Ein Charakteristikum, das sich durch ihre Rollen zieht, ob sie nun auf der Bühne steht oder vor der Kamera: ihre Natürlichkeit gepaart mit einer nahezu greifbaren Sinnlichkeit. Einen zwischenzeitlichen Höhepunkt ihrer Karriere erreichte Schrader 1999 mit dem Liebesdrama „Aimée und Jaguar“. Für die Rolle der Jüdin Felice erhielt sie das Filmband in Gold als beste Hauptdarstellerin und bei der Berlinale einen Silbernen Bären.

„Ich war nicht darauf vorbereitet“

Für Schrader ist aber etwas ganz anderes bemerkenswert an dem Film: „Juliane Köhler und ich können noch heute nirgendwo hingehen, ohne darauf angesprochen zu werden.“ Sie habe unendlich viele Briefe bekommen in den letzten 17 Jahren, in denen Frauen ihr ihre Lebensgeschichte erzählen, wie der Film ihnen geholfen hat. „Ich war damals nicht darauf vorbereitet, was ein Film auslösen kann.“

Auch heute sei er noch von einer bestimmten Gültigkeit: „Es wurde eine lesbische Liebesgeschichte auf die Leinwand gebracht, die nicht anders erzählt wurde als eine heterosexuelle. Das ist bis heute außergewöhnlich.“ Der Film erlaube der Liebe zwischen zwei Frauen Gesundheit und Glück, wie jeder anderen Liebe auch. „Der Film ist einfach lustvoll und schön“ – und war 1999 mit 15 Millionen Mark eine der teuersten Produktionen des Jahres.

Neuer Film Ende Mai

Zurzeit arbeitet Schrader an der Postproduktion ihres neuen Films in Paris. Voraussichtlich Ende Mai soll er in die Kinos kommen. Einen Titel darf sie noch nicht verraten. Nur so viel: Es geht um die Exiljahre 1934 bis 1942 des jüdischen Schriftstellers Stephan Zweig in New York, Argentinien, Paraguay und schließlich Brasilien. Vielleicht komme sie dann auch nochmal mit ihrem Film nach Saarbrücken, so Schrader.

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