Heute noch müssen wir fort - Teil 2

Wir im Saarland - Kultur extra: Heute noch müssen wir fort - Teil 2

Evakuierungen im deutsch-französischen Grenzgebiet 1939 und 1944

Ein Film von Annette Bak  

Ein schöner Spätsommertag, warm und vorwiegend sonnig - es ist Freitag, das Wochenende steht vor der Tür und auf beiden Seiten der Grenze springen die Kinder ins erfrischende Wasser der Blies. Ein Idyll, könnte man meinen. Doch dieser sonnige Freitag ist der 1. September 1939, der Tag, an dem die deutsche Wehrmacht Polen überfällt und Nazideutschland Europa mit einem unbeschreiblichen Grauen überzieht, das fünfeinhalb Jahre dauern wird.

Sendung: Mittwoch 08.08.2018 18.50 Uhr

Für die Bevölkerung hier in unserer Region, auf beiden Seiten der Grenze, heißt es zunächst einmal: Evakuierung. Weg. Sofort. Und jeder darf nur wenige Kilo Gepäck mitnehmen. Menschen, die größtenteils kaum einmal über die Grenzen ihrer Gemeinde hinausgekommen sind, brechen nun zwangsweise auf, in großer Sorge darüber, wie sie in der Fremde aufgenommen werden und was sie erwartet, wenn sie zurückkehren.

Multimediale Webstory
Auszug ins Ungewisse
Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen beginnt am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Auch die Menschen an der Saar und in Lothringen bleiben nicht von den Auswirkungen des Krieges verschont. Zwei Mal müssen sie aus ihrer Heimat fliehen und blicken einer ungewissen Zukunft entgegen. Für diese multimediale Webstory erinnern sich fünf Zeitzeugen an die Ereignisse von damals zurück.

Und diese Sorgen sind alles andere als unbegründet; insbesondere bei der Rückkehr erwartet viele eine böse Überraschung: die Häuser geplündert, beschädigt oder völlig zerstört, manche sogar abgerissen, weil die Verwaltung die Abwesenheit der eigenen Bevölkerung nutzt, um Dörfer nach ihrer Ideologie umzugestalten.

Zeitzeugen schildern ihre Erlebnisse

Traumaforscher wissen heute, dass Erfahrungen wie Evakuierungen Auswirkungen bis in die zweite und dritte Generation hinein haben können. In der zweiteiligen Dokumentation kommen zahlreiche Zeitzeugen zu Wort. Sie gehören der letzten Generation an, die darüber noch berichten kann und schildern, was sie als Kinder erlebt haben. Bemerkenswert ist auch, dass obwohl die politischen Verhältnisse auf beiden Seiten der Grenze höchst unterschiedlich und die Rollen klar verteilt waren - Deutschland als Besatzungsmacht, Frankreich als besetztes Land - sich im Kleinen, im Alltag der evakuierten Grenzanrainer die Erlebnisse hüben wie drüben verblüffend ähneln.

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