Eine Ameise trinkt nach einem Regenschauer von einem Regentropfen.  (Foto: picture alliance/dpa | Silas Stein)

Eine Reise in die Naturwelt des Saarlandes

"Delattinia" - die "Naturforschende Gesellschaft des Saarlandes"

Katja Preißner   16.12.2022 | 09:25 Uhr

Welches Moos wächst da? Was haben die Ameisen gerade vor? Und welche Blumen findet man nur im Saarland? Die „Delattinia“ dokumentiert die saarländische Natur– und bietet Kurse an für alle Interessierten in ihrer Akademie für Artenkenntnis.

Im altehrwürdigen Zechengebäude des Bergwerks Reden in Schiffweiler wohnen heute Tiere und Pflanzen - genau gesagt, die Sammlungen der „Delattinia“, der „Naturforschenden Gesellschaft des Saarlandes“. Mitgegründet Ende der 60er-Jahre von Professor Gustaf de Lattin, Zoologe an der Saar-Uni.

Bis heute hat der Verein Hunderte Mitglieder, ehrenamtliche Naturforscherinnen und -forscher, die unter anderem die Rote Liste fürs Saarland erstellen.

"Saarländische Akademie für Artenkenntnis"

Audio

Delattinia“ lädt zur Endeckung der Naturwelt des Saarlandes
Audio [SR 3, Katja Preißner, 16.12.2022, Länge: 05:14 Min.]
Delattinia“ lädt zur Endeckung der Naturwelt des Saarlandes

Aber ein vierköpfiges Team baut auch gerade hauptberuflich die „Saarländische Akademie für Artenkenntnis“ (SAKA) auf: Thomas Schneider, Nicole Haag, Sandra Kraus und Nicolas Griesang. Zwei Vollzeit- und zwei Teilzeitstellen werden vom Bund und dem saarländischen Umweltministerium finanziert. Das Stichwort ist „Förtax“, die Förderung taxonomischen Wissens für den Naturschutz und die biologische Vielfalt.

Kurse für alle Interessierten

Das Schöne daran: Dort können sich alle für Kurse anmelden, die sich in der Natur besser auskennen möchten.

Infos zu den SAKA- Kursen
foertax.de

„Das geht von Studenten, die sich für die Uni weiterbilden wollen, bis hin zu Leuten aus Planungsbüros oder auch der Rentner, der sich einfach interessiert und gerne in der Natur wissen möchte, was ihm beim Spazierengehen so begegnet – das ist ganz durchmischt“, erzählt Nicole Haag, die auch ausgebildete Präparatorin ist.

Ihre Kollegin Sandra Kraus – die Ameisen-Expertin der Gruppe – ergänzt: „Die Kurse sind zweigeteilt. Ein Teil findet in der Natur statt, dann werden Proben gesammelt, und die werden dann hier vor Ort bestimmt“.

Dafür hat das SAKA-Team der „Delattinia“ eigene Schulungsräume mit den nötigen Geräten. „Das ist immer ein tolles Erlebnis, wenn man zum ersten Mal in ein Mikroskop oder eine Binokular-Lupe schaut, weil man in eine kleine eigene Welt eintaucht. Minikleine Insekten sehen aus wie ein Punkt, und wenn man sie sich genau anguckt, sind das ganz bunte, wunderschöne Tiere, in die man sich fast verliebt!“

Die Sammlungen der "Delattinia"

Herbarium-Bogen des Vereins Delattinia (Foto: SR/Katja Preißner)

Aber auch die Sammlungen der „Delattinia“ sind echte Kostbarkeiten: das Herbarium, wo sich getrocknete Pflanzen mitunter in Zeitungen aus den 1880er Jahren finden! Die Sammlung getrockener Moose, aber auch von Insekten bis hin zu Steinen. Selbst die saarländischen Kohlesorten haben bei der „Delattinia“ eine eigene Sammlung!

Das biologische Gedächtnis des Saarlandes

Auch sogenannte „Typusexemplare“ von Pflanzen und Tieren finden sich in Schiffweiler, sie zeigen die definierenden Merkmale einer bestimmten Art. „Wir haben bei den "Typen" auch Tiere von Arten, die es heute wahrscheinlich nicht mehr gibt. Bei denen das einzige Belegexemplar hier in der Sammlung ist“, erklärt Thomas Schneider, wissenschaftlicher Mitarbeiter im SAKA-Team. „Es ist das Gedächtnis des Saarlandes: Was gab es in der Vergangenheit, und was gibt es heute an Pflanzen im Saarland? Das Archiv der Pflanzen des Saarlandes.“ Das wiederum kommt dann der Zukunft der saarländischen Natur zugute, so Schneider weiter. „Wir dokumentieren. Wir machen weniger Naturschutz-Lobbyarbeit, sondern liefern die Grundlagen dazu.“

Die Delattinia
www.delattinia.de

Und wer wissen möchte, welche Pflanzen man sozusagen exklusiv im Saarland findet, fragt ebenfalls am besten bei der „Delattinia“ nach.

„Es gibt Orchideen, die fast nur hier vorkommen“, verrät Thomas Schneider. „Es gibt eine Art, die jetzt vom Westen herkam, das ist das Moorglöckchen Wahlenbergia, das ist eine ganz kleine Glockenblume, so groß wie ein halber Fingernagel in der Blüte, und die kommt fast nur noch in der Region um Losheim, Britten vor. Ich sag immer: das ist eine der "Kennarten" fürs Saarland.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 16.12.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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