Defibrillator am Spielfeldrand (Foto: Imago/Bildbyran)

Was tun bei einem plötzlichen Herzstillstand?

Interview: Dorothee Scharner   15.06.2021 | 08:14 Uhr

Das war ein Schockmoment bei der Fußball-EM am Samstag: Der dänische Spieler Christian Eriksen bricht beim Spiel gegen Finnland auf dem Platz zusammen und muss wiederbelebt werden. Offenbar war es ein Herzstillstand. Laut Mannschaftsarzt ist der Zustand des 29-Jährigen mittlerweile wieder stabil. Im SR-Interview erläutert Dr. med. Florian Custodis, der Leiter der Inneren Medizin am Saarbrücker Winterberg-Klinikum, wie groß das Risiko eines solchen plötzlichen Herstillstandes ist, und was man im Fall eines solchen Falles als Erste-Hilfe-Maßnahme tun sollte.

Bundesweit erleiden pro Jahr etwa 70.000 Menschen einen plötzlichen Herzstillstand, im Saarland sind es rund 1000 Menschen.

Dr. Custodis: "Das Risiko, einen Herzstillstand zu erleiden, steigt mit dem Alter"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 14.06.2021, Länge: 04:02 Min.]
Dr. Custodis: "Das Risiko, einen Herzstillstand zu erleiden, steigt mit dem Alter"

Dass es einen gut durchtainierten jungen Menschen erwische, komme zum Glück nicht häufig vor, sagt Dr. Florian Custodis, der Leiter der Inneren Medizin am Saarbrücker Winterberg-Klinikum. Das Risiko, einen solchen Herzstillstand zu erleiden, steige jedoch mit dem Alter.

Häufigster Grund: akuter Herzinfarkt

Der häufigste Grund für einen solchen Herz-Kreislauf-Stillstand sei der akute Herzinfarkt, sagt Custodis. Und dieser Herzinfarkt "macht sich in vielen Fällen im Vorfeld bemerkbar durch Symptome wie Brustdruck, Brustenge oder auch akute Atemnot."

Während bei älteren Menschen vor allem Risikofaktoren wie Diabetes oder verengte Gefäße häufig die Ursachen für einen Herzinfarkt seien, sei es bei jungen Menschen häufig schwierig zu sagen, was die Ursache für einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Versagen ist, so der Mediziner.

Teilnehmerin in einem Erste-Hilfe-Kursus übt an einer Puppe  (Foto: SR)

Erste Hilfe

Das bedrohlichste an einem Herz-Kreislauf-Versagen ist die Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, in der Zeit, bis der Notarzt kommt, eine Herz-Druckmassage durchzuführen, um so den Blutfluss zum Gehirn aufrecht zu erhalten.

Doch was muss man tun, wenn man plötzlich in der Situation ist, einen Menschen wiederbeleben zu müssen? Der "Erste Hilfe Kurs" ist oft schon viele Jahre her und aus Angst, etwas falsch zu machen, machen viele dann einfach gar nichts.

Prüfung, Notruf, Herz-Druckmassage

Notruf-App: Hilferuf per SMS (Foto: dpa/SR)

Im Prinzip seien seien immer drei Schritte, die man befolgen sollte, sagt Florian Custodis. Erster Schritt: Prüfen, ob der Betroffene atmet. Wenn er nur röchelnd oder gar nicht mehr atmet, sollte man im zweiten Schritt dafür sorgen, dass über die Notrufnummer 112 der Notarzt informiert wird und als dritten Schritt sollte man dann eine Herz-Druckmassage durchführen, bis der Notarzt eintrifft.

Eine Herz-Druckmassage durchzuführen ist im Prinzip nicht sehr schwierig. Wichtig ist, an der richtigen Stelle zu drücken, ausreichend tief und in der richtigen Frequenz. Es sollte 100 bis 120 Mal pro Minuten gedrückt werden. Als Hilfsmittel empfiehlt der Mediziner, den Druck nach dem Rhytmus von Musiktiteln wie "Staying alive" von den Bee Gees auszurichten.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag am 14.06.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja