Fahren mit altem Frittenfett

Fahren mit altem Frittenfett

Reporter: Stephan Deppen/Onlinefassung: Dagmar Scherer   18.04.2024 | 09:00 Uhr

Der Weg für den Biodiesel HVO 100 ist frei. Er besteht vollständig aus recyceltem Biomaterial und kann so gut wie allen Dieselmotoren ohne große Umbauten eingesetzt werden. Nun hängt es am Umrüstungstempo an den Tankstellen.

HVO 100 steht für Hydrotreated Vegetable Oils. Treibstoff, der vollständig aus Pflanzenölen besteht, die mit Wasserstoff behandelt wurden. Der Grundstoff sind alte Fette aus Großküchen, Fischreste oder auch Holz- und Zelluloseabfälle. Und dieser Biodiesel kann in nahezu allen Motoren anstelle des fossilen Diesels ohne kostspielige Umbauten eingesetzt werden.

Massive CO2-Einsparung und weniger Ruß

Agrarflächen werden für die Gewinnung von HVO 100 nicht bewirtschaftet. Die vielfach geäußerte Kritik am Biosprit - dass angebaute Lebensmittel statt auf den Teller in den Tank wandern - trifft auf diesen Kraftstoff also nicht zu.

HVO 100 spart außerdem im Vergleich zu herkömmlichem Diesel, der aus Erdöl gewonnen wird - bis 95 Prozent der CO2-Emissionen. Der Verein Autoregion hier im Saarland rechnet allein für das Saarland mit einem Einsparpotential von bis zu 100.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Zudem entwickelt HVO 100 weniger Ruß bei der Verbrennung.

Für alle Dieselfahrzeuge geeignet

Ob Oldtimer oder das neueste Modell - der Biosprit kann im Grunde in jedem Dieselfahrzeug verwendet werden. Das bestätigt auch der ADAC, fordert jedoch ergänzend die Hersteller dazu auf, aus Gründen der Haftung eine formelle Freigabe zu erteilen, "damit die Herstellergarantie bei solchen Fahrzeugen nicht erlischt."

Bisher war HVO nur für wenige Fahrzeuge zugelassen - aus einem eher bürokratischen Grund: Das spezifische Gewicht ist geringer, als die bisherige Verordnung für Kraftstoffe erlaubte, sagt Professor Heinze.

Tankstellen müssen noch umrüsten

Der Biodiesel aus organischen Abfällen ist in zahlreichen europäischen Ländern bereits im Handel. In Deutschland werde er wohl noch etwas dauern, bis der neue Diesel flächendeckend angeboten werden könne, so der Zentralverband des Tankstellengewerbes. Die Tankstellen müssten umrüsten, also entweder eine zusätzliche Zapfsäule installieren oder eine Zapfsäule umwidmen - beispielsweise die, die bisher für E5 genutzt wurde.

Im Saarland gebe es aktuell noch keine einzige Tankstelle, die HVO 100 anbietet. Wann sich das ändert, liegt in der Entscheidung des jeweiligen Kraftstoffanbieters

Wermutstropfen

Eine Steuervergünstigung für den Diesel gibt es nicht und er wird vermutlich zehn bis 15 Cent pro Liter teurer sein als der herkömmliche Diesel. Ob das aber so bleibt, wird die Zeit zeigen.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 28.03.2024 und am 18.04.2024 auf SR 3 Saarlandwelle

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