Georges Perec (Foto: IMAGO / Leemage)

"Und vergiss die Badehose nicht!"

Ein Feature über die Korrespondent von Georges Perec und Eugen Helmlé 1966 bis 1982

Tilla Fuchs   06.03.2022 | 18:00 Uhr

Den französischen Autor Georges Perec und seinen deutschen Übersetzer Eugen Helmlé verband eine enge literarische Zusammenarbeit und eine tiefe Freundschaft. SR-Literaturredakteurin Tilla Fuchs hat ihre Korrespondenz zu einem Feature verarbeitet.

Den französischen Autor Georges Perec und seinen deutschen Übersetzer Eugen Helmlé verband seit den Sechziger Jahren bis zum Tod Perecs 1982 eine enge literarische Zusammenarbeit und eine tiefe Freundschaft.

SR-Literaturredakteurin Tilla Fuchs hatte bereits 2012 die Korrespondenz zwischen Perec und Helmlé in den Jahren 1966 bis 1982 zu einem Feature verarbeitet. Neben historischen O-Tönen der beiden sind Perecs Witwe Paulette, seine Cousine und Helmlés Witwe Margrit zu hören, ebenso Jean-Luc Joly von der Pariser Perec-Gesellschaft.


"Und vergiss die Badehose nicht!"
Audio [SR 2, Tilla Fuchs, 06.03.2022, Länge: 57:17 Min.]
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Das Duo Perec & Helmlé

Die beiden Literaten Georges Perec (1936 – 1982) und seinen deutschen Übersetzer Eugen Helmlé aus dem saarländischen Sulzbach verband eine besondere Beziehung. Helmlé war es auch, der den Franzosen Ende der 1960er Jahre zum Hörfunk brachte: "Radio Saarbrücken [steht] zumindest in dem Ruf, sehr gute Hörspielinszenierungen zu machen. Ihr Problem sind die Autoren", schreibt Helmlé im Frühjahr 1967 an seinen Freund in Paris und ermuntert ihn, ein Stück zu schreiben: "Sie suchen französische Autoren, die gewillt wären, vom traditionellen Weg abzuweichen. Unter den französischen Schriftstellern, die zu einem neuen Schreiben fähig wären, sehe ich eigentlich nur Sie." Einige Monate später reicht Perec in Saarbrücken das Konzept zu "Die Maschine" ein, das dann von Helmlé nach dem Bauplan seines Freundes in deutscher Sprache ausgearbeitet und zu einem berühmten Beispiel für das Neue Hörspiel werden sollte.

Gerne im Saarland

Nahezu alle Hörspiele Perecs entstanden in solch enger Zusammenarbeit zwischen den beiden Freunden von Seine und Saar. Dabei überwindet Perec mehr als Landesgrenzen: Sein Vater wurde 1940 im Krieg gegen Nazideutschland tödlich verwundet, seine jüdische Mutter 1943 deportiert und vermutlich in Auschwitz umgebracht. Vorher gelingt es ihr, ihren siebenjährigen Sohn in Sicherheit zu bringen. Dass der erwachsene Georges Perec kaum 20 Jahre nach dem Krieg einen Deutschen zum Freund hat, mehrmals an die Saar reist und sich dort wohl und heimisch fühlt, grenzt an ein Wunder.

Sprache als Akteur

Die Stücke, die nun für das Radio entstehen, geben auch heute noch einen besonderen Einblick in Perecs Schaffen, sind mal heiter, mal grotesk, mal streng formal und dabei dennoch gewitzt und gesellschaftskritisch, oft geschrieben und produziert nach den Regeln der OuLiPo (Werkstatt für potentielle Literatur), die die Sprache selbst zum Akteur werden lässt. Auch die Musik wird, mit der Einbeziehung des französischen Komponisten Philippe Drogoz, wichtiger Bestandteil der Hörspielarbeit.

Georges Perec, bekannt geworden mit sprachspielerischen Romanen wie "Das Leben – Gebrauchsanweisung" oder "Anton Voyls Fortgang", in dem der Vokal "e" nicht vorkommt und deren kongenialer Übersetzer Eugen Helmlé war, zählt in Frankreich zu den bedeutendsten Schriftstellern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Indem diese sechs Hörspiele auf einer Website zugänglich gemacht werden, erschließt der SR auch dem französischen Publikum eine bislang im Nachbarland weitgehend unbekannte Facette von Georges Perecs Schaffen.


Zur Webdoku: Sechs Hörspiele
Der radiophone Perec
Der französische Schriftsteller und Filmschaffende Georges Perec (1936 – 1982) verfasste auch zahlreiche Hörspiele. Sechs davon entstanden ab 1968 für den SR, alle übersetzt von Eugen Helmlé. Der SR stellt sie in Kooperation mit der Pariser Association Georges Perec dauerhaft online.


Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 03.03.2022 und in "HörspielZeit" am 06.03.2022 auf SR 2 KulturRadio. Das Bild ganz oben zeigt den französischen Schriftsteller Georges Perec (Foto: IMAGO / Leemage).

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