Blues Brothers, Staatstheater Saarbrücken (Foto: Martin Kaufhold)

"Ohrwurmig dickes Unterhaltungsmusical für Pop-Fans"

Eine Premierenkritik von Christian Job

Christian Job   15.01.2018 | 10:56 Uhr

Der legendäre Filmspaß um die beiden schrägen Musiker Jake und Elwood, die 1980 mit Blues, Soul, Rock 'n' Roll und Country Music "im Namen des Herrn" unterwegs waren, hat immer noch unzählige Fans. Am 13. Januar hatte eine Bühnenversion der "Blues Brothers" im Saarländischen Staatstheater Premiere. SR-Reporter Christian Job war dabei.

Die "Blues Brothers": John Landis' Kultfilm von 1980 machte einst Dan Aykroyd und John Belushi zu Weltstars. Eine Bühnenversion des Actionspaßes mit ganz viel Blues, Soul, Rock 'n' Roll und Country Musik feierte am 13. Januar im Saarländischen Staatstheater Premiere.

"Eine Supertruppe"

Beseelt vom Blues und dank einer göttlichen Eingebung im Gospel-Gottesdienst "im Auftrag des Herrn unterwegs", um Geld zu sammeln für das Waisenhaus, das sie einst großgezogen hat und das jetzt nicht geschlossen werden darf... Thorsten Köhler und Gregor Trakis aus dem Staatstheater-Ensemble geben dem viel zitierten Affen die ganz große Zuckerportion und sie blödeln mit ernster Miene innerhalb einer Supertruppe.

Lemuel Pitts und Stefanie Köhm sind Gäste aus der Musicalszene: der eine ein wunderbarer Ray Charles oder Cab Calloway - und die andere eine stimmgewaltige Aretha Franklin. Achim Schneider und seine Band sind "die Band", die wieder zusammen kommen muss, weil es mit ihnen Groove und Seele hat.

Da zuckt's im Mitmachknie

Für SR 3 Saarlandwelle hatte Schneider die legendären Anne-Welte-Galas vertont, und jetzt bringt sein Ensemble, schwebend an Bühnenseilen, viel Druck über die Rampe, dass es den Zuschauer bald im Mitmachknie zuckt. Überhaupt zeigt das Theater, was eine große Bühne alles draufhat: Da geht es rund und auf und ab. Großes Kino für die Kinoadaption.

Kino im Theater

Regisseur Matthias Straub liebt diese Fingerübung fern der ernsten Kunst, das Feiern einer Theaterparty mit gutem Sound und ebensolcher Laune. Es ist nicht ohne, einen Breitwandfilm, in dem rund 250 Autos zu Schrott gefahren werden, vom Highway in den vergleichsweise kleinen Guckkasten zu bringen. Der Schauspieldirektor aus Coburg hat die Herausforderung mit Spaß angenommen: "Wir haben ein Auto, mmh, nicht ganz - wir haben ein halbes Auto auf der Bühne", räumt Straub schmunzelnd ein, "aber unsere Statisterie und eben auch der Chor füllen uns die Bühne enorm. Es sind ja insgesamt über 50 Menschen auf der Bühne, und dadurch entsteht der Eindruck, dass wir da von der Bildgewalt durchaus mithalten können. Und die Verfolgungsjagd ist natürlich sehr spannend: Die Bühnenmaschinerie arbeitet massiv, und der Eindruck, den man da bekommt, den muss man sich einfach live anschauen. Das ist schon anders als im Film, aber nicht weniger beeindruckend."

Potenzial zum Publikumsmagneten

Ein Chor, der extra für die Saarbrücker "Blues Brothers" aus Laien gecastet wurde, singt mit Riesenbegeisterung und Spielfreude. Das elektrisiert bald den ganzen Zuschauersaal. Die original "Blues Brothers" sind unsterblich - eine Kino-Neuauflage aus dem Jahr 2000 ist zurecht in Vergessenheit geraten. Die Saarbrücker Version hat das Potenzial zum Publikumsmagneten. Das Staatstheater bietet wieder ohrwurmig-dickes Unterhaltungsmusical für Popfans. Denn auch das ist ein Auftrag des Herrn.

Mehr darüber im Netz:
https://www.staatstheater.saarland/nc/stuecke/schauspiel/detail/blues-brothers/

Über dieses Thema wurde u. a. in "Der Morgen" vom 15.01.2018 und in "Canapé" vom 14.01.2018 auf SR 2 KulturRadio berichtet.


Mehr zum Thema - ein Probenbericht:

Weitere Vorstellungen:

Mittwoch, 17. Jan 2018, 19:30 Uhr
Freitag, 19. Jan 2018, 19:30 Uhr
Samstag, 20. Jan 2018, 19:30 Uhr
Dienstag, 23. Jan 2018, 19:30 Uhr
Freitag, 26. Jan 2018, 19:30 Uhr
Mittwoch, 21. Feb 2018, 19:30 Uhr

Musikalische Leitung: Achim Schneider
Inszenierung: Matthias Straub
Bühnenbild: Till Kuhnert
Kostüme: Carola Volles
Choreographie: Julia Grunwald
Licht: Patrik Hein
Dramaturgie: Horst Busch
Musikalische Einstudierung: Achim Schneider
Einstudierung Chor: Mauro Barbierato

Jake Blues: Thorsten Köhler
Elwood Blues: Gregor Trakis
Curtis/Ray: Lemuel Pitts
Pinguin/Mrs. Murphy/Bob: Stefanie Köhm
Reverend Cleophus James/Matt "Guitar" Murphy/Musikagent: Ali Berber
Guard 1/Murph/Tucker/McElroy/Finanzbeamter/"Blue Lue" Marini: Philipp Weigand
Guard 2/Trooper Mount/Willie/Maury Sline: Philipp Seidler
Racheengel: Christiane Motter
Soulgirl 1: Nina Links
Soulgirl 2: Jennifer Mai
Soulgirl 3: Sue Lehmann
Good Ole Boys und andere Rollen: Statisterie des Saarländischen Staatstheaters

Jochen Lauer (Bass), Marc Sauer (Gitarre), Daniel Weber/David Anlauff (Schlagzeug), Peter Kästner (Trompete), Johannes Müller (Saxophon), Philipp Schug (Posaune)

Der "Blues Brothers"-Chor

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