Homeschooling (Foto: SR)

Schüler in der Risikogruppe

  05.10.2020 | 16:18 Uhr

Viele Kinder haben sich gefreut, als es nach der Corona-Pause endlich wieder in die Schule ging. Aber es gibt immer noch Schüler, die wegen Vorerkankungen zuhause bleiben müssen. Die fehlende Organisation bringt sowohl die Eltern als auch die Lehrer in eine schwierige Situation.

Eltern und Lehrer fühlen sich im Stich gelassen

Seit Mitte März sind die Kinder mit Vorerkrankungen jetzt schon zuhause. Der Unterricht daheim klappt in vielen Familien sehr schlecht.

Kollegengespräch mit Julia Lehmann
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Kollegengespräch mit Julia Lehmann

SR1-Reporterin Julia Lehmann hat mit einer Mutter aus Großrosseln gesprochen. Ihr Sohn geht in die sechste Klasse und hat Asthma. Die größte Herausforderung für sie ist der fehlende Lernstoff: Zwar bekämen die Kinder ab und zu Aufgaben per Mail oder Fotos von den Tafelbildern, aber ohne weitere Erklärung könne sie damit auch nicht viel anfangen. Sie fühlt sich überfordert damit, die Rolle als Lehrerin übernehmen zu müssen. Denn wenn sie selbst kein Französisch kann, kann sie es ihrem Sohn auch nicht beibringen.

Diesen Kindern fehlen mittlerweile acht Wochen Schulstoff, während ihre Klassenkameraden den ganz normalen Unterricht besuchen können. Das führt auch bei der Notenvergabe zu einem Problem: Zwar schreiben die Schüler die Klassenarbeiten mit - alleine in einem separaten Raum in der Schule -, aber ohne die nötige professionelle Vorbereitung fällt das schwer.

Die Kinder fühlen sich unsicher und haben Angst, nicht die erwartete Leistung erbringen zu können. Hilfe nehmen sich manche Familien durch Nachhilfelehrer. Das ist jedoch teuer und kann den geregelten Schulunterricht nicht ersetzen.

Offiziell heißt es: Die Schulen müssen dafür sorgen, dass die Kinder, die zuhause sind, keinen Nachteil haben. Aber die Lehrer haben nicht genug Zeit, parallel zum Unterricht auch noch Online-Unterricht zu geben.

Patrick Zimmer-Barbian unterrichtet an einem Gymnasium in Völklingen. In seiner Klasse gibt es zwei betroffene Kinder - und er fühlt sich ziemlich alleine gelassen: "Mit welcher Plattform man jetzt arbeitet und was man den Kindern schickt - das sagt mir keiner. Es wurde von uns auch schon nachgefragt, ob wir eventuell ein paar Stunden freigeschaufelt kriegen, damit man tatsächlich eine Art Unterricht dafür machen könnte. Aber das ist nicht da."

Vor allem die mündlichen Noten bedeuten eine riesige Herausforderung, da die fehlenden Kinder ja nicht bewertet werden können.

Bildungsministerium bietet Hilfestellung

Insgesamt sind es 341 Kinder, die aktuell wegen ihrer Vorerkrankungen zuhause bleiben - darüber hinaus gibt es allerdings auch vorerkrankte Schüler, die den Präsenzunterricht bereits besuchen, erklärt Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot. Die Grundlage dafür, dass die Kinder im Homeschooling bleiben, ist die Befreiung von der Präsenzpflicht durch ein ärztliches Attest.

Interview mit Streichert-Clivot
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Interview mit Streichert-Clivot

Das Bildungsministerium setzt sich jetzt dafür ein, dass auch die vulnerablen Kinder wieder in die Schule können. Im Rahmen einer Fachkonferenz wurde das mit Kinder- und Jugendärzten bereits besprochen. Es soll mit der Problematik genauso umgegangen werden wie auch mit der Herausforderung der vulnerablen Lehrer, die wieder unterrichten sollen.

Die Teilnahme am Unterricht soll durch verschiedene Beratungs- und Unterstützungsprogramme wieder ermöglicht werden. Streichert-Clivot betont allerdings: "Da gibt es noch Hürden - auch was die persönliche Schutzausrüstung angeht. Nicht geklärt ist offenbar von Seiten der Krankenkassen, wer denn da für die Kosten aufkommt, und ich glaube, das ist auch ein ganz zentrales Thema."

Dennoch soll für diejenigen, die trotz aller Unterstützungen nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können, ein klares Angebot geschaffen werden.Eltern, die sich mit der Situation im Homeschooling überfordert fühlen, sollen sich unbedingt mit dem Bildungsministerium in Verbindung setzen, rät Christine Streichert-Clivot. So kann individuell Hilfeleistung angeboten werden.

Für Schulen und insbesondere Lehrer gilt: Jeder Standort muss einzeln betrachtet werden. Laut Bildungsministerin wurde sehr viel in die Online Schule Saarland investiert - das ist die Plattform, die die Kinder zuhause nutzen sollen. Dort stehen auch Fortbildungen für die jeweiligen Lehrkräfte zur Verfügung.

Wenn es Nachfragen gibt, wie die Plattform richtig eingesetzt wird, sollten sich Lehrer an das Landesinstitut für Pädagogik und Medien wenden. Auch da gibt es entsprechende Fortbildungsangebote, die schnell verfügbar sind. Für die Kinder, die besondere Unterstüzung brauchen und im Homeschooling unterrichtet werden, gibt es außerdem die Schulsozialarbeit. Sie kann bei fragen der Integration helfen und unterstützen.


Auch Thema auf SR1 am 05.10.2020 in der Sendung 'Hallo Saarland.'

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