Herzliche Umarmung (Foto: Pixabay/kisss)

Helikoptereltern müssen loslassen lernen

  29.04.2019 | 07:50 Uhr

Alles dreht sich um die Kinder. Die Eltern regeln alles, kontrollieren alles, und räumen jedes Hindernis aus dem Weg: "Helikopter-Eltern" versuchen immer "das Beste" für ihre Kindern zu erreichen. Doch für die Kinder selbst ist das gar nicht gut.

Helikopter-Eltern
Audio
Helikopter-Eltern
Für sie steht der Nachwuchs im Mittelpunkt. Woran liegt das und wie können betroffene Eltern reagieren? Unsere Reporterin Simin Sadeghi hat nachgefragt.

Eltern wollen doch nur das Beste für ihre Kinder. Das ist ja im Grunde auch gut so. Aber heutzutage gehen manche Eltern dabei doch ein Stück zu weit. Sie lassen ihre Kinder keine Minute aus den Augen, wollen alles kontrollieren und die Kleinen am liebsten in Watte packen. Und weil sie den ganzen Tag um die Kleinen herum schwirren wie ein Helikopter, nennt man sie deshalb "Helikopter-Eltern".

Sie meinen es nur gut. Aber sie kennen dabei keine Grenzen. Denn manche Eltern gehen noch weiter. Sie versuchen auch, ihrem Kind jedes Hindernis aus dem Weg zu räumen, jedes Problem selbst zu lösen, jede Schwierigkeit zu beseitigen. Diese Exemplare nennt man "Rasenmäher-Eltern", denn sie mähen alles weg, was dem Kind im Weg stehen könnte.

Sie klären den Krach mit dem Nachbarsjungen oder lösen den Konflikt mit dem Lehrer. Sie sind bei Klassenfahrten dabei, damit alles so passt wie es der Junior gewöhnt ist. Und damit die Kleinen auch sicher ans Ziel kommen, fahren sie ihre Kinder lieber überall hin, anstatt sie auch mal ihren Weg alleine gehen zu lassen.

Kinder müssen Erfahrungen sammeln

"Helikoptereltern" nicht gut für Kinder
Audio
"Helikoptereltern" nicht gut für Kinder
Für die Kinder selbst ist das "Helikoptern" gar nicht gut, haben SR-Moderatoren Christian Balser und Kerstin Mark erfahren.

Helikoptereltern glauben zwar, das Richtige zu tun, doch in Wirklichkeit tun sie ihren Kindern keinen Gefallen. Denn Kinder von Helikopter-Eltern werden später unsicher Erwachsene, weil es ihnen an Erfahrungen mangelt.
Kinder müssen eigene Erfahrungen sammeln, um eine starke und selbstbewusste Persönlichkeit zu werden. Eltern dürfen ihnen daher nicht abnehmen, was die Kinder schon selbst machen können.
Kinder kann man nicht stark machen, sagt der Erziehungswissenschaftler Herbert Renz-Polster, vielmehr müssen sie selber lernen, mit sich und anderen klar zu kommen. Nur dadurch können sie innere Stärke aufbauen.

Eltern müssen loslassen lernen

Eltern sind heute viel unsicherer, sagen Erziehungswissenschaftler und Psychologen. Dafür sorgen nicht nur die Medien und die sozialen Medien mit ihren Berichten über Verbrechen in aller Welt. Auch das Alter spielt dabei eine Rolle: Je älter der Mensch, desto ängstlicher ist er, sagt die Wissenschaft.

Helikopter-Eltern - die meisten kennen das Phänomen, aber niemand hält sich dafür. Woran merkt man denn, dass man zu den Helikopter-Eltern gehört? Daran, dass man den Kindern nichts mehr zutraut, sie nichts selber machen lässt.

Doch meistens wird es Eltern gar nicht durch ihr eigenes Verhalten bewusst, sondern erst durch die Reaktionen der Kinder, so die Saarbrücker Familienpsychologin Carola Hoffmann: Wenn die Kinder sich gegen die Bemutterung wehren, dann sollte man sie zunächst nicht unbedingt für undankbar halten, sondern vielmehr darüber nachdenken, ob man nicht doch zu viel des Guten will.

Eltern müssen loslassen lernen, auch wenn es schwer fällt, und die Kinder eigene Entscheidungen treffen lassen. Das ist wichtig für deren Entwicklung.

Kinder werden sonst unsichere Erwachsene. Zum Beispiel, wenn sie als Kind nicht lernen, sich im Straßenverkehr zu bewegen. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder ihren Schulweg selbst bewältigen. Und genau das ist auch für Helikopter-Eltern eine gute Möglichkeit, selbst den Weg zurück zu finden und Kontrolle abzugeben, rät die Psychologin, indem man nach und nach den Schulweg nicht mehr ganz mitgeht, sondern nur noch teilweise und diese Strecke schrittweise verkürzt.


Mehr zum Thema

Verkehr
Sicher zur Schule - Es muss nicht immer das Elterntaxi sein
Sei es aus Zeitnot, sei es aus Besorgnis - immer mehr Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Und sorgen damit regelmäßig für ein Verkehrschaos, in dem die Kleinen alles andere als sicher sind. Dabei wäre es für die Kinder wichtiger, Erfahrungen im Straßenverkehr zu sammeln, um sichere Fußgänger zu werden, sagt die Polizei. Wie man mit dem Problem kreativ umgehen kann, hat sich unser Reporter in Mettlach angeschaut.



Auch Thema auf SR 1 am 29.04.2019 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

Artikel mit anderen teilen