Oliver Georgi - Und täglich grüßt das Phrasenschwein (Foto: SR)

Und täglich grüßt das Phrasenschwein

  25.03.2019 | 00:00 Uhr

In seinem neuen Buch analysiert Oliver Georgi die Sprachkultur der deutschen Politiker. Dabei schaut der Journalist nicht nur den Akteuren des aktuellen Politikkarussells auf die Lippen, sondern beschäftigt sich auch mit der Frage, wie sich die politische Rhetorik im Laufe der Jahre verändert hat.

Buchtipp

Oliver Georgi
Und täglich grüßt das Phrasenschwein
Dudenverlag
18,- Euro

Politiker können minutenlang reden, ohne dabei etwas zu sagen. Und manche geben das sogar zu.

Warum reden Politiker keinen Klartext? Und warum liegt das auch an uns? Diesen Fragen geht Oliver Georgi in seinem neuen Buch auf den Grund. Die Sprache der Politiker ist von einer Phrasen- und Formelhaftigkeit geprägt: Lösungsansätze sind „alternativlos“, Missstände sollen „schonungslos“ offengelegt werden, während die Opposition das Vorgehen „auf das Schärfste“ verurteilt und „ergebnisoffen“ in die Verhandlungen geht.

Beim Wähler stoßen diese Phrasen mehr und mehr auf Widerstand. Die gleichförmige Rhetorik der etablierten Parteien stärkt die populistischen Kräfte, die vorgeben, „Klartext“ zu reden und dabei bemüht sind, eine zunehmende Entgrenzung und Verrohung des politischen Vokabulars herbeizuführen.

Oliver Georgi sieht in der verschleiernden Sprache der aktuellen Politik-Landschaft jedoch keine böse Absicht, vielmehr handelt es sich um eine direkte Reaktion auf einen veränderten öffentlichen Politdiskurs, in dem weder Fehltritte noch Schwäche toleriert werden. Der FAZ-Journalist führt seine Leser durch den Sprachdschungel des Politiker-Vokabulars, plädiert für mehr Authentizität und warnt davor, die rücksichtslose Sprache der Populisten als akzeptable Gegenstimme anzusehen.  

Das Buch soll ein Appell sein an beide Seiten, sagt Autor Oliver Georgi - an Journalisten und Medien, wie auch an Politiker, doch mehr Klartext zu reden


Oliver Georgi wurde 1977 in Hamburg geboren. Der Journalist arbeitet seit 2008 für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, seit 2015 als politischer Redakteur. In der Samstagsausgabe finden die Leser auch regelmäßig seine Sprachglosse „Fraktur“.

Programmtipp

Mehr zum Thema auf SR 1 in der Sendung 'Abendrot' am 25.03.2019 : Ab 20 Uhr plaudert SR1-Moderator Stefan Berger mit dem Autor über die Sprachkultur der deutschen Politiker.

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