Schaeffler, Homburg (Foto: Alexander M. Groß/SR)

Bluten Autozulieferer im Saarland aus?

Mit Informationen von Peter Sauer   07.08.2019 | 15:50 Uhr

Die Autoindustrie ist im Umbruch: Die rückläufige Nachfrage beim Diesel, der unsichere Ausgang des Brexit und die internationalen Handelsstreitigkeiten bremsen die Konjunktur in dem Bereich aus. Das zeigen auch die jüngsten Meldungen von Schaeffler und Bosch aus Homburg. Aber wie geht es weiter?

Bei Kupplungs- und Getriebeteil-Hersteller Schaeffler ist der Gewinn im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres um die Hälfte auf 136 Millionen Euro eingebrochen. Für die rund 2800 Beschäftigten im Homburger Werk soll das allerdings keine besonders schwerwiegenden Folgen haben. Nach Angaben der IG Metall Homburg sogenannte Schließtage vereinbart werden, an denen nicht gearbeitet wird. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden.

Bei Bosch droht Stellenabbau

Automobilzulieferer müssen neue Wege gehen
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Automobilzulieferer müssen neue Wege gehen

Schlimmer sieht es bei Bosch aus, wo in Homburg Diesel-Einspritzsysteme produziert werden. Nach dem Diesel-Abgasskandal ist die Nachfrage nach Autos mit Dieselmotor deutlich zurückgegangen, was sich beim Homburger Bosch-Standort besonders bemerkbar macht. Einziger Hoffnungsschimmer sind hier Komponenten für die Brennstoffzelle, die in Homburg testweise hergestellt werden. Mittelfristig ist das aber zu wenig, um die knapp 4000 Mitarbeiter alle weiter zu beschäftigen.

Ohnehin war die Belegschaft in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden. Die Stimmung bei Bosch ist getrübt. Der Betriebsratsvorsitzende Oliver Simon warnte, sollten keine neuen Arbeitsbereiche dazukommen, könne es bis Jahresende zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. Bosch selbst wollte sich auf SR-Anfrage nicht dazu äußern, betont aber, den Stellenabbau sozialverträglich umsetzen zu wollen, beispielsweise durch Schließtage wie am Brückentag kommende Woche (16. August).

Industrie vor großen Herausforderungen

Schuld an der Situation ist, dass die Nachfrage nach Autos abebbt, vor allem in Wachstumsmärkten wie China. Hinzu kommen Unsicherheiten wie der Brexit und die internationalen Handelskonflikte. Vor allem aber ist die Branche mit Blick auf neue, umweltfreundliche Antriebe im Umbruch. Das hat auch auf die Zulieferer im Saarland erhebliche Auswirkungen. Beispielsweise wird für die Herstellung eines Elektroantriebes wesentlich weniger Personal benötigt als bei einem Verbrennungsmotor. Durch die Digitalisierung verändern sich außerdem die Produktionsweisen der Hersteller.

Hier ist beispielsweise ZF in Saarbrücken sehr gut aufgestellt, weil man die derzeit stark nachgefragten Hybrid-Getriebe herstellt. Außerdem forscht das Unternehmen an einer Zukunftstechnologie, dem autonomen Fahren.


Auch Thema auf SR 1 am 07.08.2019 in der Sendung 'Hallo Saarland'.

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